Anonymous.Kollektiv Leak zeigt mutmaßliche Betreiber der größten deutschen Hetzseite

So sah die Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv aus, bevor sie im Mai gelöscht wurde.

(Foto: Facebook)
  • Ein Screenshot soll die drei Administratoren der Facebook-Hetzseite Anonymous.Kollektiv zeigen.
  • Darauf sind Nutzer mit den Namen "Mario Roensch" und "Kai Homilius" zu sehen.
  • Homilius ist Verleger des rechten Compact-Magazins und wurde bisher nicht in Zusammenhang mit Anonymous.Kollektiv gebracht.
  • Gegen den Betreiber der mittlerweile gelöschten Facebook-Seite war unter anderem wegen Volksverhetzung ermittelt worden.
Von Max Hoppenstedt und Simon Hurtz

Anonymous.Kollektiv war einer der wichtigsten Treffpunkte für Islamhasser, Verschwörungstheoretiker und Fremdenfeinde. Die Betreiber hetzten gegen Geflüchtete, Muslime und Politiker - und knapp zwei Millionen Menschen gefiel das. Mit der Hacker-Bewegung Anonymous hatte die Facebook-Seite trotz ihres Namens nie etwas zu tun. Im Mai löschte Facebook die Seite, doch Anonymous.Kollektiv beschäftigt deutsche Ermittler nach wie vor: Trotz der großen Reichweite der Seite ist bis heute unklar, wer eigentlich dahintersteckt.

Bislang wurde häufig der Name Mario Rönsch genannt. SZ.de und Vice Motherboard liegt ein Screenshot vor, der den internen Administratoren-Bereich von Anonymous.Kollektiv zeigen soll. Darauf werden drei Facebook-Konten als Administratoren aufgelistet: ein Nutzer mit dem Namen "Mario Roensch", ein weniger bekannter Sänger und Manager einer Rechtsrock-Band aus Erfurt - und der Name eines Verlegers des Compact-Magazins, der bislang nicht in Zusammenhang mit Anonymous.Kollektiv gebracht wurde.

Dieser Screenshot zeigt Facebook-Nutzer mit dem Namen "Mario Roensch" und "Kai Homilius" als Administratoren von Anonymous.Kollektiv.

(Foto: Screenshot / Facebook.com)

Gegen den Betreiber der Seite wurde mehrfach Anzeige erstattet, unter anderem wegen Diffamierung und Volksverhetzung. Die Staatsanwaltschaft Thüringen stellte die Ermittlungen jedoch vorübergehend ein, da der Beschuldigte Mario Rönsch für die Behörden nicht auffindbar war. Der Screenshot hat bereits eine weitere Anzeige eines Bundestagsabgeordneten ausgelöst und könnte neue Ermittlungen zu Folge haben.

Die eigentliche Überraschung ist der Name Kai Homilius

Bereits im Mai nannte der Focus das ehemalige AfD-Mitglied Mario Rönsch als Betreiber der Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv. Rönsch selbst wehrt sich seit Jahren gegen diesen Verdacht und gab dazu eine eidesstattliche Versicherung ab. Er verklagte Vice, den Spiegel, die Jungle World sowie den MDR und erwirkte vor Gericht, dass er nicht als Administrator der Facebook-Page bezeichnet werden darf. Auf eine Anfrage zu dem aktuellen Screenshot hat Rönsch bis zur Veröffentlichung dieses Textes nicht reagiert.

Die größere Überraschung auf dem Screenshot ist ein anderer Name: Kai Homilius. Er leitet die Compact-Magazin GmbH, eine Zeitschrift, die als eines der wichtigsten publizistischen Sprachrohre des Umfelds von AfD und Pegida gilt. Tatsächlich ähneln sich das monatlich erscheinende Magazin und Anonymous.Kollektiv inhaltlich: Beide verbreiten islamfeindliche Behauptungen und Verschwörungstheorien. Die Facebook-Page Anonymous.Kollektiv hatte regelmäßig Compact-Artikel beworben, jedoch war unklar, wie eng die beiden neurechten Medien miteinander verbunden sind.

Der interne Admin-Bereich der Facebook-Seite des Compact-Magazins - mit "Mario Roensch" in der Rolle des Werbetreibenden.

(Foto: Screenshot / Facebook.com)

Ein weiterer Screenshot, der SZ.de und Motherboard vorliegt, soll den internen Administratoren-Bereich der Facebook-Seite des Compact-Magazins zeigen. Dort ist ein Nutzer mit dem Namen "Mario Roensch" in der Rolle eines Werbetreibenden zu sehen. Solche Nutzer können Inhalte von Posts nicht bearbeiten, sondern lediglich Einfluss auf die Vermarktung nehmen. Auch hier taucht wieder das Profil "Kai Homilius" auf, das optisch dem Facebook-Account des Geschäftsführers des Compact-Magazins gleicht. Homilius wollte sich am Telefon nicht äußern, ob die Angaben auf dem Screenshot korrekt sind.

Wie SZ.de und Motherboard den Screenshot erhalten haben

Der Screenshot wurde SZ.de und Motherboard im Sommer von einer Quelle zugespielt. Diese gab an, bei Facebook-Seiten einsehen zu können, welche Nutzer in welchen Rollen tätig sind. Als Beleg schickte die Quelle Screenshots des Admin-Bereichs einer anderen Facebook-Seite, deren jeweilige Rollen SZ.de und Motherboard bekannt waren. Die Facebook-Accounts, die auf dem Screenshot zu sehen waren, stimmten in mehreren separaten Fällen mit den tatsächlichen Rollen überein - obwohl diese Informationen nicht öffentlich bekannt oder einsehbar sind.

Dennoch können nur polizeiliche Ermittlungen den endgültigen Nachweis ergeben, ob Rönsch und Homilius tatsächlich Administratoren von Anonymous.Kollektiv waren. Facebook selbst äußert sich nicht zu einzelnen Seiten oder deren Administratoren. Ein Sprecher sagte, das Unternehmen veröffentliche grundsätzlich keine Informationen über einzelne Nutzer. Voraussetzung für eine Herausgabe der Daten sei die rechtmäßige Anfrage einer Strafverfolgungsbehörde.