Bewerbung für Stipendien Worauf kommt es beim Lebenslauf an?

Von der Interrail-Tour bis zu "Jugend forscht": Was im Lebenslauf einer Job-Bewerbung nichts zu suchen hat, kann im CV für eine Stipendien-Bewerbung entscheidend sein. Ob tabellarisch oder ausführlich - beim Lebenslauf unterscheiden sich die Ansprüche der einzelnen Stiftungen deutlich.

Von Sabrina Ebitsch

Anders als ein Motivationsschreiben dürften die meisten Bewerber für ein Stipendium einen Lebenslauf schon einmal geschrieben haben - für ein Praktikum, für die Hochschulbewerbung oder für einen Nebenjob. Und kein Lebenslauf wird für den Papierkorb verfasst, sondern ständig fortgeschrieben, weil man ihn später im Beruf immer wieder brauchen wird.

Es gibt allerdings einige Unterschiede zum beruflichen Lebenslauf, die es bei der Stipendien-Bewerbung zu beachten gilt. Zum einen wollen die Stiftungen den ganzen Menschen und nicht nur seine Qualifikationen kennenlernen. Natürlich müssen auch hier die persönlichen Daten, die Schul- und Hochschullaufbahn, Wehr- und Zivildienst oder Praktika aufgeführt werden.

Aber was potentielle Arbeitgeber vielleicht weniger interessiert, gehört hier ebenfalls dazu: Hobbys, Mitgliedschaften, Interessen, Ehrenämter, auch Reisen oder Projekte, an denen man teilgenommen hat. Ein Lebenslauf für eine Stiftung ist persönlicher und damit auch detaillierter. Hier können, gerade bei Schülern oder Studenten in den ersten Semestern, auch die Astronomie-AG oder die Interrail-Tour durch Italien und Frankreich (sofern man im Vorstellungsgespräch nicht nur von Stränden und Feiern, sondern auch von Kultur der jeweiligen Länder erzählen kann) aufgeführt werden.

Auch dass der Kandidat in einer Band spielt oder seit der sechsten Klasse rudert, kann ein Anknüpfungspunkt im Vorstellungsgespräch sein. Auf jeden Fall erwähnt werden sollte die Teilnahme an Wettbewerben wie "Jugend forscht" oder sonstige Auszeichnungen und soziales Engagement - dazu gehören auch die Nachhilfe für jüngere Schüler oder die Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr im Heimatort.

Brüche im Lebenslauf auffangen

Ein weiterer Unterschied zur Bewerbung für einen Job ist, dass einige Stiftungen von Bewerbern einen ausführlichen statt oder zusätzlich zu einem tabellarischen Lebenslauf verlangen. Darin werden die Eckdaten aus der tabellarischen Vita zu einer Darstellung des bisherigen Lebenswegs verknüpft (deswegen ist es sinnvoll, den tabellarischen Lebenslauf in jedem Fall vorab zu erstellen). Das heißt, es werden Zusammenhänge hergestellt, Hintergründe erläutert, Ereignisse und Lebensphasen bewertet.

Man kann darin erklären, dass die Noten im zweiten Semester schlechter wurden, weil man sich um die kranke Mutter kümmern musste; oder schildern, was der Zivildienst mit der Entscheidung fürs Medizinstudium zu tun hatte. Auch Brüche im Werdegang oder Schwächen wie fehlendes Engagement lassen sich hier auffangen - der ausformulierte Lebenslauf sollte daher weniger als zusätzliche Arbeit sondern als Chance verstanden werden.

"Ein ausformulierter Lebenslauf ist gar nicht so einfach", sagt Sibylle Kalmbach, stellvertretende Generalsekretärin der Studienstiftung des deutschen Volkes und gibt ein paar Hinweise: "Man sollte sich weder in Details verlieren noch alles nur in einer Aufzählung herunterbeten. Die Auswahlkommission freut sich, wenn ein Lebenslauf lesbar, spannend und originell ist."

Grundsätzlich gilt, dass der ein- bis zweiseitige Lebenslauf für den Prüfer oder die Auswahlkommission der rote Faden ist, an dem sie sich entlang hangeln. Er dient als Stichwortgeber für das Vorstellungs- oder Auswahlgespräch - in positiver oder negativer Hinsicht: Wenn der Bewerber hier auf ein Projekt, an dem er begeistert teilgenommen hat, verweist, dann hat er vor den Prüfern unter Umständen ein interessantes Gesprächsthema, das ihn auch noch in gutem Licht erscheinen lässt. Wenn der Lebenslauf allerdings zu sehr aufgehübscht wurde und aus der Stippvisite bei der örtlichen Amnesty-International-Gruppe leidenschaftliches Engagement wurde, dann wird das mit großer Wahrscheinlichkeit herauskommen.

Außerdem dient der Lebenslauf als Blaupause für das Motivationsschreiben: Wer darin erklärt, dass er sich bei der Heinrich-Böll-Stiftung bewirbt, weil ihm Umweltschutz seit Jahren ein Anliegen ist, der sollte im Lebenslauf Belege dafür untergebracht haben.