Private und öffentliche Schulen Wettbewerb zugunsten der Kinder

Immer mehr Eltern schicken ihr Kind auf eine Privatschule und zahlen dafür viel Geld. Doch die Leistungen der Schüler sind nicht unbedingt besser. Warum sich Bildungsökonomen trotzdem Vorteile von einem Ausbau der Privatschulen versprechen.

Von Thierry Backes

Welche Schule ist die beste für mein Kind? Die Frage beschäftigt Eltern nicht erst, seit das Thema Bildung Wahlen entscheidet. Spätestens seit dem Pisa-Schock schicken immer mehr ihre Kinder auf Privatschulen - in der Hoffnung, dass sie hier besser ausgebildet werden als an einer öffentlichen Schule. Zu Recht?

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Privatschulen werben damit, die besseren pädagogischen Konzepte zu haben. Sie bieten etwa mehrsprachigen Unterricht an, einen besseren Lehrerschlüssel und individuelle Förderung. Das zieht bei den Eltern. Einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Aufrag des Verbandes Deutscher Privatschulverbände (VDP) zufolge würde gut ein Drittel der Eltern ihr Kind lieber auf einer privaten als auf einer staatlichen Schule lernen sehen.

Jeder zwölfte Schüler lernt an einer Privatschule

So weit hat sich das Privatschulwesen indes noch nicht entwickelt: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat im Jahr 2011/12 jeder zwölfte Schüler in Deutschland eine allgemein- oder berufsbildende Privatschule besucht. Hinter dem Begriff Privatschule selbst verbergen sich unterschiedliche Schulen, und nur ganz wenige davon sind Eliteschulen gewerblicher Träger, die ein hohes Schulgeld verlangen. Die meisten Schulen in freier Trägerschaft sind konfessionelle Schulen oder solche, die sich der Montessori- oder der Waldorf-Pädagogik verschrieben haben.

Betrachtet man nur die allgemeinbildenden Schulen, so ist die Zahl der Privatschüler von knapp 576.000 im Jahr 2001/02 (5,8 Prozent) auf knapp 726.000 im Jahr 2011/12 (8,4 Prozent) gestiegen. Und auch die Zahl der allgemeinbildenden Privatschulen selbst steigt kontinuierlich, von 2414 auf 3396 im selben Zeitraum.

Das aber sagt noch nichts über die Qualität von Privatschulen. Ob sie tatsächlich mehr bieten und besser ausbilden, ist umstritten. Forscher sind sich weitgehend einig, dass das Klima an Privatschulen besser ist, insbesondere an reformpädagogischen Schulen. Die Eltern sind zufriedener - und zwar nicht nur, weil sie ihre Schulwahl vor sich selbst rechtfertigen müssen. Das sind Qualitätsmerkmale, die in der Bildungsforschung bislang aber nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben; dort geht es meist um messbare Leistungen.

In den bisherigen Pisa-Tests haben Privatschüler stets etwas besser abgeschnitten als Kinder an staatlichen Schulen. Die Leistungsunterschiede reduzierten sich aber auf ein Minimum, wenn man den sozialen Hintergrund und die homogene Zusammensetzung der Schülerschaft bei Privatschulen herausrechne, sagt der Bildungsökonom und Privatschulkritiker Manfred Weiß, emeritierter Professor am Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt am Main. In anderen Worten: Die Ergebnisse der Privatschüler sind nur deshalb besser, weil sich vor allem Kinder aus bildungsnahen Schichten in den Privatschulen versammeln.

Das spreche gegen die "ständige Glorifizierung von Privatschulen", sagt Weiß: "Privat heißt nicht gleich hervorragend." Das lasse sich auch daraus ablesen, dass der renommierte Deutsche Schulpreis der Robert-Bosch-Stiftung bislang fast ausnahmslos an öffentliche Schulen ging. Privatschulen bleibe in Deutschland einfach nicht genug gestalterischer Spielraum, um sich als Eliteschulen zu etablieren, sagt Weiß: "Sie sind in Deutschland ein Spiegelbild der öffentlichen Schulen."