Entscheidung der Kultusminister Abitur wird bundesweit vergleichbar

"Historischer Schritt" in Richtung eines einheitlicheren Abiturs: Von 2016 an soll es in ganz Deutschland gleich schwierige Aufgaben in den Abi-Prüfungen geben - für Kernfächer wie Deutsch und Mathe. Bayern und fünf weitere Länder beginnen damit bereits im kommenden Jahr.

Von Johann Osel

Die 16 Bundesländer rücken beim Abitur so eng zusammen wie noch nie. Wie die Konferenz der Kultusminister (KMK) am Donnerstag in Wittenberg beschloss, soll es künftig eine zentrale Aufgabensammlung geben, aus der sich alle Länder bei ihren Prüfungen bedienen.

Erstmals im Schuljahr 2016/2017 soll das Abitur überall nach den neuen Kriterien abgelegt werden. Bereits im kommenden Jahr wollen sich Bayern, Niedersachsen, Sachsen und drei weitere Länder an diesem Aufgabenpool orientieren. Am Freitag stellen die Minister ihr Konzept offiziell vor.

Basis für die Klausuren sind die bundesweiten Bildungsstandards in Deutsch, Mathe, Englisch und Französisch. Sie legen fest, was Oberstufengymnasiasten können sollten, und ersetzen nun den bisherigen, eher schwammig formulierten KMK-Katalog für einheitliche Prüfungsanforderungen. Damit ist der Rahmen für ein deutschlandweit ähnliches Abitur geschaffen. Außerdem will die KMK Prüfungskriterien vereinheitlichen, etwa den Einsatz von Taschenrechnern in Mathematikklausuren.

Länder können die Musteraufgaben abändern

Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) wird den Pool betreuen. Die Länder sollen dort Aufgaben einreichen. Die Forscher stellen "für geeignet befundene" Tests in den Pool, heißt es. Die Länder können die Musteraufgaben abändern. Konkret wird es also keine exakt gleichen und zentral gestellten Aufgaben geben - allerdings gleichwertige, gestaltet nach einem einheitlichen "Erwartungshorizont", wie es heißt.

"Hinter dem gleichen Namen eines Abschlusses muss auch eine gleichwertige Leistung stehen", sagte Bayerns Minister Ludwig Spaenle (CSU) der Süddeutschen Zeitung. Man gehe nun einen "historischen Schritt".

Eltern berichten oft, dass Kinder bei einem Umzug Lernrückstände aufholen müssten. In Umfragen plädiert eine Mehrheit der Bürger sogar für ein Zentralabitur.

Streit um das Niveau

Der Chef des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte am Donnerstag: "Es ist angesichts der Bedeutung von Hundertstelnoten in Abiturzeugnissen bei der Studienzulassung nicht tragbar, dass das Abitur zu unterschiedlichen Preisen zu haben ist." Er warnte jedoch vor einer Angleichung des Abiturs "nach unten".

Inwiefern das Niveau variiert, ist umstritten. Ein Anhaltspunkt sind Studien, die Leistungsunterschiede bei Mittelstufenschülern zeigen. Dass in Ländern mit schwächeren Leistungen die Abiturquoten gleich oder höher sind als in Ländern mit stärkeren Mittelstufenschülern, spricht für Unterschiede. Das Statistische Bundesamt weist zudem für Abiturienten mancher Länder besonders geringe Studienabbrecherquoten auf.

"Ziel ist, dass in allen Ländern nach den gleichen Maßstäben das Abitur ablegt wird", sagte der KMK-Chef, Sachsen-Anhalts Minister Stephan Dorgerloh (SPD). Wissenschaftlich sei nicht belegt, dass das Abitur unterschiedlich anspruchsvoll sei.

Bayern, Sachsen und Hessen fordern derweil einen verbindlichen Staatsvertrag für das vergleichbare Abitur. Denn die KMK hat nicht die Rechtswirkung eines Verfassungsorgans. "Ein Staatsvertrag ist das stärkste Instrument, das den Ländern zur Verfügung steht", so Spaenle. Das Dokument müsste alle Landtage passieren.