Prozess wegen Misshandlung eines Schülers Gutachten belastet Rosenheimer Ex-Polizeichef

Weil er einen Schüler misshandelt haben soll, steht der Ex-Polizeichef von Rosenheim vor Gericht. Bislang beteuert Rudolf K., es sei eine Art Unfall gewesen. Doch Sachverständige stellen die Aussage des Beamten infrage.

Von Hans Holzhaider, Traunstein

Ein Privatfoto zeigt den blutverschmierten Mund und einen abgebrochenen Schneidezahn eines 15-Jährigen. Ein Polizist soll ihn misshandelt haben - und steht deshalb nun vor Gericht.

(Foto: dapd)

Ein abgebrochener Schneidezahn oben links, eine Quetsch-Risswunde an der Unterlippe, eine weitere Quetsch-Risswunde am Unterlippenrand, ein Hämatom am rechten Unterkieferrand, seitlich der Kinnspitze, zwei kleine Zahnschmelzabsplitterungen an gegenüberliegenden Backenzähnen links. Mit diesem Verletzungsbild kam der 15-jährige Florian K. (Name geändert) am 3. September 2011 kurz vor 23 Uhr aus der Polizeiwache auf der Volksfestwiese in Rosenheim. Wie es zu den Verletzungen kam, das muss jetzt das Landgericht Traunstein klären.

Der damalige Leiter der Polizeiinspektion Rosenheim, Rudolf M., mittlerweile vom Dienst suspendiert und wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt angeklagt, beteuert, es sei eine Art Unfall gewesen. Er habe den mit dem Gesicht zur Wand stehenden Jugendlichen nur am Rücken angestoßen, um ihn umzudrehen und auf eine Bank zu setzen. Dabei habe der Junge das Gleichgewicht verloren und sei "mit Karacho gegen die Wand" geprallt.

Der 15-Jährige selbst dagegen erzählt, der Polizeichef habe ihn, als er schon saß, an den Schultern hochgerissen, umgedreht und ihn mit der Hand im Genick mehrmals mit voller Wucht gegen die Wand gestoßen.

Am zweiten Verhandlungstag hatten die medizinischen Sachverständigen das Wort, und ihre Gutachten lassen den Schluss zu, dass der Polizeibeamte zumindest nicht die volle Wahrheit gesagt hat. Die Verletzungen im Gesicht müssten mindestens auf zwei Gewalteinwirkungen zurückgehen, betonten der Zahnmediziner Jan Kühnisch und der Biomechaniker Jiri Adamec.

Einmal eine Einwirkung frontal von vorne, die den Zahn abbrechen und die Lippe platzen ließ, und einmal schräg von unten, was den Bluterguss am Kinn und die Absplitterungen an den Backenzähnen zur Folge hatte. Das lasse sich, so die Sachverständigen, durchaus mit den Aussagen des Jugendlichen in Einklang bringen.

Rudolf M. blieb, trotz eindringlicher Nachfragen durch den Vorsitzenden Richter, bei seiner Darstellung. Am kommenden Dienstag soll das Urteil verkündet werden.