Alatsee im Allgäu:See voller Geheimnisse

Die Idylle trügt: Der Alatsee bei Füssen ist ein verrufener Ort. Zahlreiche Mythen ranken sich um den See, im Wasser lauern Gefahren und manche vermuten am Grund einen Goldschatz aus der Nazizeit.

Lisa Sonnabend

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Alatsee Füssen Allgäu

Quelle: Lisa Sonnabend

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Berge spiegeln sich auf der Wasseroberfläche des Alatsees, dichte Bäume umrahmen den in einem Talkessel gelegenen See, nur wenige Einheimische und Touristen gehen an diesem Wintertag hier spazieren. Ein Idyll, doch eines, das trügt. Denn unter der schönen Oberfläche des Allgäuer Gebirgssees verbirgt sich Unheimliches.

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Blutender See wird das Gewässer, das sechs Kilometer westlich von Füssen liegt, genannt. An einigen Tagen im Jahr schimmert die Oberfläche in einem rötlichen Ton; manche finden dies romantisch, andere jedoch furchterregend. Der Alatsee ist nur zwölf Hektar groß, dafür aber ungewöhnlich tief. Bis zu 32 Meter könnte man hinabtauchen - wäre da nicht die giftige, rote Schicht in rund 15 Meter Tiefe: Purpur-Schwefelbakterien. In und unterhalb dieser Schicht befindet sich so gut wie kein Sauerstoff mehr im Wasser, kein Licht dringt hindurch, nur Bakterien leben dort - und auf die Taucher lauern Gefahren.

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Mehrere Menschen starben bei dem Versuch, die Schicht zu durchtauchen. Seitdem herrscht komplettes Tauchverbot an dem See, nur zu wissenschaftlichen Zwecken dürfen ab und an Menschen im Neoprenanzug hinein. Woher der Schwefel im Wasser kommt, konnte bis heute nicht geklärt werden. Um den See ranken sich aber auch zahlreiche Mythen, von denen manche furchteinflößend sind.

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Während des Zweiten Weltkrieges führten hier Luftwaffentechniker der Nationalsozialisten mit Modellen der Focke-Wulf Ta 154 Unterwasserversuche durch. Im See finden sich deswegen auch heute noch schwere Eisenstangen und Gestelle. Doch wurde der Alatsee zu Kriegsende womöglich noch für etwas anderes genutzt? Als Versteck für den Goldschatz der Deutschen Reichsbank, der eines Nachts aus Neuschwanstein in Sicherheit gebracht wurde? Einige Bewohner wollen damals gesehen haben, wie beladene Lastwagen in Richtung Alatsee fuhren. Bis heute ist auf dem Seegrund kein Gold entdeckt worden, die Gerüchte halten sich jedoch noch immer.

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Die mysteriösen Geschichten über den Alatsee haben auch das Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr inspiriert. "Seegrund", der dritte Teil ihrer erfolgreichen Allgäu-Krimireihe "Kommissar Kluftinger", spielt in dem Talkessel und greift die Mythen auf. Kluftinger stößt am Ufer des Gewässers auf eine Leiche - die nicht blutverschmiert ist, sondern mit der rötlichen Substanz des Sees in Berührung gekommen ist. Auch der Goldschatz der Nationalsozialisten spielt bei der Lösung des Falles eine Rolle.

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Seit der Krimi "Seegrund" erschienen ist, interessieren sich die Touristen verstärkt für das Gewässer. "Es fragen deutlich mehr Besucher nach dem Alatsee als noch vor ein paar Jahren", sagt Anke Hiltensperger vom Tourismusamt Füssen. Im Sommer wird jede Woche eine Wanderung organisiert, die zur Krimiführung "Seegrund" in Richtung Alatsee aufbricht.

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Es gibt noch weitere Sagen, die sich um den Alatsee ranken. Demnach führt vom See aus ein unterirdisches Gängesystem bis ins nur ungefähr 80 Meter entfernte Österreich. Gelegentlich heißt es auch, dass der See unendlich tief sei und darin Ungeheuer leben, die Wanderer in die Tiefe ziehen - so ist in Reiseführern zu lesen. Erzählt werde auch, dass im Wasser verwunschene Frauen leben und versuchen, attraktive Männer zu sich hinabzulocken, um erlöst zu werden.

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Vor allem Esoteriker halten auch die Bäume rund um den See für rätselhaft und glauben, von ihnen gehe eine besondere Kraft aus. Die Äste wachsen nicht in Richtung Sonne, sondern sie sind verschlungen. Für dieses Phänomen gibt es allerdings eine wissenschaftliche Erklärung: Aufgrund der Lage in dem Talkessel fegt der Wind über den See hinweg und zwingt die Bäume zu diesen ungewöhnlichen Formen.

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Ob die Sagen, die sich um den See ranken, stimmen, kann auch Anke Hiltensperger vom Tourismusamt Füssen nicht beantworten. Fest steht allerdings für sie: "Der See hat etwas Geheimnisvolles." Und: "Mit den Mythen ist er viel schöner." Es sei wie bei den Gerüchten um den Tod von König Ludwig: Am besten sei es, die Dinge nicht zu hinterfragen. 

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Der Alatsee liegt sechs Kilometer westlich von Füssen. Von dem Parkplatz am See sind es nur wenige Schritte bis zum Ufer. Von Füssen aus kann man den See auch zu Fuß erreichen, ein idyllischer Spazierweg führt von der Füssener Altstadt über den Mitter- und Obersee zum Ziel, Dauer etwa 80 Minuten. Vom Alatsee aus kann man noch einen wenige Meter langen Abstecher den Hügel hinauf machen, und zu Fuß die Grenze nach Österreich überschreiten.

© sueddeutsche.de/Lisa Sonnabend/tob
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