Rote Liste Kommt kein Vogel geflogen

Jahrhunderte lang waren Hausspatzen überall in den Städten und auf den Dörfern anzutreffen.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)
  • Der Spatz könnte bald vom Aussterben bedroht sein.
  • An modernen Häusern gibt es keinen Platz mehr für seine Nester.
  • Auch die Natur wird zunehmend verändert - damit fehlt dem Vogel der Lebensraum.
Von Christian Sebald

Der Hausspatz ist der Kulturfolger Nummer eins unter den Vögeln. Seit Jahrtausenden sind die kleinen, grau-braunen, ein wenig gedrungen wirkenden Singvögel überall anzutreffen, wo Menschen leben, zumeist in großen Schwärmen und laut tschilpend. Seit den Fünfzigerjahren freilich werden die Hausspatzen immer seltener.

In Bayern ist der Schwund inzwischen so dramatisch, dass die Art seit 2016 auf der Vorwarnliste der Roten Liste steht. Das heißt: Zwar sind Hausspatzen nicht akut gefährdet. Aber die Bestände sind so rückläufig, dass die Art bald gefährdet sein wird, wenn nichts gegen den Schwund unternommen wird. Darauf weist der Landesbund für Vogelschutz (LBV) aus Anlass des Weltspatzentags an diesem Dienstag hin.

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Es ist noch gar nicht so lange her, da herrschten in den bayerischen Städten und Dörfern in Bayern paradiesische Zustände für die Spatzen. Überall an den Häusern und unter den Dächern gab es Mauerlöcher, Nischen und Hohlräume, in welche die Höhlenbrüter ihre Nester hineinbauen konnten. Und in den Gärten, Parks und Anlagen wuchsen dichte Büsche und Hecken, in denen sich die Spatzen so gerne aufhalten und verstecken. Die Zeiten sind vorbei.

Die Hausfassaden werden längst alle gedämmt, damit möglichst wenig Wärme entweicht, es gibt an ihnen kaum noch Hohlräume und Nischen, wie sie die Spatzen für ihre Nester brauchen. "Deshalb finden die Spatzen immer weniger Nistplätze, sie werden buchstäblich obdachlos", sagt Lorena Heilmaier, die beim LBV das Projekt "Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur" betreut. Aber auch in den Gärten, in Parks und Anlagen wird den Spatzen das Leben schwer gemacht. Wenn eine Hecke oder ein Busch zu groß werden, dann werden sie meist umstandslos entfernt, so dass die Spatzen auf einmal der gewohnte Rückzugsort fehlt.

Und wenn Ersatz gepflanzt wird, handelt es sich oft um exotische Ziergehölze, die für die Spatzen und andere Vogelarten in der Stadt meist ökologisch wertlos sind. Ein Übriges tut der massive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen Insekten, so dass die Hausspatzen immer weniger Nahrung finden. Dabei könnte man den Spatzen vergleichsweise einfach das Leben leicht machen, durch Nistenhilfen etwa oder das Pflanzen von heimischen Büschen und Stauden.

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