Per Internet-Handy können wir künftig reale Orte mit digitalen Informationen, Bildern oder Videos unterfüttern.
Mit der Gegenwart überforderte Zeitgenossen glorifizieren gerne die vermeintliche Einfachheit und Verständlichkeit der Vergangenheit. Auch in Zukunft dürfte es diesen Menschenschlag geben und etwas, was ihm dann an unserer Zeit besonders sympathisch erscheinen wird, dürfte die klare Trennung zwischen fassbarer Realität und digitaler Virtualität. Längst setzt die Menschheit nämlich eine Menge daran, diese klare Grenze zu verwischen.
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Airtags funktionieren wie digitale Etiketten (© Foto: oH)
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Da ist zum Beispiel die Erfindung "Sekai Kamera" des japanischen Softwarekonzernes Tonchidot. Bei ihr handelt es sich - anders als der Name vermuten lassen würde - nicht um eine Kamera im herkömmlichen Sinne, sondern um ein kleines Zusatzprogramm von Apples iPhone.
Wer nun das japanische Programm auf dem kalifornischen Mobiltelefon installiert, kann Nachrichten, Bilder, Videos oder Audioaufnahmen in realen Räumen platzieren - die allerdings nur für Menschen sichtbar sind, die ein iPhone besitzen, dass mit derselben Software ausgestattet ist. Diese Nachrichten nennt man Airtags, weil sie wie ein virtuelles Etikett (engl. Tag) in der Luft hängen.
Ein virtuelles Netz über der realen Welt
Das klingt kompliziert, funktioniert tatsächlich aber sehr einfach: Mit iPhone und Sekai Kamera ausgestattet betritt man zum Beispiel die Theatinerkirche in München. Wie durch eine Brille betrachtet man nun seine Umgebung durch das Display seines Handys. Darauf sieht er die Innenräume der Barockkirche, die das Handy durch die eingebaute Kameralinse filmt und in Echtzeit auf den Bildschirm zaubert.
Gleichzeitig und für den Nutzer unbemerkt, gleicht das Handy allerdings seine Positionsdaten per GPS mit den japanischen Servern der Firma Tonchidot ab - und überprüft so, ob in diesem Raum ein anderer Nutzer bereits eine Nachricht hinterlassen hat.
Sollte dem so sein, wird die Nachricht exakt an der Stelle, an der sie hinterlassen wurde, auf dem Display eingeblendet. Wer sie entdeckt, kann sie hören, lesen oder betrachten. Und natürlich kann ein anderer Nutzer bestehende Airtags kommentieren oder erweitern.
So entsteht Stück für Stück, ein virtuelles Netz aus digitalen Erweiterungen der Realität, das parallel zur tatsächlichen Welt entwickelt wird. Reale Orte erhalten mit jedem Airtag ein Abbild in der virtuellen, digitalen Welt. Aber, könnte man hier fragen, warum muss es eigentlich ein parallel zur Realität existierendes virtuelles Netz überhaupt geben? Was hilft's?
Nun, zunächst einmal kann festgehalten werden, dass es viele Menschen - derzeit vor allem experimentierfreudige Künstler in Museen - gibt, die Airtags bereits mit Freude einsetzen.
Und dann gibt es natürlich ganz praktische Gründe, die für das Konzept des Airtaggings sprechen: Warum nicht in der Theatinerkirche ein Bild von der Kirche bei Nacht für die Gäste am Tage hinterlassen? Warum nicht den Lexikonartikel aus der Wikipedia über die Kirche in der Kirche hinterlassen?
(SZ vom 08.01.2010/joku)
Surfrider Beach in Malibu
Ich nutze auf meinem iPhone das App 'Around Me' welches mir Adressen in meiner Nähe (sowie Distanzangabe) aus den Kategorien Restaurant, Hotel, Bar, Cafe, Apotheke, Kino, Shopping, etc. auch Wikieinträge zu Orten in meiner Nähe anzeigt. Supernützlich auf Reisen, sofern man die Datenroaming-Gebühren nicht scheut oder freien Wi-Fi Access hat.
Ich finde Airtagging super auf Reisen - so z.B. würde ich gerne meine persönlichen GoogleMaps, die ich mit Locations gefüttert habe, vor Ort über ein App abrufen, resp. mit anderen teilen.
Beim Airtagging sehe ich das Problem aufkommen, dass über Zeit und steigenden Nutzerzahlen zwar die Menge der Tags zunimmt, aber die Qualität in der Masse untergeht.
Und um darum geht's ja auch, dass ich schneller Zugriff auf hohe Qualität habe als über einen Reiseführer aus Papier.
Mir ist viel wichtiger mit wem ich rede oder wer wer ist.
Ein Beispiel ich sehe jemanden, mache ein Photo von ihm und bekomme dann alle relevanten Daten zu diesem Menschen
Alter
Beruf
Wohnort
Einkommen
usw.
Das wär eine Killer App!
Augmented Reality in all ihren Varianten (beispielsweise dem hier vorgestellten "Airtagging") ist sicher eine der wichtigsten technischen Entwicklungen des 21. Jahrhunderts, denn sie erlaubt das Verknüpfen der virtuellen mit der realen Welt. So wird das "Netz der Dinge" Realität, auch ohne dass jede Statue in jedem Museum mit einem RFID-Tag beklebt werden müsste.
Allerdings sei die Beschreibung des Verfahrens korrigiert:
"für den Nutzer unbemerkt, gleicht das Handy [...] seine Positionsdaten per GPS mit den japanischen Servern der Firma Tonchidot ab - und überprüft so, ob in diesem Raum ein anderer Nutzer bereits eine Nachricht hinterlassen hat."
Dieser Abgleich erfolgt ganz sicher nicht, wie diese Formulierung es nahe legt, "per GPS": Der Satellit sagt dem iPhone, wo es ist; sein Kompass sagt ihm, in welche Richtung es schaut - und die zugehörigen Airtags kommen dann per WLAN oder UMTS.
Technophobe Grantler wird's - wie der Autor einleitend bemerkte - so oder so nicht interessieren. "Wozu brauch mer des?" Wär ja noch schöner, wenn man sich als Tourist über die umgebenden Prachtbauten, kulturellen Einrichtungen und Cafés schlau machen könnte, ohne zwei Kilo teures Papier mit sich herumzuschleppen ... :)
Man muss nicht alles (mit)machen, nur weil's möglich ist.