Vorwürfe gegen Rosenheimer Polizei Faustschläge auf den Kopf

Wieder ein Fall von möglicher Polizeigewalt in Rosenheim: Einem Beamten wird vorgeworfen, einen mutmaßlichen Ladendieb bei der Vernehmung tätlich angegriffen zu haben - um ein Geständnis zu erpressen.

Von Heiner Effern

Die Kette von Gewaltvorwürfe gegen Polizisten aus Rosenheim und Umgebung reißt nicht ab: Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt nun gegen einen 55 Jahre alten Beamten, der bei der Vernehmung einen Verdächtigen mit der Faust an den Kopf geschlagen haben soll, um ihn zu einem Geständnis zu zwingen. Ein Kollege des Polizisten, beide bei der Inspektion Rosenheim beschäftigt, habe die Vorwürfe eines rumänischen Staatsangehörigen bestätigt, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Der angeschuldigte Polizist äußere sich zu den Vorwürfen nicht. Er wurde nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim vom Dienst suspendiert. ,,Sollten sich die Vorwürfe hinsichtlich des Fehlverhaltens bestätigen, bedauern wir dies ausdrücklich'', heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

Der Mann aus Rumänien und ein Freund von ihm wurden laut Staatsanwaltschaft am 20. Februar festgenommen, weil sie gewerbsmäßig Lebensmittel gestohlen haben sollen. In ihrem Auto seien Waren im Wert von knapp 1000 Euro gefunden worden. Die beiden Männer sollen laut Polizeibericht unter der Kleidung Damenbadeanzüge getragen haben, um dort die gestohlene Ware hineinzustopfen. Einer der Verdächtigen erklärte am Tag nach der Festnahme dem Ermittlungsrichter, dass er geschlagen worden sei. Verletzt sei er nicht, auch Schmerzen verspüre er keine.

Daraufhin leitete die Staatsanwaltschaft Traunstein sofort ein Verfahren gegen den Polizisten wegen einer möglichen ,,Körperverletzung im Amt beziehungsweise der Aussageerpressung'' ein. Dafür wurde die interne Ermittlungsstelle der Polizei in München eingeschaltet. Noch am 21. Februar habe, so heißt es von der Staatsanwaltschaft weiter, ein Rechtsmediziner aus München den festgenommenen Mann untersucht. Er stellte keine Verletzungen fest. Doch ein Kollege des Polizisten, der bei der Vernehmung anwesend war, bestätigte den internen Ermittlern, dass es zwei leichte Schläge gegen den Kopf des mutmaßlichen Ladendiebs gegeben habe. Ein ebenfalls anwesender Dolmetscher habe ausgesagt, davon nichts bemerkt zu haben.

Die neuen Vorwürfe gegen einen Rosenheimer Polizisten reihen sich in die Liste mehrerer Vorfälle ein, die den Ruf der südostbayerischen Ermittler bereits schwer geschädigt haben. Eine Familie aus Schechen bei Rosenheim beschuldigte die Polizei, sie am 15. November 2010 ohne Grund mit Gewalt überwältigt zu haben. Vor Gericht mussten sich aber nicht die Polizisten, sondern die Familie verantworten. Das Verfahren wurde eingestellt.

Im August 2011 verprügelte der Rosenheimer Inspektionschef einen 15-Jährigen, der die Wache auf dem Volksfest blutüberströmt verließ. Der Beamte wurde im November 2012 zu einer Strafe von elf Monaten auf Bewährung verurteilt. Im nur wenige Kilometer entfernten Wasserburg eskalierte in der Neujahrsnacht 2013 ein Polizeieinsatz. Die Beamten berufen sich auf Notwehr, der betroffene Zivilist beschuldigt sie, ihn misshandelt zu haben. Auch diesen Fall übernahmen die internen Ermittler.

Schlagzeilen machten zuletzt die Verletzungen einer gefesselten jungen Frau auf einer Münchner Polizeiwache. Ein Beamter soll der wehrlosen 29-Jährigen Nase und Augenhöhle gebrochen haben. Nach diesen neuen Gewaltvorwürfen gegen bayerische Gesetzeshüter und auf politischen Druck aus dem Landtag hin übertrug Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sämtliche polizeiinternen Ermittlungen gegen Beamte dem Landeskriminalamt in München.