Browser-Add-On "Scrambls" Verschlüsselt bei Facebook

Mark Zuckerberg weiß nicht mehr, was seine Nutzer gerade tun: Ein Zusatzprogramm macht Einträge bei Facebook und Co. nur für Berechtigte lesbar. Doch lassen sich Mitglieder sozialer Netzwerke davon überzeugen, ihre Statusmeldungen zu verschlüsseln?

Von Otto Fritscher

Geschrieben ist geschrieben, geklickt ist geklickt: Wer im Überschwang der Gefühle Tweets, Blogs oder Einträge auf sozialen Netzwerken veröffentlicht hat, tut sich oft schwer, sie wieder aus der Welt zu schaffen. Doch irgendwann können unbedachte Äußerungen auf den Autor zurückfallen, etwa wenn der Personalchef in Facebook über den Bewerber recherchiert.

Anonym können Facebook-Nutzer nicht agieren - doch ein Browser-Add-On lässt sie zumindest verschlüsselt Statusbeiträge schreiben.

(Foto: dpa)

Wave Systems, ein amerikanisches IT-Unternehmen, versucht nun, dem Nutzer wieder mehr Kontrolle zurückzugeben. Wave ist bisher eher als Unternehmen der Sicherheitstechnologie bekannt. Mehr als 60 Millionen Laptops weltweit arbeiten mit einem Crypto-Chip von Wave. Nun wagen sich die Amerikaner an Software: "Scrambls" heißt das kleine Zusatzprogramm für Internet-Browser wie Firefox oder den Internet Explorer.

Die Grundidee dahinter ist ziemlich einfach: Ist die Software installiert, erscheint in der Browser-Werkzeugleiste eine neue Schaltfläche für Scrambls. Draufgeklickt, kann man wählen, ob man den gesamten Text oder nur Teile eines Textes verschlüsseln will. Dazu müssen die zu chiffrierenden Textabschnitte am Anfang und am Ende mit zwei at-Zeichen (@@) gekennzeichnet werden. Heraus kommt dabei ein Buchstabensalat.

Allerdings ergibt die Prozedur nur Sinn, wenn alle Empfänger der Nachricht ebenfalls Scrambls installiert haben - und man diese Adressaten explizit für die eigenen Postings freischaltet. In der Praxis dürfte es nicht leicht sein, die oft zahlreichen Facebook-Freunde zu überzeugen, diese etwas umständliche Software zu nutzen. Ein Vorteil von Scrambls ist aber, dass man verschlüsselte Nachrichten mit einem Klick an Empfänger in verschiedenen sozialen Netzwerken schicken kann.

Mit Scrambls lassen sich Adressaten auch in Gruppen fassen. Allerdings - und das mag manchen für Datenschutz sensiblen Benutzer irritieren - ist dafür eine Registrierung auf der Scrambls-Website nötig. Zwar werden nur eine E-Mail-Adresse und ein Passwort abgefragt. Aber auch vor der Nutzung von Scrambls muss man sich im Plug-in mit E-Mail-Adresse und Passwort einloggen. "Wir wissen, dass wir damit sehr sensibel umgehen müssen", sagt Joseph Souren, Europa-Chef des 1988 gegründeten Unternehmens.

Der technische Vorgang der Verschlüsselung erfolgt auf dem eigenen Rechner, der Scrambls-Server stellt dann nur die Schlüssel bereit. "Wir lesen nicht mit und wir speichern nichts", versichert Souren. Danach werden die - jetzt verschlüsselten - Daten zu Facebook & Co. hochgeladen. Auch die sozialen Netzwerke haben keinen Zugriff auf den Inhalt, sondern speichern nur den Buchstabensalat.

Scrambls ist für die private Nutzung kostenlos, es können bislang nur Texte verschlüsselt werden. Wave arbeitet an einer Version, mit der auch Foto- und Video-Dateien geschüttelt und gerührt werden können. Dann, ist Souren überzeugt, wird Scrambls auch für Unternehmen interessant.

Unklar ist bislang, wie Facebook und andere Dienste auf verschlüsselte Nachrichten reagieren. Leben die sozialen Netzwerke doch davon, dass die Nutzer Einblicke in ihr Privatleben gewähren. "Die User von Facebook werden sicher nicht 100 Prozent ihrer Posts verschlüsseln", vermutet Souren.