Anti-Mobbing-Aktion eines iranischen Lehrers Gefeierter Glatzkopf

23 Schüler sind dem Beispiel von Lehrer Ali Mohammadian gefolgt und haben sich den Kopf rasiert.

Einen Lehrer wie Ali Mohammadian würden sich wohl viele Schüler wünschen: Um einem Mobbingopfer zu helfen, greift der iranische Pädagoge kurzerhand zum Rasierer. Und wird nun sogar vom Präsidenten des Landes als Vorbild gelobt.

Ali Mohammadian, Lehrer an einer Grundschule im Westen Irans, hat eine Glatze und wird dafür in seiner Heimat als Held gefeiert. Das klingt erst einmal erstaunlich, schließlich büßt mancher Mann Mitte 40 seine Haarpracht ein. Doch Mohammadian trägt ganz freiwillig oben ohne. Der Pädagoge aus der kurdischen Stadt Marivan hat sich aus Solidarität mit einem Schüler den Kopf rasiert - und damit einen Trend begründet. Aber von Beginn an.

Ihren Anfang nimmt die außergewöhnliche Heldengeschichte, die mittlerweile über die Grenzen Irans hinaus Schlagzeilen macht, mit einer mysteriösen Krankheit. Der achtjährige Mahan Rahimi verliert plötzlich alle Haare, die Ärzte vor Ort sind ratlos, können dem Grundschüler nicht helfen. Mahans Mitschüler reagieren gnadenlos: Sie verspotten den Achtjährigen wegen seines kahlen Kopfes.

Auch Lehrer Mohammadian bemerkt die Veränderungen an seinem Schüler, äußerlich wie innerlich. "Nachdem er kahl geworden war, wurde Mahan ausgegrenzt, das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht und ich machte mir Sorgen um seine schulischen Leistungen", erzählt der Lehrer in der Rückschau dem Guardian. Um das Mobbing zu stoppen, entschließt sich Mohammadian Anfang Januar zu einer drastischen Solidaritätsbekundung: Er opfert seine Haare.

Plötzlich wollen alle Glatze tragen

Der selbstlose Akt verfehlt seine Wirkung nicht. Die Hänseleien hören auf, und mehr noch: Dutzende Schüler wollen nun dem Beispiel ihres engagierten Lehrers folgen. Der hält seine Schützlinge aus Sorge um ihre Gesundheit zunächst zurück: "Ich sagte ihnen, sie sollten bis nach dem Winter warten." Doch die gut gemeinte Mahnung verhallt - "am Samstag betrat ich die Klasse und alle waren kahlgeschoren", berichtet Mohammadian.

Dass mittlerweile das ganze Land über den kleinen Mahan, Mobbing und Lehrer Mohammadian redet, hat mit jenem Foto zu tun, das der 45-Jährige kurz nach seiner Solidaritätsaktion auf Facebook postete. Darauf ist er gemeinsam mit dem kranken Achtjährigen zu sehen, das Bild kommentierte Mohammadian mit dem Satz: "Unsere Köpfe reagieren empfindlich auf Haare."

Das Foto verbreitete sich innerhalb kürzester Zeit in dem sozialen Medium, iranische Zeitungen und Fernsehsender griffen die Geschichte auf. Mahan und sein Lehrer wurden vom Bildungsminister in die Haupstadt Teheran eingeladen - und sogar Präsident Hassan Rohani lobte den Pädagogen für seine Aktion.

Deutsche Ärzte sollen bei der Diagnose helfen

Die könnte nun noch einen weiteren positiven Aspekt haben: Mittlerweile sind Mediziner in Teheran intensiv darum bemüht, herauszufinden, was die Ursache für Mahans Haarausfall ist. Auch Spezialisten in Deutschland sollen bei der Diagnose helfen.

Und Lehrer Mohammadian? Den freut vor allem eines: "Das Lächeln ist zurück in Mahans Gesicht."