Schüler aus Regenbogenfamilien "Wie ist das mit zwei Müttern?"

Laut Statistik wachsen in Deutschland 18.000 bis 21.000 Kinder in sogenannten Regenbogenfamilien auf.

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Kinder aus sogenannten Regenbogenfamilien müssen sich in der Schule oft gegen Vorurteile wehren - von Mitschülern, aber auch von Lehrern.

Von Nicole Grün

Manchmal hat Lisa all die Fragen satt. "Wie ist das mit zwei Müttern?", "Welche Mutter liebst du mehr?", löchern ihre Mitschüler sie. "Als ob sie das nicht längst wüssten. Irgendwann war ich total sauer", sagt die Zwölfjährige.

Regenbogenfamilien werden die Familien genannt, in denen die Eltern lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender sind (Lesbian, Gay, Bisexual und Trans, kurz: LGBT). Laut den Erhebungen des Mikrozensus von 2010 wachsen in Deutschland 18.000 bis 21.000 Kinder in solchen Familien auf. In den Schulen gelten sie als Exoten. "Es gibt immer noch viele Vorurteile gegenüber Regenbogenfamilien, und auch den Lehrern fehlt es oft an Wissen und Offenheit", sagt Uli Streib-Brzic.

Vor allem die Erziehungsfähigkeit der Eltern werde angezweifelt. Viele meinen, Schwule oder Lesben würden ihren Nachwuchs dahin lenken wollen, selbst homosexuell zu werden. Auch die Kinder hören immer wieder von ihren Klassenkameraden, sie seien "schwul".

Diplomsoziologin Streib-Brzic beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Thematik und hat am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin zusammen mit einer schwedischen und slowenischen Universität die internationale Studie "School is out?! - Erfahrungen von Kindern aus Regenbogenfamilien in der Schule" durchgeführt. Lisa ist eine von 22 deutschen Schülern mit homosexuellen Eltern, die befragt wurden. Mit der Studie wollten die Forscher herausfinden, ob die Kinder Diskriminierungen in der Schule erleben und welche Strategien sie im Umgang damit entwickeln.

In der Regel sind die Kinder gut integriert und erfahren selten direkte Formen von Gewalt, so lautet ein Ergebnis der Studie. Allerdings erlebten oder befürchteten sie häufig, dass ihre Familienform von Mitschülern und Lehrern als Abweichung von einer "Hetero-Normalität" gesehen und tendenziell eher negativ bewertet werde. Als besonders störend empfindet nicht nur Lisa die ständigen Nachfragen: "Mitschüler setzen die Fragen dabei oft als Mittel ein, um sie zu blamieren oder zu etwas Komischem zu machen", erzählt Streib-Brzic. Das gängige Modell "Vater-Mutter-Kind" dient als Richtschnur, und Familienformen, die davon abweichen, gelten als nicht normal.

Anders, aber normal: So wollen Schulkinder aus Regenbogenfamilien sich wahrgenommen wissen. "Dieser Drang, als normal anerkannt zu werden, ist größer, als ihre Besonderheit herauszustellen. Dadurch verdecken sie jedoch vieles, was an Regenbogenfamilien einzigartig und toll ist", meint Streib-Brzic. Eine positive Besonderheit kann zum Beispiel sein, dass der Zusammenhalt zwischen den Eltern und ihrem Nachwuchs besser ist, weil sie durch die "feindliche Umgebung" zusammengeschweißt werden. Und, so eine weitere Erkenntnis der Forscher: "Kinder aus Regenbogenfamilien zeigen tendenziell eine höhere soziale Kompetenz und reagieren respektvoller auf Unterschiede."

Zwar gebe es auch Schüler, die sagten, okay, dann bin ich eben etwas ganz Besonderes, und ich bin stolz darauf, aber das seien die wenigsten. Einige verschwiegen ihre Familiensituation aus Angst vor negativen Kommentaren in der Schule sogar völlig. Die zehn Jahre alte Joyce gestand den Wissenschaftlern, dass sie ihre zweite Mutter nach außen als "Mitbewohnerin" oder als gar nicht zur Familie gehörig darstellt. Das ist verständlich in einer Welt, in der das, was nicht cool ist, oft als "schwul" bezeichnet wird.