Digitales Morgen: Debatte zur Digitalisierung Mehr Steckdosen für eine bessere Gesellschaft

Wearable: Die Samsung-Smartwatch Galaxy Gear

Das Smartphone in seiner flachen, eckigen Form könnte bald schon ein Auslaufmodell sein. Im Interview erklärt die Autorin Heike Scholz, was uns in den kommenden Jahren im Mobile-Bereich erwartet und wie die Gesellschaft sich darauf einstellen muss. Ein Diskussionsbeitrag in der Artikelreihe "Digitales Morgen" von Süddeutsche.de und Vocer.

Von Christoph Brüggemeier, Carolin Neumann und Christiane Strauss

Digitales Morgen: Der Tod des Smartphones ist absehbar, oder?

Heike Scholz: Die Form, wie wir das Smartphone heute kennen - flach, vier abgerundete Ecken mit einem Touchdisplay - wird natürlich nicht auf ewig erhalten bleiben. Es wird nach und nach Funktionen auf unterschiedliche Gadgets, etwa sogenannte Wearables, abgeben. Nichtsdestotrotz werden wir immer eine zentrale Recheneinheit bei uns tragen.

Wearables, also Elektronik, die ich als Kleidungsstück oder Accessoire tragen kann, sind das nächste große Ding?

Die Datenbrillen, mit denen man über eine Sprachsteuerung Fotos machen kann oder mir Inhalte anzeigen lassen kann, sind nicht mehr ganz neu, Google Glass ist natürlich ein Name. Insgesamt wandern Units mit digitalen Funktionen in die Peripherie, angefangen von Solarzellen in Taschen, die unsere Geräte aufladen, bis hin zu kleinen Ladegeräten, die in Designermaßanzügen eingenäht sind.

Von solchen Solarzellen in der Kleidung wird schon seit Jahren gesprochen, durchgesetzt haben sie sich aber immer noch nicht - woran liegt das?

Es gibt immer noch nicht so viele Konsumenten, die ständig unterwegs und online sind, das Smartphone vor der Nase haben und auf Stromversorgung angewiesen sind. Das ist ein Nischenmarkt. Es wird noch einen Moment dauern, bis die vor allem jungen Leute, die heute schon einen solchen Lebensstil pflegen, nachgerückt sind und diese Produkte nachfragen.

Welche Herausforderungen ergeben sich durch Erfindungen wie Google Glass für die Gesellschaft?

Die eine Herausforderung ist: Die Deutschen sind Bedenkenträger - das müssen wir abbauen und neue Technologien zumindest erst einmal wohlwollend betrachten, bevor wir sagen: Das ist alles ganz fürchterlich! Damit verbunden müssen wir in unserem Land daran arbeiten, wieder zu den Technologieführern und Innovatoren zu gehören. Als Technologiestandort sind wir seit Jahren sehr weit abgeschlagen. Auf der anderen Seite müssen wir natürlich als Gesellschaft einen Diskurs darüber führen: Was wollen wir an Technologie, die in unser Privatleben eindringt und uns ständig in den digitalen Raum stellt? Wir müssen uns im Klaren darüber sein, was neue Technologien für unsere Privatsphäre bedeuten.

Das thematisiert auch der Animationsfilm von Christiane Strauss und Christoph Brüggemeier. Wie gehen wir damit um, immer transparentere Wesen zu werden?

Es gibt da zwei Ebenen: auf der einen das, was ich selbst ins Internet gebe und entscheide, für andere sichtbar zu machen. Es braucht Medienerziehung, damit ich weiß, was ich tue und mit welchen Risiken es verbunden ist. Aber etwas anderes ist, wenn andere Daten über mich ins Netz stellen, von denen ich womöglich nicht einmal etwas weiß. In der Szene ist es doch sehr positiv, dass die Protagonistin sehen kann, dass sie einem Hallodri aufgesessen wäre. Persönlich würde ich gerne eine Gesichtserkennung auf der Nase tragen, ich kann mir so schlecht Namen und Gesichter merken.

Noch ein Beispiel, wie konkret solche Gesichtserkennung etwas Negatives verhindern kann: Als ich klein war, bin ich noch manchmal im Dunkeln alleine draußen rumgelaufen. Heute werden viele Kinder so begluckt und dürfen keinen Schritt alleine machen. Eltern könnten ihnen eine Datenbrille geben. Wenn dann ein "Mitschnacker" kommt, der sie mit Bonbons "mitschnacken" will, könnte die Brille einen Abgleich mit einer Gesichterdatenbank machen. Wenn das dann einer ist, der gerade von der Polizei gesucht wird, geht ein Alarm los, die Brille jault oder so.