"Age of Empires: Definitive Edition" Zurück in die Steinzeit der Neunziger

Am Ende jeder "Age of Empires"-Partie steht meist eine epische Schlacht. Hier treffen die Armeen zwei griechischer Stämme aufeinander.

(Foto: Microsoft / PR)

Von Mammutzähnen bis zur Antike: 21 Jahre nach Erscheinen bekommt der Strategie-Klassiker "Age of Empires" ein Remake in 4K-Auflösung. Eine Reise zu den Anfängen moderner Computerspiele.

Spieletest von Caspar von Au

Drei halbnackte Männer stehen um ein Lagerfeuer, das von acht symmetrisch angeordneten Mammutstoßzähne umgeben wird. Der Spieler, der dabei vor dem Computer sitzt, hat dabei automatisch den Geruch nach Staub und frischer Bettwäsche in der Nase. So wie es damals im elterlichen Schlafzimmer gerochen hat, wo der PC stand. Zwei Klicks, "Rogan?", fragt einer der Männer, dann beginnt er, ohne weitere Umschweife ungelenk mit einem Hammer auf den Boden zu klopfen. Einige Sekunden später steht die runde Hütte aus Zweigen, vor dem Eingang lodert ein Feuer. Spätestens jetzt fühlt der Spieler sich in das Jahr 2000 zurückversetzt: Röhrenbildschirm, Windows 98, surrendes CD-Laufwerk.

Eines ist allerdings anders: Die Dorfbewohner, Lagerfeuer und Hütten haben weniger Kanten. Das liegt an der höheren Auflösung in "Age of Empires: Definitive Edition", die bis zu 3840 mal 2160 Pixel anzeigen kann, sofern der Rechner mitmacht. Die neue Definitive Edition (DE) ist ein Remake des Echtzeitstrategie-Klassikers von 1997. Microsoft hat das Spiel in seinen Grundzügen erhalten. Nur die Grafik wurde aufgehübscht, der Soundtrack von einem Orchester neu eingespielt und mehrere kleinere Änderungen vorgenommen, die es dem Spieler etwas erleichtern sollen.

Alles an Age of Empires ist noch genauso langsam wie in den Neunzigern

So steht ein Dorfbewohner nicht länger untätig in der Gegend herum, nachdem er eine Lagergrube ausgehoben hat. Stattdessen macht er sich selbstständig an die Arbeit und hackt im nahegelegenen Wald Holz. Der Spieler kann auch einstellen, wo die anderen Dorfbewohner Arbeit suchen sollen, nachdem der Spieler sie im Dorfzentrum erschaffen hat. Da Kniffe wie diese sich jedoch in Strategiespielen der vergangenen 15 Jahre wie selbstverständlich etabliert haben, wirkt das nicht wie ein störender Eingriff ins Original, sondern fällt allenfalls positiv auf.

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Wie gehabt startet der Spieler mit einem von 16 Völkern in der Altsteinzeit (die ursprüngliche Expansion "Rise of Rome" mit den vier zusätzlichen Völkern der Karthager, Palmyrer, Makedonier und Römer ist in der DE integriert). Drei Dorfbewohner müssen zunächst Beeren sammeln, Rehe jagen und Bäume fällen, um Ressourcen für weitere Bewohner, Hütten und Nutzgebäude zu beschaffen. Mit weiteren Ressourcen gelangt der Spieler erst in die Jungsteinzeit, dann in Bronze- und Eisenzeit. In den späteren Zeitaltern kommen die Vorzüge der unterschiedlichen Völker zur Geltung: Die Assyrer haben besonders gute Bogenschützen, die Kriegselefanten der Perser sind flinker, die Römer zahlen weniger Ressourcen für den Bau von Gebäuden. Am Ende kommt es meist zu einer epischen Schlacht. Zurück bleiben Ruinen, von Pixelleichen übersät.

Mit schnelleren Computern, verbesserten Grafikchips und der Erfindung von VDSL hat auch die Geschwindigkeit in Computerspielen zugenommen - zumindest gefühlt. Die Dorfbewohner und Soldaten in Age of Empires bewegen sich aber immer noch so langsam wie Ende der Neunzigerjahre. Unwillkürlich kommt beim Spieler die Frage auf: Wie ist das damals nicht langweilig geworden?

Der Klassik-Modus holt das Original vollständig zurück

Eine mögliche Antwort lautet "BIGDADDY". Auch in der Definitive Edition funktionieren die Cheats der Originalversion noch. Entertaste, Begriff eintippen, Enter. Aus dem Nichts erscheint ein pixeliges schwarzes Sportauto neben dem Dorfzentrum, das der Spieler steuern kann. Gegen die Raketenwerfer auf dem Autodach sahen die Kriegselefanten der Perser schon vor zwanzig Jahren alt aus. Big Daddy, ein zuverlässiger Kamerad in jeder Schlacht, die zu Ungunsten des Spielers zu kippen drohte. Ebenfalls nicht schlecht: "HOYOHOYO". Mit einem Mal flitzen die weißhaarigen Mönche mit Gehstock, die jedem Volk zur Verfügung stehen, in einem Wahnsinnstempo durch die Steppe. Wer auf solche Mogelcodes verzichten will, kann das Spieltempo per Knopfdruck erhöhen.

Für mehr Tempo sorgen außerdem Kämpfe mit bis zu acht Spielern über das Internet. Einziges Manko: Die Verbindung zu den anderen Spielern ist trotz DSL nicht immer stabil, Ruckler schmälern das Erlebnis.

Für das richtige Age of Empires-Gefühl empfiehlt es sich aber ohnehin, in einem Einzelspielerspiel den sogenannten Klassik-Modus einzustellen (im Mehrspielermodus ist das leider nicht möglich). Aus den spiegelnden und glitzernden Meeresoberflächen wird dann wieder ein stumpfes Blau, Dorfbewohner machen nur das, wozu sie explizit aufgefordert werden, und aus den Lautsprechern tönt kein orchestrales Gedudel, sondern schepperndes, mit den Animationen auf dem Bildschirm asynchrones Klirren der Schwerter. Nun noch die Auflösung auf 800 mal 600 Pixel herunterschrauben: Fertig ist die Computerspiel-Steinzeit zum Selbererleben.

"Age of Empires: Definitive Edition" ist am 20. Februar 2018 für PC erschienen.

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