19. Februar 2013 11:27 Causa Schavan Düsseldorfer Uni-Rektor fordert Entschuldigung von Kritikern

Der Rektor der Uni Düsseldorf wehrt sich gegen Vorwürfe, seine Hochschule habe im Plagiatsfall Schavan nicht korrekt gearbeitet. In zwei offenen Briefen heißt es, die Anschuldigungen seien "aus der Luft gegriffen" und "ehrabschneidend".

Die Entscheidung in der Causa Schavan ist gefallen, doch der prominente Plagiatsfall zieht weiter einen tiefen Graben durch den Wissenschaftsbetrieb. Jetzt wehrt sich der Rektor der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf, Michael Piper, gegen öffentliche Anschuldigungen zweier Kritiker. Er fordert eine Entschuldigung vom früheren Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DF), Ernst-Ludwig Winnacker, und dem früheren sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU). Beide hatten die Uni Düsseldorf wegen ihres Umgangs mit der Promotionsaffäre Schavan angegriffen.

In einem offenen Brief, der auf der Homepage der Uni Düsseldorf veröffentlicht wurde, schreibt Piper an Winnacker: "Kritik gehört zur bürgerlichen Meinungsfreiheit und zum wissenschaftlichen Diskurs. Diffamierungen aber sind kein Stilelement der Wissenschaft." Die Angriffe Winnackers seien "völlig aus der Luft gegriffen".

Er bezieht sich damit auf einen Gastbeitrag des früheren DF-Präsidenten in der Süddeutschen Zeitung. Darin hatte Winnacker die "jakobinisch anmutende Entscheidung der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf, Annette Schavan den Doktortitel abzuerkennen" verurteilt. "Jakobinisch deshalb, weil auch damals, kurz nach der Französischen Revolution, Menschen in Hetzjagden verfolgt wurden, die dieses nicht verdient hatten."

Piper verteidigt Mitarbeiter

Piper verteidigt den Fakultätsrat, der Annette Schavan den Doktortitel nach Prüfung ihrer Promotion aberkannt hatte, gegen diesen Vorwurf. Die am Plagiatsverfahren beteiligten Mitarbeiter seiner Hochschule hätten "in sorgfältiger und wissenschaftlich höchst verantwortlicher Detailarbeit einen schwierigen Fall wissenschaftlichen Fehlverhaltens zu analysieren" gehabt und verdienten es nicht, derart "öffentlich geschmäht" zu werden.

Der Uni-Rektor nimmt außerdem Stellung zu Winnackers Forderung nach einer zentralen Prüfstelle für Promotionen. Dazu heißt es in dem Schreiben: "Der Ruf 'Es wird Zeit, dass endlich jemand die Dinge in die Hand nimmt' zeugt von einem abenteuerlichen rechtsstaatlichen Verständnis. Es steht auch in krassem Gegensatz zur grundgesetzlichen Garantie der Freiheit der Forschung, die ihren unmittelbaren Ausdruck in der wissenschaftlichen Autonomie der Hochschulen findet."

Zuvor hatte bereits einer der renommiertesten deutschen Plagiatsexperten den Vorstoß Winnackers abgewehrt. Im Gespräch mit der SZ sagte der Münchner Jura-Professor Volker Rieble: "Eine solche Prüfungsstelle ist schon rechtlich gar nicht möglich, sie wäre ein Eingriff in das Selbstverwaltungsrecht der Universitäten."

"Ich erwarte Ihre Entschuldigung"

In einem zweiten offenen Brief nimmt Piper seine Mitarbeiter außerdem gegen die Kritik des CDU-Politikers Kurt Biedenkopf in Schutz. Der frühere Ministerpräsident von Sachsen hatte den Beteiligten im Fall Schavan in einem Artikel in der Welt indirekt unterstellt, Schavans Parteizugehörigkeit habe bei dem Prüfverfahren eine Rolle gespielt.

"Sie erwecken (...) den Eindruck", schreibt Piper in Reaktion darauf, "dass Gutachter und Fakultät die ehemalige Studentin in ihrem Prüfverfahren durchgängig als 'CDU-Politikerin' bezeichnet hätten und diese Charakterisierung ihr Vorgehen geleitet habe. Dies entspricht selbstverständlich nicht der Wahrheit und grenzt an üble Nachrede." Der Rektor der Düsseldorfer Hochschule wehrt sich insbesondere gegen Vorwürfe den Gutachter im Fall Schavan, Stefan Rohrbacher, betreffend. Biedenkopfs Wortwahl diesbezüglich sei "ehrabschneidend gegenüber dem Professor unserer Universität, der sich bei seiner Arbeit ausschließlich von wissenschaftlichen Prinzipien leiten ließ."

Abschließend heißt es in Pipers Schreiben: "Ich erwarte Ihre Entschuldigung."