Welche Schlampereien sich ein Gericht leistete Fall Mollath - ein Urteil voller Fehler

Gustl Mollath ist seit sieben Jahren in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie eingesperrt. Maßgeblich aufgrund eines Urteils des Landgerichts Nürnberg. Doch das verlegt den Tatzeitpunkt drei Jahre nach vorne und schildert die Festnahme von vorne bis hinten falsch.

Von Olaf Przybilla und Uwe Ritzer, Nürnberg

Wie Gustl Mollath am 27. Februar 2006 festgenommen wurde, lässt sich im Landgerichts-Urteil desselben Jahres in vielen Details nachlesen. Den Beamten sei Mollaths Haus unbewohnt vorgekommen, die Rollläden seien heruntergelassen gewesen. Im Inneren hätten sich aber Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Mollath doch zu Hause war: "Der Kamin rauchte, das Teewasser in der Küche war warm."

Die Tür zum Dachboden sei versperrt gewesen. Mollath sei dann auf dem Dachboden aufgefunden worden. Dort habe er sich hinter einer Kiste versteckt. Was die Richter da niedergeschrieben haben, hört sich selbst dann erst mal nicht auffällig an, wenn man es mehrmals liest. Wie so vieles im Fall Mollath. Das Problem ist nur: Nichts davon stimmt, nicht eine Zeile.

Wie es wirklich war, wie Mollath 2006 festgenommen wurde, haben zwei Streifenbeamte der Polizeiinspektion Nürnberg-Mitte protokolliert. Demzufolge wurden die Beamten an diesem Tag von Mollath vor der Nürnberger Lorenzkirche angesprochen. Diese ist mindestens zwei Kilometer entfernt von seinem Haus. Er, Mollath, habe sie gebeten, seine Personalien aufzunehmen und zu überprüfen, ob sein Name auf einer Fahndungsliste zu finden sei.

Mollath sei dann auf die Dienststelle am Nürnberger Jakobsplatz gebracht worden. Dort wurde ermittelt, dass gegen Mollath zu der Zeit ein Einweisungsbeschluss vorlag. Mollath wurde daraufhin in das Bezirkskrankenhaus Erlangen gebracht. Geschlossene Rollläden an seinem Haus? Warmes Teewasser? Eine Truhe auf dem Dachboden? Kein Wort davon stimmt.

Schon der erste Satz ist evident falsch

Das Protokoll der beiden Polizisten ging am 2. März 2006 bei der Staatsanwaltschaft ein, einen Tag später beim Nürnberger Landgericht. Bei jenem Gericht also, das am 8. August 2006 das Urteil gegen Mollath sprach - eines, das von Schludrigkeiten, Verdrehungen und zum Teil massiven Fehlern gespickt ist. Und das eine Passage enthält, eine halbe Seite fast, die von vorne bis hinten falsch ist. Mollath ist seit sieben Jahren in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie eingesperrt, maßgeblich aufgrund dieses Urteils.

Schon der erste Satz der Urteilsbegründung ist evident falsch. Er ist zugleich der zentrale Satz des Urteils der 7. Strafkammer am Landgericht Nürnberg-Fürth. "Der Angeklagte schlug am 12.08.2004 seine Ehefrau, von der er inzwischen geschieden ist, grundlos mehrfach auf den gesamten Körper, würgte sie bis zur Bewusstlosigkeit und trat sie mit den Füßen." Das stimmt nicht.

Sollte die behauptete Tat - sie war der Hauptanklagepunkt im Verfahren gegen Mollath - sich tatsächlich so zugetragen haben, dann fand diese Tat im Jahr 2001 statt. Also drei Jahre vor dem im Urteil behaupteten Zeitpunkt. Und damit insgesamt fünf Jahre vor dem Prozess.