Mittelfranken Wenn eine Gemeinde ihre Pfarrerin aus eigener Tasche zahlt

  • In der mittelfränkischen Gemeinde Geilsheim gibt es 430 evangelische Christen - zu wenige für eine eigene Pfarrstelle.
  • Das sehen die Bewohner allerdings anders - und zahlen ihre Pfarrerin aus eigener Tasche.
  • Derzeit ist jedoch ungewiss, ob die Sonderregelung bestehen bleiben darf.
Von Katja Auer, Geilsheim

Pfarrerin Christine Theilacker-Dürr hält jeden Sonntag einen Gottesdienst, monatlich verfasst sie einen Gemeindebrief und jedes Gemeindemitglied über 70 erhält von ihr regelmäßig Besuch. Was ein Pfarrer eben so tut in seiner Gemeinde, Konfirmandenstunden, Kindergottesdienste. Aber in Geilsheim ist das umfangreiche Angebot nicht selbstverständlich. Denn das Örtchen am Fuß des Hesselbergs, das zum mittelfränkischen Wassertrüdingen gehört, zählt nur 430 evangelische Christen. Dass sich Theilacker-Dürr ausschließlich denen widmen kann, haben sich die Geilsheimer hart erkämpft.

Längst hätten sie einen Verbund mit den Nachbargemeinden Obermögersheim und Altentrüdingen eingehen und ihre Pfarrerin abgeben sollen. Ein Geistlicher hätte sich dann um die evangelischen Christen in den drei Gemeinden im Landkreis Ansbach gekümmert. Das wollten sich die Geilsheimer nicht gefallen lassen. Sie erstritten sich eine Sonderregelung und bringen pro Jahr 20 000 Euro selber auf. Der eine mehr, der andere weniger. Die gleiche Summe legt die Landeskirche aus dem Fonds für fremdfinanzierte Stellen drauf. So konnte Theilacker-Dürr mit ihrer halben Stelle in Geilsheim bleiben.

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Das ist nicht so außergewöhnlich, immer wieder legen Sponsoren oder Gemeindemitglieder etwas drauf, um Stellen zu sichern, sagt Johannes Minkus, der Sprecher der Landeskirche. Wenn die Hälfte der benötigten Summe zusammenkommt, ergänzt die Landeskirche den Rest. 30 solcher fremdfinanzierter Stellen gebe es in Bayern, sagt Minkus, die meisten in der Seelsorge in Krankenhäusern oder im Hospiz. Allerdings bezahlten sich auch vier Gemeinden ihre Pfarrer zur Hälfte selbst.

Das besondere in Geilsheim ist nun, dass die Gemeinde nicht nur ihre Pfarrerin, sondern unbedingt auch ihr Pfarramt behalten wollte, obwohl der Ort offiziell Teil der Pfarrei Obermögersheim ist. Die Landeskirche willigte ein, vorerst, das Ganze ist als Pilotprojekt für fünf Jahre angelegt. Ende 2017 läuft der Vertrag aus, er könnte einmal verlängert werden. Den Antrag haben die Geilsheimer längst gestellt, aber bisher keine Antwort erhalten.

Kirchenpolitik sorgt für Verzögerungen

Dabei sei das Geld gesichert, sagt Theilacker-Dürr, sie vermutet, dass die Landeskirche ihre Stelle nicht verlängern will. "Das ist kirchenpolitisch nicht gewollt", sagt sie, deswegen werde die Antwort hinausgezögert. Dass immer größere Pfarrverbünde gebildet würden, sei der Kirchenreform geschuldet, die sie für falsch hält. "Dabei können die uns immer noch zusammenlegen, wenn die Leute nicht mehr zahlen."

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Die Landeskirche freue sich über das Engagement der Geilsheimer, sagt Johannes Minkus, aber eine langfristige Lösung könne das nicht sein. Nicht, weil sie nicht gewollt, sondern weil sei nicht dauerhaft machbar sei. Schon jetzt kümmere sich ein evangelischer Pfarrer in Bayern im Schnitt um 1600 Gemeindemitglieder. Tendenz steigend, denn spätestens von 2020 an fehlten der Landeskirche ein paar hundert Pfarrer, weil dann viele in den Ruhestand gingen. "Dann lässt sich so etwas nicht mehr rechtfertigen", sagt Minkus.

Weniger Pfarrer sind keine Lösung

Nun räumt Christine Theilacker-Dürr zwar ein, dass auch im ländlichen Mittelfranken die Säkularisierung voranschreite, dazu kommt der demografische Wandel, der die Kirchgänger weniger werden lässt. Trotzdem hält sie es für die falsche Strategie, immer weniger Pfarrer für immer mehr Christen sorgen zu lassen. "Mit lediglich der Grundversorgung kann ich keinen Glauben leben", sagt sie. Deswegen wollen sie und ihre Gemeindemitglieder am Montag bei der Landessynode in Ansbach demonstrieren und auf ihre Lage aufmerksam machen. Die Verantwortlichen in München haben nun eine Visitation angekündigt, im Mai soll es einen Besuch geben.

Verschleppung ist das für Theilacker-Dürr, allerdings soll auch überprüft werden, wie gut die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden funktioniert. Die ist Voraussetzung für die Ausnahmeregelung. Da hakt es, räumt Theilacker-Dürr ein, da sie unter Zusammenarbeit eben nicht Zusammenlegung verstehe. Wenn ihre Vertreter bei gemeinsamen Kirchenvorstandssitzungen aber überstimmt würden oder Gottesdienste abwechselnd in den Orten gehalten würden, sei das aber so. Also machen die Geilsheimer ihr eigenes Ding.

Pfarrer Matthias Ahnert aus dem benachbarten Obermögersheim will sich eigentlich nicht äußern in der Sache, aber auch er spricht nicht von einer reibungslosen Zusammenarbeit. Die Geilsheimer hätten eben "Wünsche, die über die Wünsche anderer Gemeinden hinausgehen", sagt er. Auch er lobt das Engagement, das tun alle. Aber es könnten sich halt nicht alle Gemeinden eine eigene Pfarrerin leisten. Ob Theilacker-Dürr für weitere fünf Jahre bleiben könne, entscheide sich nach der Visitation, sagt Minkus. Noch stehe nichts fest.

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