Nach Plagiatsvorwurf Kreidl verteidigt seine Doktorarbeit

Die Passagen von Berthold Meyer und Peter Schlotter ähneln denen in Kreidls Doktorarbeit sehr.

(Foto: SZ-Grafik: Lisa Borgenheimer)

Er habe fünf Jahre an seiner Dissertation gearbeitet und "gründlich recherchiert": Der Miesbacher Landrat Kreidl verteidigt sich nach den Plagiatsvorwürfen gegen ihn. Ihm drohen strafrechtliche Konsequenzen.

Von Martina Scherf

Nach den Vorwürfen, er habe bei seiner 2005 an der Universität der Bundeswehr eingereichten Doktorarbeit abgeschrieben hat sich der Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU) nun in einer Pressemitteilung verteidigt. Er habe fünf Jahre an seiner Dissertation gearbeitet, "gründlich recherchiert und die Quellen entsprechend der Promotionsordnung angegeben".

Dabei "habe ich nach bestem Wissen und Gewissen die Dissertation eigenständig und im regen Austausch mit meinem Doktorvater geschrieben. Dazu gehört auch, dass ich entsprechend der Regeln zitiert habe. Sollten mir dabei Unterlassungen passiert sein, bedauere ich das sehr".

Dann reicht der CSU-Politiker die Verantwortung an die Universität weiter. Schließlich hätten zwei Professoren seine Arbeit geprüft, außerdem habe er sich in einer "strengen mündlichen Prüfung" vor mehreren Professoren bewährt. Kreidl will nun die Hochschule um erneute Prüfung der Arbeit bitten und sich "dem Urteil der Universität unterwerfen". Es sei zu keinem Zeitpunkt seine Absicht gewesen, "gegen die Promotionsordnung und im Speziellen gegen die Zitierregeln zu verstoßen".

Doch inzwischen sammeln sich in der mit gut 300 Seiten Text und 60 Seiten Anhang umfangreichen Arbeit immer mehr Fragmente, in denen der Autor ganze Absätze wörtlich aus anderen Schriften übernimmt, ohne dass diese im 17-seitigen Literaturverzeichnis auftauchen. Neben einer Publikation für die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (Meyer/Schlotter, 2000) ist das etwa auch ein Aufsatz des Münchner Politologen Franz-Lothar Altmann. Auch aus einem Gutachten des ehemaligen Nato-Generals Klaus Dieter Naumann hat sich Kreidl offensichtlich bedient, ohne diese Quelle anzugeben.

Dass Kreidl den General auch persönlich befragt hat, hebt er im Vorwort seiner Arbeit besonders hervor. Solche "Qualitätsinterviews" mit Experten seien für ihn sehr wichtig gewesen. Naumann erinnert sich "vage" an ein Treffen mit Kreidl. Hingegen zeigte sich Kreidls Doktorvater Jürgen Schwarz beeindruckt von den vielen Recherchen, die sein Doktorand anstellte.

Schwarz leitete seit 1974 das Institut für Internationale Politik und Völkerrecht an der Bundeswehr-Universität. 2001, kurz nachdem Kreidl ihm sein Promotionsvorhaben vorgestellt hatte, wurde er emeritiert, betreute aber die Arbeit weiter. Er habe am Ende den Eindruck gewonnen, dass es Kreidl gelungen sei, den verworrenen Kosovo-Konflikt "sehr schön darzulegen". Dass der Autor sich dabei zum Teil einer Gliederung bediente, die nicht von ihm selbst stammte, konnte Schwarz nicht wissen.

Er hat die Arbeit mit "magna cum laude" bewertet. Plagiate seien in der Wissenschaft leider keine Seltenheit, so der Professor. Dass ein Ghostwriter geholfen habe, Kreidls Arbeit fertigzustellen, - eine Vermutung, die aufkam, weil Einleitung und Schluss einem unterschiedlichen Sprachfluss folgen -, darauf habe er keinerlei Hinweise gehabt. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, könnte Kreidl den Doktortitel verlieren. Weil er eine eidesstattliche Erklärung abgegeben hat, drohen ihm zudem strafrechtliche Konsequenzen.

Jakob Kreidl, Landrat Landkreis Miesbach.

(Foto: Claus Schunk)

Dass Kreidls "Doktor" in seiner Heimat immer wieder mal für süffisante Bemerkungen herhalten musste, war bekannt - zuletzt beim Starkbierfest im Miesbacher Bräuwirt Anfang März: "I hob ghört, dass er si bei seiner Alma Mater grührt hod. Des is koa oide Sennerin, des is an Jakob sei Universität. Angeblich hod er scho ogfrogt, ob er eventuell sein Doktor-Titel zruckgebn kannt, bevor's jemand anderer macht" dichtete "Bruder Obericus" über den Landrat - angeblich frei erfunden. Gut 300 Leute amüsierten sich.