Schule Über die Schulwahl sollte der IQ entscheiden

Schüler des Auguste-Pattberg-Gymnasiums (APG) in Mosbach-Neckarelz

(Foto: dpa)

Kleine Menschen werden selten Basketballer, schwächere keine Gewichtheber. Wieso wollen viele nicht akzeptieren, dass nicht jeder Abitur machen kann?

Kommentar von Christian Weber

Die meisten Menschen verstehen, dass ein Basketballtrainer überdurchschnittlich große Nachwuchsspieler bevorzugt und schmächtige Zeitgenossen nicht von Goldmedaillen im Gewichtheben träumen sollten. Doch seltsamerweise hört das Verständnis auf, wenn es um die Frage Gymnasium oder nicht geht. Eine Abiturquote von mittlerweile mehr als 50 Prozent gilt in Deutschland als sinnvoll. Das ist ein Problem.

In der aktuellen Diskussion über die Übertrittszeugnisse geht erneut unter, dass das intellektuelle Potenzial des Menschen, so wie andere körperliche Merkmale, zu großen Teilen ein Produkt der Biologie ist. Zwar ist Förderung wichtig, damit sich die Anlagen maximal entfalten. Aber die Gene bestimmen mit, was im besten Fall erreicht werden kann.

"Auf Biegen und Brechen ans Gymnasium, das ist riskant"

Was Eltern anrichten, wenn sie ihre Grundschulkinder überfordern und wie die Erziehungsberechtigten entspannt mit dem Übertritt umgehen, erklärt Schulpsychologe Robert Roedern. Interview von Matthias Kohlmaier mehr ...

Eine IQ-Orientierung würde Ungerechtigkeiten mildern

Die Verteilung der Intelligenz in der Bevölkerung folgt der sogenannten Normalverteilung: Rund 70 Prozent der Menschen haben einen um den Mittelwert von 100 verteilten IQ. Nur rund 15 Prozent sind mit einem IQ von mindestens 115 überdurchschnittlich begabt, zwei Prozent mit einem IQ ab 130 hochbegabt. Schickt man mehr als die Hälfte der Bevölkerung in die Abiturprüfungen, werden entweder viele junge Menschen überfordert oder die Begabten unterfordert. Wenn das Gymnasium auf die Universität und wissenschaftliches Arbeiten vorbereiten soll, auf intellektuelle Hochleistungen, dann gehören dort nur junge Menschen hin, deren Intelligenz klar über dem Durchschnitt liegt. Eine Quote von etwa 20 Prozent schlägt die Lernforscherin Elsbeth Stern von der ETH Zürich vor. Nur so könne man die Begabten optimal fördern - zum Nutzen der Gesellschaft.

Entscheidend ist, dass der IQ zum Kriterium wird - nicht erschummelte, mit viel Druck und Nachhilfe erlangte oder eingeklagte Noten. Der IQ ist ein in der Psychologie bewährter, gut messbarer Wert für die allgemeine Fähigkeit zum logischen Denken, zum Schlussfolgern und zur räumlichen Vorstellung. Studien zeigen, dass der IQ schulischen und beruflichen Erfolg am besten voraussagt - besser als Motivation, Fleiß oder Disziplin.

Eine Orientierung am IQ würde zudem bestehende Ungleichheiten lösen: Ein seriös gemachter IQ-Test kann das Potenzial eines Migrantenkindes erkennen, das sonst wenig Chancen auf höhere Bildung hätte. Umgekehrt würde sich erweisen, dass manches Akademikerkind auf dem Gymnasium nicht glücklich wird. Falsch ist die Vorstellung, wonach ein Kind die addierte Intelligenz von Mama und Papa erbt, geteilt durch zwei. Wenig begabte Eltern können hochintelligente Kinder haben. Hingegen konnte der Nachwuchs von Goethe und Einstein nicht mit Papa mithalten. Das mögen sie bedauert haben, aber so ist sie, die Biologie.

In der Schweiz gehen nur die Besten aufs Gymnasium

Dass jemand "einfach nicht auf das Gymnasium gehört", ist dort ein normaler Satz. Was das über das Schweizer Bildungssystem aussagt. Von Charlotte Theile mehr...