Cambridge Analytica Die schmutzigen Methoden der Datenfirma

Alexander Nix, Chef von Cambridge Analytica, wird in London von Medien belagert, bevor er sein Büro betritt.

(Foto: REUTERS)

Inszenierte Sexskandale und bewusst gestreute Falschnachrichten: Eine Undercover-Recherche enthüllt, wie Cambridge Analytica um Kunden warb.

Von Alexander Menden, London

Die Affäre, die den Chef des Datenanalyse-Unternehmens Cambridge Analytica (CA) vorläufig den Job gekostet hat, begann mit einem Telefonat. Sein Unternehmen sei "nicht nur die größte politische Beraterfirma der Welt", sagte Alexander Nix, sie habe auch die "größte Erfolgsbilanz" bei der Arbeit "im Verborgenen". Nix glaubte, er telefoniere mit der Gewährsperson einer reichen Familie aus Sri Lanka, die mit seiner Hilfe politischen Einfluss gewinnen möchte. In Wahrheit handelte es sich um den Mittelsmann eines Rechercheteams, das für den britischen Sender Channel 4 sowie die Zeitung Observer Genaueres über das Spektrum der von CA angebotenen Dienstleistungen herausfinden wollte.

Die Channel-4-Reportage "Daten, Demokratie und schmutzige Tricks", die am Montagabend erstmals ausgestrahlt wurde, fördert Erstaunliches zutage. CA rühmt sich seit Langem, mit öffentlich zugänglichen Daten, etwa aus sozialen Netzwerken, Wahlen gezielt beeinflussen zu können, unter anderem zugunsten Donald Trumps. Wobei Alexander Nix die Nutzung von Facebook-Informationen trotz einiger Belege bestreitet. Aber bei einer Reihe verdeckt gefilmter Treffen mit dem vermeintlichen Kunden aus Sri Lanka behaupten die Chefs, noch ganz andere Methoden als die Datenanalyse im Angebot zu haben.

Zunächst beteuert Nix' Vizedirektor Mark Turnbull noch, Fake News, Lügen und Fallstricke gehörten nicht zum Geschäftsmodell von CA. Als Nix dazustößt, klingt das völlig anders. Auf die Frage des vermeintlichen Kunden, wie tief die Firma grabe, um die "wahre Identität" der politischen Gegner aufzudecken, antwortet Nix, ehemalige Agenten suchten für ihn nach schmutzigen Geheimnissen der Kontrahenten ihrer Auftraggeber.

"Wir könnten ein paar Ukrainerinnen als Urlaubsbegleitung mitnehmen"

"Wir tun noch mehr", fährt Nix fort. "Wir sprechen mit den Amtsträgern und machen ihnen ein Angebot, das zu gut ist, um wahr zu sein. Und wir stellen sicher, dass es ein Video davon gibt. Diese Taktik ist sehr effektiv, weil man sofort Videobeweise für Korruption hat." Man könne auch Sexskandale inszenieren, sagt Nix weiter, indem man "ein paar Mädchen zum Haus des Kandidaten" schicke. "Wir könnten ein paar Ukrainerinnen als Urlaubsbegleitung mitnehmen, wenn Sie verstehen, was ich meine." Das alles seien "nur Beispiele für das, was man tun kann, was auch schon getan worden ist". Nach Ausstrahlung der Reportage beantragte die Leiterin der britischen Datenaufsichtsbehörde, Elizabeth Denham, einen Durchsuchungsbefehl für die Londoner CA-Büros.

Cambridge Analytica wies den Bericht zurück, er enthalte "falsche Behauptungen, faktische Ungenauigkeiten und erhebliche Fehlcharakterisierungen". Die Gesprächspartner hätten den potenziellen Kunden nur ermutigt, um mehr über seine unlauteren Absichten herauszufinden. Dem läuft die Darstellung von Channel 4 zuwider, der zufolge CA noch Wochen, nachdem der Mittelsmann den Kontakt abgebrochen hatte, nachgefragt habe, ob man doch noch ins Geschäft komme. Am Dienstagabend schließlich ließ CA den zweiten Akt seiner Selbstverteidigungsstrategie folgen: Alexander Nix, teilte die Firma mit, sei vorläufig suspendiert, weil seine Aussagen bei Channel 4 "nicht den Werten und Betätigungen der Firma" entsprächen.

Öfter mal die Apps checken

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