Von Google geförderte Firma 23andMe US-Behörden stoppen 99-Dollar-Gentest

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Der Gentest für zu Hause darf nicht mehr verkauft werden. US-Aufseher blockieren den Handel mit der Speichelanalyse von 23andMe, mit der Käufer ihr Risiko für Alzheimer oder andere Erbkrankheiten prüfen. Die Ergebnisse seien zu unsicher. Hinter der Firma steht eines der berühmtesten Paare des Silicon Valley.

Von Jannis Brühl

Die Technik, die das Magazin Time 2008 zur "Erfindung des Jahres" kürte, darf in den USA nicht mehr verkauft werden. Die Gentest-Firma 23andMe, von der Ehefrau des Google-Mitgründers Sergey Brin gestartet, muss vorläufig den Betrieb einstellen. Die Lebensmittel- und Pharmabehörde FDA untersagte ihr, weiter ihre Selbsttest-Sets für zu Hause zu verkaufen.

23andMe verkauft in den USA einen Speicheltest für 99 Dollar. Ausgewertet wird mit gewaltiger Rechnerkraft. Ein Ziel von 23andMe - benannt nach den 23 Chromosomenpaaren des Menschen - ist, aus den Ergebnissen eine umfassende Datenbank zur besseren Erkennung der Erbgut-Risiken aufzubauen. Kunden können nach dem Test Informationen über ihre Abstammung und ihre ererbten Gene - und damit auch Risiken für bestimmte Krankheiten - herausfinden.

Die Firma hat die erforderlichen Zulassungen nicht bekommen. Deshalb gebe es keine Sicherheit, dass die Test-Ergebnisse korrekt seien, wie aus einem FDA-Brief an 23andMe hervorgeht. Die Behörde befürchtet deshalb Fehldiagnosen, die einerseits Menschen mit erhöhtem Risiko von Erbkrankheiten falsche Sicherheit geben - andererseits ungefährdete Kunden zu teuren oder gefährlichen Behandlungen verleiten könnten. Es gibt laut FDA einfach keine Sicherheit, dass die Selbsttest-Sets das korrekte Ergebnis anzeigten.

"Liebe Ms. Wojcicki", beginnt der Ablehnungsbrief der FDA. Firmenchefin Anne Wojcicki ist nicht nur Biologin und Investorin, sondern auch mit Google-Mitgründer Sergej Brin verheiratet. Der half 23andMe, als die Firma in ein Programm zur Parkinson-Erkennung investierte. Brins Mutter leidet an der Krankheit. Er selbst hat bei sich in einem Test von 23andMe ein erhöhtes Risiko für Parkinson festgestellt. Zudem unterstützte der Risikokapital-Arm seines Konzerns, Google Ventures, die Firma seiner Frau mit mehr als zehn Millionen Dollar.

Brin und Wojcicki heirateten 2007 und haben zwei Kinder. Im Sommer dieses Jahres gaben sie bekannt, dass sie mittlerweile getrennt leben.

In einer kurzen Mitteilung erklärt 23andMe, die Bedenken der Behörde ausräumen zu wollen.