Debatte um Künstliche Intelligenz Besserwisser aus Blech

Wenn Maschinen eines Tages Entscheidungen treffen, wirft das die Menschheit auf alte Fragen nach richtigem Handeln zurück.

Kommentar von Johannes Boie

Alle zehn Jahre werden Computer je Euro, den sie kosten, circa 100-mal schneller. Es gibt deshalb Forscher, die davon ausgehen, dass es bald Rechner geben wird, die so stark sind wie ein menschliches Gehirn, und dann, nicht viel später, so stark wie alle menschlichen Gehirne zusammen. Heute fragt man sich: Was macht der Mensch mit dieser Leistungskraft? Vielleicht wird die Frage aber irgendwann sein: Was machen die Maschinen mit dem Menschen?

Dermaßen starke Computer sind fähig, sich so zu verhalten, dass man sie intelligent nennen kann. Auf ihnen läuft Software - also Programme - die man als "künstliche Intelligenz" bezeichnet. Nicht nur der zusammengesetzte Begriff, auch seine Bestandteile sind unscharf. Weder "künstlich" noch "Intelligenz" sind klar definiert; es ist nicht einmal einheitlich geregelt, wie die "Stärke" eines Rechners gemessen wird. Trotzdem füllt sich der Begriff der künstlichen Intelligent derzeit massiv mit Bedeutung, weil immer mehr Computer und immer mehr Programme entstehen, die wenigstens einer von vielen Definitionen der künstlichen Intelligenz entsprechen. Ein wichtiges Merkmal dabei ist, dass die Maschinen lernfähig sind. Sie werden also mit jeder Aktion, die sie ausführen, klüger - einem Kind, das lernt, nicht unähnlich.

Die Welt fundamental verändern

Wissenschaftler und Unternehmer auf der ganzen Welt sind sich einig, dass die Technologie, die als bloßes Gedankenspiel Autoren und Leser seit Jahrhunderten anregt, kurz davor steht, die Welt um uns herum - und damit auch uns - fundamental zu verändern. Maschinen werden zum Beispiel viele Jobs allein erledigen können, und dann machen sie Menschenarbeitslos. Maschinen sind in ihrer Aufnahmefähigkeit theoretisch unbegrenzt. Sie werden in vielen Situation schneller, zuverlässiger entscheiden als Menschen, etwa beim Erkennen von Krankheiten. Dieselbe Entschiedenheit kann auch mit einer Waffe gekoppelt werden, die feuert, wenn die Maschine es entscheidet.

Beim Thema künstliche Intelligenz schwingt deshalb oft die Sorge davor mit, dass es zum ersten Mal nicht mehr der Mensch sein könnte, der Entscheidungen trifft. Bislang sind Maschinen neutral, über ihren Einsatz und damit ihre Wirkung entscheiden Menschen. Was aber, wenn Maschinen autonom werden? Es gibt sogar Forscher, die glauben, dass Maschinen irgendwann ein Bewusstsein entwickeln könnten.

Freiheit für Sisyphos

Es gibt viele Missverständnisse, was künstliche Intelligenz eigentlich ist. Die sollte man ausräumen. Denn einerseits werden uns kluge Maschinen auch im Alltag mühsame Arbeiten abnehmen. Andererseits gibt es durchaus Gefahren. Von Constanze Kurz mehr...

So wirft die Forschung an künstlicher Intelligenz die Rätsel der Maschinen auf den Menschen zurück, in Form Jahrhunderte alter Fragen. Was ist denn ein Bewusstsein? Was ist Gut und Böse? Was ist richtiges Handeln? Über die Zukunft der Maschinen nachzudenken bedeutet deshalb letzten Endes, über die Menschheit nachzudenken.