Neuer Allgäu-Krimi Kluftingers Herzblut

Kluftinger ermittelt wieder: Volker Klüpfel und Michael Kobr haben ihren mittlerweile siebten Allgäu-Krimi veröffentlicht. Der Kommissar entwickelt sich zwar weiter - doch mit seinen ewigen Tollpatschigkeiten balanciert Kluftinger am Rande der Glaubwürdigkeit.

Von Sabine Reithmaier

Kommissar Kluftinger jagt einen Serienmörder. Fast 400 Seiten hält er diese Strapaze durch, obwohl sein Herz sticht, der Puls rast und er sich überhaupt krank und alt fühlt. Deshalb verzichtet er im jüngsten Werk Volker Klüpfels und Michael Kobrs sogar weitgehend auf Käsespätzle, quält sich stattdessen mit Gemüse und Quarkdips durch den Tag. Aber nicht nur wegen seiner Probleme trägt der siebte Roman des erfolgreichen Autorenduos, den Droemer mit 200 000 Startauflage ins Rennen schickt, den Titel "Herzblut."

War ihr Erstlingswerk "Milchgeld" 2003 noch ein Überraschungserfolg, sind die beiden Allgäuer inzwischen etablierte Autoren. Sie haben ihre ehemaligen Berufe aufgegeben - Klüpfel war Kulturredakteur bei der Augsburger Allgemeinen, Kobr unterrichtete an einer Realschule Französisch und Deutsch - und leben vom Schreiben und Lesen ihrer Krimis.

Tatsächlich gönnen sie ihrer Hauptfigur im neuen Band eine echte Weiterentwicklung. Nur in Maßen natürlich: Zum einen muss Kluftiger eine besonders brutale Mordserie aufklären, die auch schwedischen Krimis zur Ehre gereichen würde. Zum anderen beschließt er, wegen seiner Herzschmerzen sein Leben zu ändern. Abgesehen vom Gemüse bemüht er sich, weniger zu granteln, sondern Familie und Mitarbeitern gegenüber freundlicher und offener aufzutreten, ein Unterfangen, bei dem er naturgemäß immer wieder ins Straucheln gerät.

Yogastunde beim Lieblingsfeind

Grundsätzlich empfiehlt es sich aber, schon vor der Lektüre dieses Buchs ein großer Kluftinger-Fan zu sein. Sonst hält man die ewigen Tollpatschigkeiten und das ständige Balancieren am Rande der Glaubwürdigkeit schlecht aus. Die Yogastunde mit seinem Lieblingsfeind Dr. Martin Langhammer etwa, in die der Kommissar eher zufällig hineinschlittert und die sich fernab jeglicher Realität zu einer reinen Slapsticknummer entwickelt. Oder das Telefongespräch mit dem japanischen Schwiegervater in spe.

Dass Kluftinger im Jahr 2013 noch nie etwas von Skype gehört hat, geht schon kaum mehr an. Aber die ungeheure Begriffsstutzigkeit, die er im Gespräch mit dem Japaner an den Tag legt, ist geradezu unerträglich. Viel besser auszuhalten sind solche Szenen, wenn die Autoren sie spielen. Schon deshalb ist es ratsam, ihre Lesungen zu besuchen.

Lesung ist natürlich der völlig falsche, weil hoffnungslos veraltete Ausdruck. Geboten wird nämlich eine "multimediale LitComedy". Unter dem Titel "Kluftinger - die Show" touren Klüpfel und Kobr unter der Regie von Eva Demmelhuber von April an durch die Säle des Landes. Und es sieht ganz so aus, als würde die Rückständigkeit Kluftingers mit hochmodernen Marketingstrategien kompensiert.

Dass großer Erfolg - von den ersten sechs Bänden sind 4, 5 Millionen verkauft - viel verändert, verdeutlichte bei der Präsentation des Romans im Münchner Lustspielhaus nicht nur der Kurzfilm, der der fortschreitenden "Allgäuifizierung" nachspürte. Immerhin war es nett zu erfahren, dass im Allgäu inzwischen ein Kluftinger-Tourismus eingesetzt hat. Klüpfels Vater bietet in Altusried sogar Führungen an - auch wenn es dort nichts zu sehen gibt und es deshalb ziemlich schwierig war, eine richtige Sightseeing-Tour zusammenzustellen.