Entscheidung der Universität Schavan verliert Doktortitel - und kündigt Klage an

"Systematisch und vorsätzlich": Die Uni Düsseldorf wirft Schavan vor, in ihrer Dissertation plagiiert zu haben. Die Bildungsministerin will dagegen klagen. Andernfalls könnte es sie nicht nur ihren Doktortitel kosten - sondern auch ihr Amt.

Von Roland Preuß und Stefan Braun, Berlin

Die Universität Düsseldorf erkennt Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ihren Doktortitel ab. Dies entschied der Rat der Philosophischen Fakultät am Dienstagabend in Düsseldorf. Nach Angaben des Dekans der Philosophischen Fakultät, Bruno Bleckmann, votierte das Gremium mit zwölf Ja- gegen zwei Nein-Stimmen bei einer Enthaltung für den Entzug. Schavan habe "systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt" gedankliche Leistungen vorgegeben, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht habe, sagte Bleckmann. Der Fakultätsrat wirft ihr deshalb vor, in ihrer Doktorarbeit von 1980 absichtlich durch Plagiate getäuscht zu haben.

Schavans Anwälte kündigten an, die Ministerin werde gegen die Entscheidung klagen. Diese sei in einem "fehlerhaften Verfahren" zustande gekommen und "rechtswidrig". Die Anwälte machen vor allem geltend, dass immer wieder Informationen aus der Plagiatsprüfung der Universität an Medien gelangt seien und damit die Vertraulichkeit des Verfahrens verletzt worden sei. Gebotene Ermittlungen seien unterblieben, Beweisanträge, etwa zur Einholung eines externen Gutachtens, durch die Universität übergangen worden.

"Eine Täuschung hat es nicht gegeben", erklärten die Anwälte. Die Klage muss binnen vier Wochen beim Verwaltungsgericht Düsseldorf eingereicht werden. Die Ministerin trüge ihren Titel bis zu einem rechtskräftigen Urteil weiter. Mit einer Klage könnte sie eine Entscheidung voraussichtlich um Monate hinauszögern. Die Politikerin besucht derzeit Südafrika und kehrt nach den bisherigen Plänen erst am Freitag nach Deutschland zurück. Sie hatte die Vorwürfe stets bestritten und lediglich "Flüchtigkeitsfehler" eingeräumt.

"Die Kritik sei ja nicht zu überhören gewesen"

Mit der Aberkennung muss Schavan um ihr Amt als Bildungsministerin fürchten. Ihr früherer Kabinettskollege Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war vor fast zwei Jahren als Verteidigungsminister zurückgetreten, nachdem die Universität Bayreuth seine Doktorarbeit zum Plagiat erklärt hatte. Silvana Koch-Mehrin hatte wenig später ihre Spitzenämter als Vorsitzende der FDP-Fraktion und Vize-Präsidentin des Europaparlaments sogar vor dem Titelentzug aufgegeben.

In der CDU-Zentrale zeigte man sich am Abend betroffen über die Düsseldorfer Entscheidung. Im Adenauerhaus hieß es, man wolle jetzt erst mit der Ministerin persönlich sprechen, bevor man sich öffentlich erkläre. Aus den Koalitionsfraktionen wurde hingegen bereits Kritik an der Universität laut. Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer sagte, er empfinde das ganze Verfahren in Düsseldorf als Farce. Die Kritik aus der Wissenschaft sei ja nicht zu überhören gewesen. "So wie wir das Verfahren in Düsseldorf erlebt haben - das macht einen nur noch sprachlos." Der FDP-Bildungsexperte im Bundestag, Patrick Meinhardt, sagte, das Düsseldorfer Verfahren sei geprägt gewesen von "Mutmaßungen und mangelnder Fairness". Einen Rücktritt Schavans würde er "für das falsche politische Zeichen halten". SPD, Linke und Grüne forderten hingegen, Schavan müsse ihr Amt aufgeben.