Universitäten SPD will mehr Studentenbuden

Gemeinschaftsklos und Großküchen: Für billigere Unterkünfte sollen Standards gesenkt werden

Von Vinzent-Vitus Leitgeb

Die SPD-Fraktion im bayerischen Landtag hat ein neues Konzept für mehr studentischen Wohnraum vorgestellt. Mindestens 15 Prozent aller Studenten im Freistaat sollen demnach in öffentlich geförderten Wohnheimen unterkommen. Bei rund 375 000 Studenten wären das 56 250 Plätze, von denen aktuell erst rund 37 000 existieren. "Das Ziel von 15 Prozent hat die Staatsregierung zwar auch", sagt Andreas Lotte, wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. "Aber die Studentenzahlen steigen schneller, als Wohnungen gebaut werden."

Gemeinsam mit der hochschulpolitischen Sprecherin Isabell Zacharias schlägt er daher vor, mehr Wohnheime mit Gemeinschaftsküchen und geteilten Bädern zu fördern. Auf dieses billigere Konzept habe die Staatsregierung auch beim Bau von Flüchtlingsunterkünften gesetzt. Bei Studentenwohnheimen liege der Fokus aber noch auf teureren komplett ausgestatteten Einzelapartments.

Außerdem sollen private Investoren, die zum Bau von Wohnheimen auf öffentliche Förderungen zurückgreifen, dazu verpflichtet werden, die Plätze auch tatsächlich günstig und langfristig an Studenten zu vermieten. Bisher können sie bei vorzeitiger Abzahlung der Darlehen des Freistaats auch früher als vorgesehen die Belegungsbedingungen ändern oder die Mieten erhöhen. "Es geht uns um eine Modifizierung bestehender Regelungen und einen zielgerichteten Einsatz der Förderungen", sagt Lotte. Wie dringend das Problem ist, bestätigt Matthias Meyer vom Studentenwerk Erlangen-Nürnberg. In München bekamen im vergangenen Jahr nur 1300 von 4600 Bewerbern einen Wohnheimplatz. Ähnlich angespannt sei es in Erlangen und Regensburg. Immer kritischer seien die Entwicklungen in Ingolstadt und Eichstätt, sagt Meyer, obwohl er die Förderung von bis zu 32 000 Euro pro neugebautem Wohnheimplatz in Bayern für angemessen hält. Das Innenministerium hat zudem 2015 selbst Maßnahmen angekündigt: noch 1000 neue Plätze im Jahr 2015, von dann an jedes Jahr bis 2019 weitere 1200. 22,5 Millionen Euro waren für 2016 veranschlagt. Das Problem für Lotte und Zacharias: Es gehen alte Plätze verloren. Von 705 tatsächlich gebauten Wohnheimplätzen blieb Ende 2015 so nur ein Plus von 40 übrig.