Nach der SPD-Wahlschlappe ist Rainer Schmid aus Tirschenreuth der Partei beigetreten. Ein Gespräch über politische Ehrlichkeit, die Agenda-Reformen und einen Schwiegervater, der mit der CSU sympathisiert.
Der bayerischen SPD geht es nicht gut. Eine Wahlniederlage folgt auf die andere und die Genossen werden immer weniger. Nicht einmal mehr 70.000 sind es in Bayern, 2005 waren es noch 77.000. Aber es gibt Lichtblicke: Seit der Bundestagswahl verzeichnet die Bayern-SPD mehrere hundert Neueintritte. Einer davon ist Rainer Schmid, 33-jähriger Bankkaufmann aus Tirschenreuth in der Oberpfalz.
Der SPD laufen seit Jahren die Mitglieder weg - doch manche wenden sich gerade in diesen Zeiten der Sozialdemokratie zu: auch Rainer Schmid hat nun ein SPD-Parteibuch. (© Foto: dpa)
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SZ: Herr Schmid, Sie sind nach der Bundestagswahl in die SPD eingetreten. Aus Mitleid?
Rainer Schmid: Eigentlich weniger. Ich habe schon 2005 darüber nachgedacht und bin dann doch nicht eingetreten. Jetzt wollte ich mal ein Zeichen setzen, die brauchen doch auch Unterstützung. Und mein Schwiegervater sagt: Man muss sich mit Politik beschäftigen, sonst machen die mit einem, was sie wollen.
SZ: Warum haben Sie es sich denn 2005 noch einmal anders überlegt mit dem Beitritt?
Schmid: Das kann ich eigentlich gar nicht genau sagen. Wahrscheinlich habe ich mich nicht getraut.
SZ: Was erwarten Sie jetzt von der SPD?
Schmid: Es wäre nicht schlecht, wenn es wieder besser stünde um die SPD. Mit der neuen schwarz-gelben Regierung wird es einen Sozialabbau geben. Ich hoffe, dass die SPD in der Opposition denen den Spiegel vorhält.
SZ: Was glauben Sie, warum geht es in Bayern so bergab mit der SPD?
Schmid: Es ist leider immer noch so, dass viele aus Gewohnheit CSU wählen, gerade viele alte Wähler. Dabei muss man sich mal klar machen, was unter deren Regie in den letzten Jahren alles passiert ist.
SZ: Es gibt Gegenden in Bayern, da ist die SPD nur noch viertstärkste Kraft.
Schmid: Das ist heftig. Die SPD kommt einfach bei den Wählern nicht gut an. Die Agenda 2010 hat da viel kaputtgemacht. Ein Riesenproblem ist auch die Linke, die nimmt der SPD viele Stammwähler weg.
SZ: Sie arbeiten bei einer Bank und kommen aus dem ländlichen Raum. Klingt eher nach CSU-Wähler. Fühlen Sie sich von der SPD vertreten?
Schmid: Die waren im Wahlkampf einfach ehrlicher. Steinmeier und Steinbrück haben öfter gesagt, dass Steuersenkungen nicht gehen werden. Dafür sind die abgestraft worden, weil sie die Wahrheit gesagt haben.
SZ: Wollen Sie in der SPD auch selbst aktiv werden? Da werden immer junge Leute gesucht.
Schmid: Vorerst ist es nicht so geplant. Ich kann es aber nicht ausschließen.
SZ: Gibt es in Tirschenreuth überhaupt einen Ortsverein? Waren Sie schon da?
Schmid: Es gibt einen, aber ich war noch nicht dort. Ich werde schon mal hingehen.
SZ: Haben Sie daheim erzählt, dass sie jetzt in der SPD sind?
Schmid: Meiner Frau habe ich es gesagt, aber meinem Schwiegervater habe ich es noch nicht gebeichtet. Der sympathisiert eher mit der CSU.
SZ: Na, dann kann er es ja in der Zeitung lesen.
Schmid: Mit meinem Namen? Naja, zum Glück ist es nicht unsere Lokalzeitung.
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(SZ vom 6. Oktober 2009/odg)
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Die neueste Antwort
... und er wird nichts zu lachen haben, der mutige Herr Schmidt.
Zum einen sind da die Genossinnen und Genossen, die bis vor drei Wochen noch auf den Tisch gehauen haben und "Pack' ma's!" gebrüllt haben, die Steinmeier, -brück und Münte "klare Kante" fering für ausgemachte Superkerle gehalten haben, die Wahlkampf betrieben haben nach dem Motto "eine Hand für die Karriere, eine Hand für's Plakat!" und die sich heute mit anderen zusammenrotten in Facebook-Communities mit Titeln, wie "Anti-Steinmeier&Münte"-Forum und "Neuanfang jetzt!" brüllen.
Zum anderen ist da ein an Haupt und Gliedern mit einem Riesen-Modernisierungs-Potential vor sich hintuckernder Tanker namens SPD und seinem leckgeschlagenen Beiboot BayernSPD, in dem man gar nicht so schnell gucken kann, wie da einzelne nach "links", andere "wiederkäuend", noch andere "nach vorne blickend" ihr Heil in irgendeiner Form von Flucht suchen, nur nicht dableiben, um den Unfug, den sie alle miteinander angerichtet haben, aufzuräumen.
Und zum Dritten sind die da, die immer schon da waren, die sich in den vergangenen 14 Monaten sehr wohl danach gefragt haben, ob sie eigentlich noch in der richtigen Partei sind, die sich danach gesehnt haben, keine täglichen Richtungsanpassungs-anzeigen per E-Mail aus den Parteizentralen und ihren "Kompetenz"-Centern lesen zu müssen, die sich auf die Marktplätze gestellt haben und einer immer aggressiveren Öffentlichkeit versucht haben, "die Leistungen der Sozialdemokratie in der Großen Koalition!" auch noch zum Duften zu bringen, solange Hartz IV als volkswirtschaftlich sinnvoll darzustellen bis jemand laut brüllt "Rente mit 67!", um dann zu verstummen.
Und jetzt kommen Sie, Herr Schmidt!
Lassen Sie sich nicht vereinnahmen, achten Sie in aller Freundschaft darauf, wer mit Ihnen in der SPD wie redet, lesen Sie die sozialdemokratischen Klassiker und die Autoren der Arbeiterbewegung, lassen Sie sich von irgendwelchen Radieschen-Radikalen kein X für ein U machen (Sie sind ja auch Bankkaufmann!), gehen Sie nicht mit den innerparteilichen Moden - auch und gerade, wenn's schwerfällt - halten Sie freundliche Distanz, dann entwickeln sie auch ehrliche Solidarität und zum Schluss: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!"
Dann werden Sie erkennen, wie sinnvoll Ihre Mitgliedschaft für Sie selbst und die Gesellschaft, in der wir leben, ist!
Ich wünsche Ihnen ein ehrliches "Glück auf!"
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Der Mann ist vermutlich Negrophil