Pisa-Test Jeder siebte Schüler hat nur ein mangelhaftes Finanzwissen

Können Jugendliche einen Kontoauszug lesen? Oder die Kosten für einen Kredit berechnen, inklusive Zinsen? Diesen Fragen ist die OECD im jüngsten Pisa-Test nachgegangen. Die Ergebnisse geben Anlass zur Sorge - vor allem für ein europäisches Land.

  • Jeder siebte Schüler scheitert bereits an einfachen Finanzaufgaben wie dem richtigen Lesen einer Rechnung. Nur jeder zehnte 15-Jährige durchdringt komplexere Fragestellungen zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.
  • Schüler aus Shanghai erreichen die höchste Punktzahl beim Finanzwissenstest der OECD. Italien landet auf dem vorletzten Platz.
  • Deutschland hat an dem Test im Rahmen von Pisa 2012 nicht teilgenommen.

Geldgeschäfte legen wir - nach der Finanzkrise nicht mehr ganz so vertrauensvoll - in die Hände von Banken. Und wer es sich leisten kann, bezahlt häufig einen Steuerberater, um sich nicht selbst mit der komplexen Materie beschäftigen zu müssen. Der Eindruck drängt sich auf, dass es um das allgemeine Finanzwissen nicht unbedingt gut bestellt ist. Dass die Defizite in der Schule ihren Anfang nehmen, belegt jetzt eine Auswertung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD.

Sie hat jetzt in Paris eine weitere Auswertung des jüngsten Pisa-Tests vorgestellt. Erstmals wurden 2012 auch Daten zur sogenannten "Financial Literacy" erfasst. 15-jährige Schüler mussten ihr Wissen über Wirtschafts- und Finanzthemen unter Beweis stellen. Wie liest man eine Rechnung? Was bezahlt man für einen Kredit inklusive Zinsen? Wie funktionieren Versicherungen? Solchen Fragen mussten sich die 15-Jährigen stellen (lesen Sie hier eine Auswahl).

Ergebnis: Einer von sieben Schülern der 13 teilnehmenden OECD-Staaten war mit einfachsten Aufgaben des täglichen Haushaltens überfordert. Und nur jeder zehnte Schüler konnte komplexe Finanzaufgaben lösen.

Spitzenreiter Shanghai

Dem Zusatz-Test hatten sich insgesamt 18 Wirtschaftsnationen und -standorte gestellt - Deutschland verzichtete auf eine Teilnahme. Die höchste Punktzahl beim Finanzwissen erzielten 15-Jährige in Shanghai (China), gefolgt von Belgien (flämischer Teil), Estland, Australien, Neuseeland, Tschechien und Polen.

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Länder mit einem insgesamt guten Bildungssystem - die auch beim klassischen Pisa-Test gut waren - erreichten auch beim Finanzwissen eine höhere Punktzahl. Außerdem belegt der Test einen starken Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Finanzwissen: Schüler aus bildungsschwachen oder sozial benachteiligten Familien haben geringere Kenntnisse über Wirtschafts- und Finanzthemen.

Unterdurchschnittlich schnitten beispielsweise Jugendliche aus den USA, aus Frankreich oder Spanien ab. Auf dem vorletzten Platz landete Italien. Hier zeigte sich auch das einzige Mal ein signifikanter Geschlechterunterschied: Jungen schnitten im Durchschnitt etwas besser ab als Mädchen.

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Für OECD-Generalsekretär Angel Gurría geben die Resultate Anlass zur Sorge. Der Erwerb von Wissen über Wirtschafts- und Finanzthemen sei entscheidend in Zeiten, in denen Menschen bereits in jungen Jahren Verantwortung für finanzielle Risiken übernähmen, die sich auf ihr ganzes weitere Leben auswirken könnten, sagte. Die Zahl junger Menschen, die auf Pump kaufen und sich dabei überschulden, ist dem Schuldneratlas zufolge in den vergangenen Jahren rasant gestiegen: Seit 2004 hat sich die Zahl der Schuldner unter 20 Jahren demnach vervierfacht.

Ankündigung: Lesen Sie am Freitag in der Süddeutschen Zeitung und auf SZ.de, warum es Kritik daran gibt, dass Deutschland den Test verweigert hat. Außerdem erklärt TV-Schuldnerberater Peter Zwegat in der kommenden Woche, wie es um das Finanzwissen junger Deutscher bestellt ist.