MS Fürth Millionenverluste für Anleger

  • Zum tausendjährigen Jubiläum Fürths bot die lokale Sparkasse Anlagen in das Frachtschiff MS Fürth an. 178 Anleger investierten über 2 Millionen Euro in den "Exklusivfonds" - doch er ging in Konkurs.
  • Prominenter Werber für den Fonds war Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD), der selbst Geld verlor.
  • Ein Anwalt bezweifelt, dass die Kunden der Fürther Sparkasse ausreichend über die Risiken ihrer Investition aufgeklärt wurden.
Von Olaf Przybilla, Fürth

Stadtjubiläen sind eine Gelegenheit für Kommunen, sich selbst kennenzulernen, und Fürth hat das ausgiebig getan. Im Jahr 1007 wurde der Ort erstmals in einer Urkunde erwähnt, damals vermachte Heinrich II. den Flecken an einer Furth im Regnitzgrund ans Bistum Bamberg. Vor acht Jahren feierte Fürth dies mit allem Drum und Dran, der Katalog für die Festivitäten zum tausendjährigen Jubiläum glich einem mittellangen Taschenbuch.

Wenn prominente Werbung nicht vor dem Flop schützt

Auch die lokale Sparkasse warb mit einem Fonds zum Fest, auf dem Werbeprospekt für eine Anlage ins Frachtschiff MS Fürth prangte das Symbol "1000 Jahre Kleeblattstadt Fürth". Insgesamt 178 Sparer legten in diesen "Exklusivfonds" mehr als zwei Millionen Euro an. Der Dampfer aber nahm keine Fahrt auf, tuckerte direkt in den Konkurs. Die Anleger müssen nun mit dem Verlust ihrer gesamten Anlagen rechnen, darunter Beträge über mehrere Zehntausend Euro. Geld verloren hat auch Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD).

Zwar treffe ihn der finanzielle Schlag nicht existenziell, sagt der OB, "aber schmerzhaft ist er schon". Zumal es Anleger gibt, die ihm zumindest eine mittelbare Schuld am Verlust ihres Geldes zuschreiben. Schließlich war er es, der sich im Werbeprospekt für den Fonds ablichten ließ. Eine Anlagemöglichkeit bei der Sparkasse, für die der OB seinen Namen hergibt - da wollten sich viel mehr Anleger beteiligen, als es der Sparkasse möglich war.

Jung weiß um seine Verantwortung, ist aber mit sich im Reinen. Er sei total überzeugt gewesen von den Chancen der Containerwirtschaft, sagt er, eben deshalb habe er sich selbst finanziell beteiligt. Dass die Weltwirtschaftskrise den Schiffstransport in eine existenzielle Krise reißen würde, sei 2007 nicht abzusehen gewesen. Und ja: Er werbe als OB auch auf Prospekten für das städtische Klinikum Fürth - wohl wissend, dass dort "auch mal was schiefgehen kann".

"Die Geschichte ärgert einen jeden Tag"

Hoffnung für die Anleger, dass sie Teile ihres Geldes noch zurückbekommen, gebe es keine mehr, räumt Stefan Hertel ein, der für die Sparkasse Fürth spricht. Zwar werde der Insolvenzverwalter die MS Fürth demnächst verkaufen, das Geld fließe aber vollständig an die finanzierende Bank. Fehler der Sparkasse? Man habe zum Jubiläum auch Sparkassenbriefe aufgelegt, eine sichere Anlage, sagt Hertel.

Die andere, ebenfalls eher risikobehaftete Jubiläums-Anlage, ein Solarfonds, funktioniere prächtig. Dass der geschlossene Fonds mit dem Schiff einen Totalverlust zur Folge haben würde, habe keiner ahnen können. Auch wenn man hinreichend gewarnt habe vor der grundsätzlichen Möglichkeit. "Trotzdem ärgert einen die Geschichte jeden Tag", sagt der Sparkassen-Mann. Der Image-Verlust, verlorenes Vertrauen langjähriger Kunden, die alle aus Stadt oder Kreis Fürth kamen: "Schon sehr traurig", sagt Hertel.

Wie aus Sparkassen-Kunden Mitunternehmer wurden - bei vollem Risiko

Dass die Kunden hinreichend informiert wurden über einen drohenden Totalverlust, zieht der Anwalt Christian Fiehl in Zweifel. Die Sparkasse habe es mit Kunden zu tun, die ihr Geld einem lokalen Bankhaus anvertrauen, eben weil sie glauben, so etwas wie Totalverlust dort ausschließen zu können.

Dass sie quasi Mitunternehmer geworden sind, dürfte vielen Kunden nicht klar gewesen sein, ist sich Fiehl sicher. Immerhin ein Mandant von ihm wird seine 30 000 Euro zurückbekommen. Das Oberlandesgericht Nürnberg hat entschieden, dass diesem nicht hinreichend klar gemacht wurde, wie viel die Sparkasse an der Vermittlung selbst verdient.