Akku-Leistung Warum Apple alte iPhones verlangsamt

Langsames iPhone? Das ist ein Feature, kein Bug, sagt Apple.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)
  • Apple lässt iPhones langsamer laufen, wenn der Akku älter ist.
  • Damit will das Unternehmen verhindern, dass sich das Handy plötzlich abschaltet, wenn es sehr viel Strom benötigt.
  • Der Nutzer bekommt keine Benachrichtigung, wenn und warum sein Smartphone langsamer läuft.
  • US-Kunden haben mittlerweile Klagen gegen das Unternehmen eingereicht.
Von Marvin Strathmann

Macht Apple alte iPhones absichtlich langsamer, damit Nutzer neue Geräte kaufen? Diese Theorie kursiert seit einigen Jahren im Netz. Immer wieder berichten Nutzer, dass ihre Apple-Geräte im Laufe der Zeit langsamer werden und stocken. Die Beschwerden häufen sich immer dann, wenn das Unternehmen ein neues Update des mobilen Betriebssystems iOS veröffentlicht. Eine Erklärung dafür ist, dass alte Geräte nicht mit allen neuen Features umgehen können und daher die Leistung abnimmt. Aber stimmt das?

Vor knapp zwei Wochen hat ein Reddit-Nutzer eine neue Theorie veröffentlicht: Apple drossele iPhones, wenn der Akku älter werde. Tausche ein Besitzer den Akku aus, funktioniere das Handy wieder wie neu. In diese Diskussion hat sich nun John Poole eingeschaltet. Poole ist Entwickler einer Software, die Geräteleistungen vergleicht. In einem Blogeintrag bestätigt er die Theorie: Ist der Akku in einem iPhone 6S oder iPhone 7 älter, verringere sich die Leistung der Handys.

Probleme mit dem Akku

Tatsächlich hatte Apple mit den iPhones der 6er-Serie große Akkuprobleme. Benötigt das Handy mit einem älteren Akku plötzlich sehr viel Strom, kann es sich abschalten. Das Unternehmen reagierte und tauschte bei einigen Geräten den Akku kostenlos aus. Außerdem hat Apple Anfang des Jahres ein Software-Update veröffentlicht, das möglichst oft verhindern sollte, dass sich das Gerät plötzlich abschaltete: iOS Version 10.2.1. Allerdings beschrieb das Unternehmen nicht genau, inwieweit dies das Problem verringert habe. Nun deutet vieles darauf hin, dass Apple wohl die Leistung des Handys vermindert, um ältere Akkus zu schonen und so Ausfälle zu vermeiden.

In einer aktuellen Stellungnahme für das US-Technik-Portal The Verge geht Apple etwas genauer auf das Problem ein. Nahezu alle Android- und Apple-Handys sind mit Lithium-Ionen-Akkus ausgestattet. Sind sie Kälte ausgesetzt, schwach aufgeladen oder älter, kann sich das Gerät unter hoher Belastung unerwartet ausschalten, um die Elektronik zu schützen, erklärt das Unternehmen. Mit dem Update wolle man plötzliche starke Belastungen vermeiden.

Apple hat ein Kommunikationsproblem

Apple widerspricht den Ergebnissen der Reddit-Community und des Entwicklers John Poole also nicht. Dennoch hat das Unternehmen ein Kommunikationsproblem. Wenn der Akku älter und das iPhone langsamer wird, erhalten die Nutzer keine Benachrichtigung von Apple, warum das Handy plötzlich nicht mehr so flüssig läuft. "Die Nutzer denken: Mein Handy ist langsam, also sollte ich es austauschen", schreibt Poole in seinem Blogeintrag. "Nicht: Mein Handy ist langsam, also sollte ich den Akku austauschen'".

Zudem können Nutzer ihre Apple-Geräte nicht so einfach selbst reparieren. Wie in vielen Smartphones ist der Akku fest verbaut und kann nur mit viel Aufwand gewechselt werden. Außerhalb der Garantie verlangt Apple knapp 90 Euro für so einen Wechsel. Bei freien Werkstätten kann es günstiger werden. Wer selber reparieren möchte, findet im Netz diverse Anleitungen und Baukästen für die verschiedenen Modelle - allerdings auf eigene Gefahr.

Klage gegen das Unternehmen

Das Vorgehen hat für Apple nun auch juristische Konsequenzen. Bereits einen Tag, nachdem das Unternehmen zugegeben hat, die Leistung zu drosseln, haben mehrere iPhone-Kunden in verschiedenen US-Bundesstaaten Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Die Argumente der Kläger: Die Nutzer hätten der Drosselung nicht zugestimmt, und sie könnten sie auch nicht ablehnen. Das sei "irreführend, amoralisch und unethisch".

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