Reaktionen aus dem Geburtsort des Papstes Was der Bürgermeister sagt

Im Rathaus von Marktl am Inn ist es am Montag schwierig, zum Bürgermeister durchzukommen. Schließlich nimmt sich Hubert Gschwendtner doch Zeit für ein Gespräch. Im Hintergrund hört sein Handy gar nicht mehr auf zu läuten. "Der Rücktritt hat mich schon überrascht", sagt auch er, äußert aber Verständnis dafür: "Wegen seines hohen Alters und der großen Belastung." Etwa zehn Mal hat er den Papst in seinem Leben getroffen - und viele schöne Erinnerungen. "Der schönste Moment war, als der Papst in Marktl zu Besuch war."

In das goldene Buch der Gemeinde habe der Papst nicht nur seine Unterschrift gesetzt, sondern auch geschrieben: Der Herr segne diesen mir so teuren Ort, erzählt der Bürgermeister. "Oder als er - kurz nachdem er Papst geworden ist im Sommer 2005 - von Köln nach Rom über Marktl zurückgeflogen ist. Wir hatten damals Funkkontakt. Der Papst ist extra ins Cockpit gegangen und wir konnten ihm alles Gute für sein neues Amt wünschen", erinnert sich Gschwendtner.

Das letzte Treffen fand im Sommer 2012 in Rom statt. "Ich hab ihm einen Bildband übereicht. Dass er gesundheitlich angeschlagen war, habe ich damals nicht gemerkt. Im Gegenteil, er war sehr interessiert am Leben in Marktl", sagt der Kommunalpolitiker. Für die Zukunft wünscht er dem Papst: "Alles, alles Gute. Und angenehme und vor allem etwas ruhigere Tage."

"Das ist unser Papst"

Ob jetzt auch für Marktl wieder ruhigere Tage anbrechen? Die Gastonomen und Hotel-Betreiber im Ort nehmen den Rücktritt jedenfalls gelassen. "Das wird sich für uns nicht weiter auswirken", sagt Max Hummel, Juniorchef im Gasthof Hummel. "Die meisten Touristen kommen mit dem Bus, besichtigen kurz das Geburtshaus und fahren dann zu Beispiel nach Altötting weiter, wo sie verpflegt werden." Außerdem vermute er, dass nach wie vor "ein paar Leute kommen werden". Andreas Hoolmans vom Ach-Café am Rathaus sagt, er könne die Auswirkungen noch nicht genau abschätzen, Sorgen mache er sich aber keine.

Der Bürgermeister auch nicht. Der freut sich über das, was der Papst dem Ort bisher gebracht hat. Einen Busparkplatz, ein Papsthaus, ein Infocenter. "Für den Tourismus war das schon gut", sagt er. 100.000 Menschen besuchen Marktl etwa im Jahr. Gschwendtner hofft, dass der Ort inzwischen so eine historische Bedeutung hat, dass die Menschen auch weiterhin kommen. "Immerhin haben wir hier das einzige Geburtsthaus eines Papstes in Deutschland."

Pfarrer Kaiser macht sich um all die irdischen Probleme im Moment keine Gedanken. Er überlegt, was jetzt aus Benedikt wird. "Ich glaube, er wird sich in ein Kloster zurückziehen, er ist ja Bischof von Rom. Und dort wissenschaftlich weiter für die Kirche tätig sein. Das ist unser Papst."