Nach sieben Jahren in der Psychiatrie Mollath wäre unter Auflagen zu Gutachten bereit

"Ich habe nichts zu verheimlichen": Gustl Mollath erklärt sich zu einem neuerlichen Gutachten bereit, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" richtet er auch eine Bitte an Ministerpräsident Seehofer.

Von Olaf Przybilla, Bayreuth

Gustl Mollath ist unter bestimmten Umständen bereit, sich abermals von einem Psychiater begutachten zu lassen. Das sagte der 56-Jährige im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Er müsse aber um Verständnis bitten, dass er aufgrund der von ihm gemachten schlechten Erfahrungen Bedingungen für eine erneute Begutachtung stelle.

Seine wichtigste Forderung sei, dass das Gespräch mit einem Sachverständigen aufgezeichnet werde. Die Aufnahme könne dann notfalls in der Öffentlichkeit als Beweisstück herangezogen werden, sollte ihm erneut eine psychische Krankheit attestiert werden. "Ich habe nichts zu verheimlichen", sagte Mollath, "ich könnte mir aber vorstellen, dass andere etwas verheimlichen wollen".

Mollath wäre sogar bereit, dieses Begutachtungsgespräch in der Öffentlichkeit zu führen. Auch wenn dies "natürlich wohl utopisch sein dürfte", sagte er. Er erbitte für das Gespräch einen Menschen seines Vertrauens an seiner Seite und möchte sich vorab über den Gutachter informieren dürfen. Eine Begutachtung dürfe aus seiner Sicht aber nur der erste Schritt sein.

Auch wenn er ahne, dass dieser nicht zuständig sei, bitte er Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), sich für eine Wiederaufnahme seines strafrechtlichen Verfahrens einzusetzen. Nur so könne sein Fall gänzlich aufgeklärt werden. "Zudem bitte ich darum, mir wieder ein aktives Wahlrecht einzuräumen", sagte Mollath am Telefon im Bezirkskrankenhaus in Bayreuth. Dort ist er seit 2009 eingesperrt, zuvor war er in der Forensik in Straubing. Insgesamt ist Mollath seit fast sieben Jahren eingesperrt.

Äußerte sich Mollath vor einer Woche noch skeptisch über die Möglichkeiten, möglicherweise in einem überschaubaren Zeitraum frei zu kommen, ist er inzwischen optimistischer. Vor einer Woche hatte er im Gespräch mit der SZ gesagt: "Ich bin immer schon Realist. Dass nun über mich berichtet wird, dürfte mir auf kurze Sicht eher schaden."

Es sei "völlig menschlich", dass sämtliche Beteiligten am Verfahren - Staatsanwaltschaft, mehrere Gerichte, das Bezirksklinikum in Bayreuth - "wohl nun erstmal zusammenrücken werden aufgrund des öffentlichen Drucks".

Froh, dass Schwarzgeldaffäre debattiert wird

Trotzdem freue er sich über die Berichterstattung, hatte Mollath vor einer Woche gesagt, weil "dadurch nun das Thema Schwarzgeld und das Agieren der Hypo-Vereinsbank debattiert" werde. Dies habe er bereits vor mehr als zehn Jahren erreichen wollen, auch mit den diversen Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft: "Nur damals hat mir keiner zuhören wollen."

Seit dieser Woche habe er allerdings Hoffnung, möglicherweise auf absehbare Zeit doch die geschlossene Anstalt verlassen zu können. Er bitte freilich um Verständnis, die Forderung nach einer möglichst transparenten Form der Begutachtung stellen zu dürfen. Er habe in seiner Zeit in der forensischen Abteilung Erfahrungen mit Gutachtern gemacht, die er nicht für möglich gehalten habe - "und die ich keinem Menschen wünsche", sagte er.

Die Berichterstattung über ihn verfolge er überwiegend im Fernsehen. Leider habe er keinen Zugang zu überregionalen Tageszeitungen. "Allerdings haben mir liebe Menschen in den vergangenen Tagen ab und zu einen Artikel zugeschickt", sagte Gustl Mollath. Einen Internetzugang habe er nicht.