Zum Tod von Max Stadler Ein weiß-blauer Liberaler

FPD-Politiker Max Stadler: im Alter von 64 Jahren verstorben

(Foto: dpa)

Er war ein Meister des klugen Moderierens: Der bayerische Freidemokrat und große Rechtspolitiker Max Stadler ist überraschend im Alter von 64 Jahren gestorben. Der frühere bayerische Landeschef der FDP war parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium und nicht nur dort sehr beliebt. Er hat mit sanfter Inbrunst für eine liberale Rechtspolitik geworben. Er war ein feiner Mensch.

Ein Nachruf von Heribert Prantl

Es ergab sich nach einer Diskussionsveranstaltung an der Universität Passau, an der Hochschule seiner Heimatstadt also, an der er auch juristischer Lehrbeauftragter war. "Jede Gesellschaft hat die Verbrecher, die sie verdient", hieß der Titel dieser Veranstaltung. Max Stadler (FDP), Staatssekretär im Bundesjustizministerium, hatte dort mit der ihm eigenen sanften Inbrunst für eine liberale Strafrechtspolitik geworben - für eine Politik der Resozialisierung, für eine Politik, die Menschen nicht abschreibt, auch wenn sie vom Boulevard als "Bestien" beschrieben werden. Stadler hatte kritisch die Sicherheitspolitik nach dem 11. September 2001 reflektiert und für eine bessere Kontrolle der Geheimdienste geworben. Davon verstand er was - als Mitglied etlicher Untersuchungsausschüsse des Bundestags und als stellvertretender Chef des Parlamentarischen Kontrollgremiums, das über die Geheimdienste zu wachen hat.

Nach dieser Diskussionsveranstaltung also wurde Stadler von Studenten umringt, die weiter diskutieren wollten. Und nach einer guten halben Stunde, in der er ebenso bedächtig wie klar und bestimmt seine Argumente vorgetragen hatte, sagte ein Student zu ihm: "Wenn Ihre Partei so wäre wie Sie, dann würde ich der FDP beitreten." Und unter Abwandlung des Veranstaltungsmottos meinte der junge Mann dann: "Jede Gesellschaft hat die Politiker, die sie verdient."

Es wäre schön, wenn die deutsche Politik viele Max Stadlers hätte. Stadler war ein bayerischer Liberaler mit Leib und Seele, ein liberaler Jurist, ein kluger Rechtspolitiker, ein kerniger Altbayer. Er hatte das, was nicht sehr viele Liberale heute haben: Liebe zur Heimat, die man spürt. Er war nicht krachledern, sondern besonnen; gewiss, er konnte auch zünftig und deftig sein, wenn er das wollte, aber verletzend war er nie. Daher war er in seiner Heimat so beliebt, und deshalb mochte ihn fast jeder im Bundesjustizministerium.

Er war ein begnadeter Jurist, hatte in Regensburg studiert, beim Prozessrechtler Ekkehard Schumann über die "richterliche Neutralität" promoviert, war Richter und Staatsanwalt geworden und dann in die Politik gegangen. Als Freidemokrat läuft man in Bayern nicht auf der Siegesstraße - aber Max Stadler hat es verstanden, die FDP ein wenig weiß-blau zu färben. In Passau war er Stadtrat seit 1984, FDP-Landesvorsitzender war er von 1991 bis 1998. Wenn man ein besonderes, ein ungewöhnliches Exempel für einen sucht, der die Liberalitas Bavariae verkörpert: Man nehme Max Stadler.

In der FDP war er der engste Freund von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Als sie 2009 ein zweites Mal Justizministerin werden sollte, erklärte sie: "Das mache ich nur zusammen mit Max." Zwei Politiker aus einem Landesverband an der Spitze des Ministeriums - das war nicht einfach durchzusetzen; aber es ging, und das sehr gut. Weil die Ministerin Stadler bedingungslos vertraute, überließ sie ihm einen wesentlichen Teil des operativen Geschäfts. Hier bewährte sich der Bayer, der vom Polarisieren wenig hielt, als Meister des Moderierens.

Völlig überraschend ist Max Stadler am Sonntag 64-jährig gestorben. Er war ein feiner Mensch.