Wiederaufnahme im Fall Mollath Polizisten berichten über Prügelvorwürfe

Gustl Mollath mit Verteidiger Gerhard Strate im Landgericht Regensburg

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Ist Gustl Mollath Opfer der Justiz oder doch auch ein Täter, der seine damalige Frau geschlagen hat? Am zweiten Verhandlungstag in Regensburg versuchen sich zwei Polizisten zu erinnern. Und der Angeklagte schweigt eisern. Zumindest, solange der Gutachter zuhört.

Von Ingrid Fuchs, Regensburg

Mehr als elf Jahre ist der Vorfall her. Am 15. Januar 2003 ging Petra M. zum Kommissariat 12 im Zentrum von Nürnberg und erstattete Anzeige gegen ihren Noch-Ehemann Gustl Mollath wegen illegalen Waffenbesitzes. Jetzt soll sich der Polizist Bernd F. an die Aussagen der Frau erinnern. Er habe zwar die Akten noch einmal eingesehen, sagt der breitschultrige Mann zu Beginn der Vernehmung vor dem Landgericht Regensburg. Seine Erinnerung sei aber nur noch bruchstückhaft.

Mit leiser Stimme erzählt er von dem Tag, an dem Mollaths damalige Frau zu ihm kam. Sie habe Angst, dass ihr Mann eine Waffe im Zuge ihres Trennungsstreits gegen sie einsetzen könnte, habe sie gesagt. Während der Vernehmung erzählt sie von Übergriffen ihres Ehemannes am 12. August 2001. An jenem Tag habe Mollath sie geschlagen, getreten, gebissen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt, gab sie in der damaligen Vernehmung zu Protokoll.

Daraufhin habe er einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung Mollaths erwirkt, sagt der 47-jährige Polizist. Es sei zwar eine Waffe gefunden worden, allerdings nur eine genehmigungsfreie Luftdruckwaffe. Das Verfahren wurde eingestellt.

Wie hat sich Mollath an jenem 19. Februar, dem Tag der Durchsuchung, verhalten, will der Anwalt von Petra M. wissen. Zunächst habe er die Tür nicht öffnen wollen, erzählt der Polizist. Erst als Mollath mit der gewaltsamen Öffnung der Tür gedroht wurde, habe er sich "leidlich kooperativ" verhalten - seinen Unmut aber weiter verbal kundgetan. Das sei bei Durchsuchungen aber nicht ungewöhnlich, sagt der Beamte.

Mollath schweigt im Gerichtssaal

Mollath sitzt während der Zeugenaussage stumm da, er schweigt an diesem zweiten Prozesstag im Wiederaufnahmeverfahren. Zumindest im Gerichtssaal. Die Hände hat er in den Schoß gelegt, den Blick hält er meist gesenkt. Nur hin und wieder notiert er sich etwas in seinen Block. Umso aggressiver klingen die Fragen, die sein Verteidiger Gerhard Strate dem Zeugen stellt.

Gustl Mollath vor Gericht Ein unbequemer Angeklagter

Erst will Gustl Mollath schweigen, dann redet er dazwischen. Er will sich verteidigen und klagt zugleich an. Beim Prozessauftakt in Regensburg gibt sich der Angeklagte unbequem. Dabei ist ihm ein Freispruch eigentlich sicher.

Er will wissen, warum Petra M. bei der Vernehmung unter Termindruck gestanden habe. "Hat sie erwähnt, dass sie den ganzen Tag mit der Revisionsabteilung der Hypo-Bank zu tun hatte?", fragt Strate. Sie habe an jenem Tag Rede und Antwort stehen müssen für verschiedene Unregelmäßigkeiten, doch davon wusste der Zeuge F. nichts. Strate ist sich sicher, dass ihre beruflichen Probleme sie dazu bewegt haben, auch zur Polizei zu gehen. Schon wieder ein Hinweis auf die Schwarzgeldverstrickungen.

Fall Mollath in Regensburg "Moralisch ist das nicht in Ordnung"

Nur zweieinhalb Stunden dauert der erste Prozesstag im Fall Mollath - weil seine Exfrau die Aussage verweigert. Es ist nicht die einzige Enttäuschung, die der Angeklagte vor dem Landgericht Regensburg erlebt.

An diesem Nachmittag soll noch ein zweiter Polizeibeamter Auskunft geben. Doch Stefan H. erinnert sich an nichts mehr. Er habe auch versucht, in den Akten nachzulesen, worum es eigentlich gehe. Doch die alten Dokumente existieren auf seiner ehemaligen Dienststelle nicht mehr, auch Nachforschungen bei Kollegen hätten nichts gebracht.

Also liest ihm Richterin Elke Escher aus den Gerichtsakten vor und hofft, seiner Erinnerung so auf die Sprünge zu helfen. Es geht um eine Strafanzeige wegen angeblich gestohlener Briefe. Mollath soll versucht haben, sie seiner damaligen Frau vorzuenthalten. Es soll zu Streitereien und Rangeleien zwischen dem Ehepaar, Petra M.s Bruder und dessen Lebensgefährtin gekommen sein. Mehrmals hat der Polizist den Akten zufolge mit dem Fall zu tun gehabt, doch die Erinnerung will nicht zurück kommen.

Mollath sitzt in dieser Zeit auf seinem Stuhl und schweigt weiter. Zwischendurch wirkt er, als würden ihm die Augen zufallen. Erst als der Verhandlungstag beendet ist, der Gutachter Norbert Nedopil außer Hörweite, da meldet sich Mollath zu Wort. "Die Vorwürfe sind mir bekannt, haben aber nicht stattgefunden", sagt er. Das seien alles nur Behauptungen. Mollath spricht von einer Notwehrsituation. "Ich habe nur Schläge abgewehrt."

Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt. Am Vormittag sagen Petra M.s Bruder und dessen Lebensgefährtin aus.