Parteikonvent der CSU Finstere Stimmung bei der Horst-Show

Horst Seehofer beim "Parteikonvent" der CSU.

(Foto: dpa)

Es sollte der Höhepunkt des Vorwahlkampfs werden. Richtig viel Geld hat die CSU für ihren Parteikonvent in die Hand genommen. Doch abseits der Bühne rumort es. Statt einen Aufbruch zu verkünden, muss Horst Seehofer wieder den Ausputzer geben. Die Gehaltsaffäre macht seiner Partei schwer zu schaffen - sehr zur Freude der FDP.

Von Frank Müller und Mike Szymanski

"Es ist Freitag, der 3. Mai", tönt die Moderatorenstimme von der noch leeren Front im Münchner Postpalast. Die große Bühne ist in tiefes CSU-Blau getaucht, Scheinwerfer von allen Seiten in dem Rundbau verbreiten atmosphärisches Licht. Die Stimme kommt wieder: "Freuen Sie sich auf interessante Erfolgsgeschichten aus dem Chancenland Bayern." Man denkt, nun käme gleich Thomas Gottschalk oder wenigstens Markus Lanz. Die Showstimme sagt: "Begrüßen Sie CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt."

Die CSU hat richtig viel Geld ausgegeben für diesen Abend, alles sollte passen, alles für Horst Seehofer. Dessen Nominierung zum Spitzenkandidaten für die bayerische Landtagswahl hatte die CSU monatelang aufgeschoben, um sie zum Höhepunkt des Vorwahlkampfs zu machen.

"Parteikonvent" nennt die CSU das, es ist eine Veranstaltung, die mit einem herkömmlichen Parteitag nichts mehr zu tun hat. Alle sind da, auch Edmund Stoiber und Theo Waigel. Stoiber hält eine Art Laudatio. Willkommen zur Horst-Show.

Ein "stimmungsvolles Bayern-Fest" hatte Seehofer versprochen

Doch während auf der Leinwand und als Showgäste ganz normale bayerische Bürger, vom Erlebnisbauern bis zum Frauenarzt, ihre bayerischen Erfolgsgeschichten erzählen, gibt es abseits der Bühne immer nur ein Thema. Da geht es um eine politische Erfolgsgeschichte, die gerade in Schwierigkeiten gerät. Ein "stimmungsvolles Bayern-Fest" hatte Seehofer in der Einladung versprochen.

Doch Seehofers Stimmung hat sich in den vergangenen zwei Wochen radikal verfinstert. Immer mehr Fälle wurden bekannt in der Gehälteraffäre: Höchste CSU-Landtagsabgeordnete und sechs Kabinettsmitglieder beschäftigen Ehefrauen und andere Verwandte in ihren Stimmkreisbüros auf Staatskosten. Die Affäre weckt Erinnerungen an die Epoche, die Seehofer am wenigsten mag: an die Zeit der Machtversessenheit und der Amigo-Wirtschaft in der CSU.

Seehofer neigt nicht zur Kumpanei

Seehofer gibt in diesen Tagen den brutalen Aufklärer. "Ich werde als Parteivorsitzender alles tun, dass diese Geschichten offen, transparent und konsequent behandelt werden", sagt er. Seit Tagen beteuert er, er habe von den Gepflogenheiten im Landtag nichts gewusst. Seehofer kam aus Berlin, der Bundestag hat strengere Regeln. Und Seehofer neigt auch nicht zur Kumpanei. Das alles verleiht ihm zumindest in den Augen seiner Parteifreunde die nötige Glaubwürdigkeit, um reinen Tisch zu machen.

Ein CSU-Politiker aus dem Kabinett sagt: "Die Frage ist, wann ist das Ende der Affäre erreicht? Abgeschlossen ist sie erst dann, wenn sich alle geoutet haben." Und weiter: "Die letzte Konsequenz wäre wohl eine Kabinettsumbildung." Doch alle betroffenen Kabinettsmitglieder besetzen auch vordere Plätze auf den Kandidatenlisten zur Landtagswahl; sie sollen eigentlich die Aushängeschilder im Landtagswahlkampf sein. Jetzt fürchtet jeder einen Anruf vom Chef. "Wenn Seehofer anrufen würde, wäre das ein klares Signal zum Rückzug", fürchtet ein CSU-Mann.

Gehaltsaffäre in der CSU "Üble Abzockerei von öffentlichen Geldern"

Über Jahre haben bayerische Landtagsabgeordnete ihre Familienmitglieder angestellt und aus Steuertöpfen bezahlt. Ist das rechtens? Welche Konsequenzen fordern die Bürger? Eine Videoumfrage.

(Video: Süddeutsche.de)