Streit an der Uni Passau Ist Fensterln sexistisch?

Dass ein Bursche seine Angebetete über die Leiter besuchen kommt, war lange eine traditionelle Form des Werbens, wie der historische Stich zeigt.

(Foto: Imago)

Beim Sportfest der Uni Passau sollten Burschen über Hindernisse und Leitern die Kammer einer Angebeteten erobern. Die Frauenbeauftragte sieht in dem Brauch einen Gesetzesverstoß. Nun ist ein bizarrer Streit entbrannt.

Von Hans Kratzer, Passau

Der bis ins Mittelalter zurückreichende Brauch des Fensterlns hat viel Freude, aber auch viel Verdruss über das bayerische Volk gebracht. Das kann jetzt auch die Uni Passau bestätigen, ist sie doch in dieser Woche weniger durch wissenschaftliche Glanzleistungen als vielmehr durch eine Debatte um das Fensterln in die überregionalen Schlagzeilen geraten. Ausgelöst wurde die ganze Aufregung durch die Passauer Sportstudenten: Sie schrieben im Rahmen eines für diesen Donnerstag geplanten Universitäts-Sportfestes einen Wettbewerb aus, bei dem Burschen über Hindernisse und Leitern möglichst schnell die Kammer einer "Angebeteten" erklimmen sollten. Früher war es ein gängiger Brauch, dass ein Liebhaber auf diese Weise in das Zimmer seiner Geliebten gelangen wollte, um ihr seine Zuneigung zu zeigen.

Als freilich die Gleichstellungsbeauftragte der Universität Passau Wind von der Sache bekam, schrillten bei ihr alle Alarmglocken. Sie legte den Studenten nahe, den Fensterlkönig-Wettkampf abzusagen, weil er gegen das Gleichstellungskonzept der Universität verstoße und die Frau "zum Objekt" degradiere. Auch ein Sportfest habe sich an die Gesetze zur Gleichstellung, die an der Uni gelten, zu halten. Seit Tagen wird nun auf dem Campus vor allem über eine Frage debattiert: Ist das Fensterln ein Brauchtum oder ein frauenverachtendes Spektakel?

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Die Studenten sahen es als Gaudi-Einlage

Die Sportstudenten reagierten enttäuscht. Das Fensterln war als einer unter vielen Wettbewerben geplant, gleichsam als Gaudi-Einlage. In einer ersten Reaktion zeigten sie sich entsprechend verwundert über den Verdacht, sie würden Frauen zu Objekten degradieren. "Wir wollten eigentlich nur einen sportlichen Wettkampf mit kulturellem Hintergrund anbieten." Trotzdem beugten sie sich dem Willen der Uni, auch wenn für sie das Fensterln eine urbayerische Sportart ist, die sich den neumodischen Zwängen nicht zu unterwerfen braucht. "Muss man wirklich alles durchgendern?", fragt deren Sprecher Niko Schilling. Auf Facebook entbrannte sofort eine heftige Debatte, bei der die Organisatoren breite Unterstützung erhielten ("ein lächerlicher Vorgang, man kann nur hoffen, dass dann noch genügend Zeit bleibt, sich mit den wirklich ernsten Fällen von Diskriminierung zu beschäftigen"). Nur vereinzelt waren gegenläufige Kommentare zu lesen: "Ihr schreibt selbst von dem Motto 'holz vor der hüttn, fensterln und nageln' und wundert euch dann allen Ernstes, dass euch vorgeworfen wird, Frauen zu Objekten zu degradieren."