2010: Tablet-Computer kommen Die E-Book-Ära endet schnell

Kurz nach dem Verkaufsstart wirken E-Books bereits veraltet: Die ultraflachen Tablet-Computer von Apple und Co könnten die Unterhaltungsbranche umwälzen.

Von Andrian Kreye

Wer seinen Freunden und Verwandten einen Bärendienst erweisen will, der kauft ihnen zu Weihnachten ein E-Book, eines dieser elektronischen Lesegeräte, die Tausende Bücher abspeichern können. Den Kindle zum Beispiel, den die Internetbuchhandlung Amazon vor sechseinhalb Wochen auch auf den deutschen Markt gebracht hat.

In Amerika, wo die Debatte um die digitale Kultur und die computerisierte Gesellschaft immer schon etwas weiter war als bei uns, gelten die E-Books nämlich jetzt schon als veraltete Technologie.

Bei Treffen mit Verlegern und Autoren in New York etwa wird häufig gefragt, was man denn von den E-Books zu halten habe und ob sie eine Gefahr für das Verlagswesen oder ein neuer technischer Standard für den literarischen Betrieb seien. Die Antwort: ein müdes Lächeln. Ein richtiger Blindgänger sei das E-Book. Schließlich haben sich Hersteller, Verlage und Internetshops noch nicht einmal auf ein allgemeingültiges System geeinigt.

Wer also ein E-Book von Amazon besitzt, wird die Buchdateien der Konkurrenz nicht lesen können. Die Batterieleistung ist dürftig. Mal abgesehen von den Grautonschirmen, die weder Illustrationen zulassen - noch eine Gestaltung, die annähernd etwas mit zeitgenössischem Design zu tun hat.

Nein, die Tablet Computer seien die Zukunft der Verlags- und Medienbranche, heißt es. Strenggenommen gibt es solche Tablet Computer schon länger: flache Computer, die lediglich aus einem Bildschirm bestehen, auf dem man mit Fingerdruck oder einem Taststift einfache Funktionen ausführen kann.

Branchenprimus Apple mischt mit

Bisher gehörten diese digitalen Tafeln zu den Exoten unter den digitalen Geräten. Weil aber sowohl der Designprimus unter den Computerherstellern, Apple, sowie der Medienkonzern Time Inc. nun solche Geräte entwickeln und sie Anfang nächsten Jahres mit einer großen Palette an Angeboten auf den Markt bringen wollen, kann man damit rechnen, dass die Tablet Computer zumindest die Unterhaltungselektronikbranche umwälzen werden.

Ein großes Geheimnis wurde bislang um diese Tablets gemacht. Ein paar Bilder von angeblichen Entwürfen des Apple Tablets waren im Umlauf. Seit einigen Tagen kann man allerdings ein Video im Internet ansehen, in dem der Chefredakteur der Zeitschrift Sports Illustrated eine Computeranimation moderiert.

Damit wird vorgeführt, was das Tablet von Time Inc. alles kann. Auf einem flachen, schwarzen Bildschirm im Format einer Illustrierten erscheinen farbige Titelbilder und Artikelstrecken, die man mit einer kleinen Bewegung der Finger wegblättern, vergrößern oder verkleinern kann, ähnlich wie beim iPhone.

Hinter den Bildern verstecken sich Bildstrecken; Geschichten werden durch Videos ergänzt. Jedes Foto, jeder Text lässt sich per E-Mail versenden oder in Netzwerke wie Facebook oder Twitter einspeisen. Während man im Fernsehen ein Meisterschaftspiel ansieht, kann man Tabellen vergleichen oder eigene Prognosen mit dem aktuellen Spielverlauf abgleichen. Und man kann alle Buchformate lesen.

So aber wird das Lesen nicht nur zum multimedialen und vernetzten Ereignis, sondern auch zum aktiven Prozess. Nein, sagen die Verleger und Autoren in New York, sie haben keine Angst, dass die Tablets Bücher und Zeitschriften ersetzen könnten. Elektronik stoße immer noch an ihre Grenzen. Das E-Book allerdings, das gehöre schon jetzt zusammen mit den Faxgeräten, den Video- und Kasettenrekordern zur Technologie einer vergangenen Zeit.