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Nachwuchs in der Kirche:Diener mit Imageproblem

Ministranten

Die vorgegebenen Abläufe eines Gottesdienstes machen es vielen Ministranten möglich, während einer Messe auch in sich zu gehen und Ruhe zu finden.

(Foto: Günther Reger)

Es wird immer schwieriger, Buben und Mädchen als Ministranten zu gewinnen. Ursache dafür sind der demografische Wandel und Vorurteile gegen die Tätigkeit am Altar

Wenn Lukas Braumiller neuen Bekanntschaften davon erzählt, dass er Oberministrant in der Brucker Pfarrei Sankt Magdalena ist, fallen die Reaktionen meist eher verhalten aus. Ministranten, das zeigen diese Reaktionen, haben ein eher angestaubtes Image. Und das könnte einer der Hauptgründe dafür sein, dass es immer schwieriger wird, Nachwuchs für den Dienst am Altar zu begeistern. Das gehe schon seit einigen Jahren so, betont Braumiller. Tatsächlich fehlen der im Landkreis größten Ministrantengruppe in den kommenden Jahren ein Drittel der eigentlich benötigten Gruppenleiter. "In den nächsten vier Jahren kommen vier Gruppenleiter nach", sagt Braumiller. Das sei zwar machbar, aber nicht optimal. Momentan bedeute das, dass diejenigen, die bereits ministrieren, in den folgenden Jahren zu größeren Gruppen zusammengefasst werden. "Dann ist der Drittklässler mit dem Sechstklässler in einer Gruppe", sagt Braumiller. Problematisch sei das, weil man gerade in diesen Altersstufen unterschiedliche Interessen habe, und die Gruppenstunden, die einmal wöchentlich stattfinden, dann wahrscheinlich sowohl den jüngeren als auch den älteren weniger Spaß machen würden.

Freilich besuchen Ministranten auch gezielt Schulklassen, um für ihren Dienst und ihre Gruppen zu werben. Insbesondere Klassen, in denen es auch Erstkommunionskinder gebe. Denn nach der Erstkommunion kann jeder Katholik mit dem Ministrieren beginnen. Nach sechs Jahren wird man zum Gruppenleiter und kümmert sich schließlich selbst um die "Kurzen", wie die Neuzugänge genannt werden. Wenn Braumiller und seine Freunde zu Gast in den Schulkassen sind, bekommen sie aber immer häufiger zu spüren, dass das Ministrieren für die Schüler unattraktiver wird. Und das, so meint Braumiller, liege vor allem daran, dass sich viele Buben und Mädchen ein falsches Bild von den Gruppen machten.

Das eigentliche Ministrieren werde oft als langweilig empfunden. Allerdings, so erzählt Braumiller, gebe es viele, die in dieser zugegeben einfachen Aufgabe auch eine Art Entspannung sehen. "Sie haben dann die Möglichkeit, in sich zu gehen und Ruhe zu finden", sagt er. Zudem bestehe das Ministrantendasein nicht nur aus dem Dienst am Altar. "Wer zehn bis zwanzig Mal im Jahr ministriert, ist schon sehr gut dabei", sagt er. Braumiller spricht aber auch von gemeinsamen Gruppenstunden, dem Verkaufsstand am Altstadtfest, Schlauchbootfahrten, Besuchen im Freizeitpark, Partys und dem Highlight für einen jeden Ministranten: das alljährliche Zeltlager. "Man lernt haufenweise neue Leute kennen", sagt er. "Wir sind wie eine große Familie. Man macht einfach sehr viel gemeinsam." Und im Vordergrund stehe immer der Spaß.

In Sankt Magdalena sei die Nachwuchs- Situation zwar noch nicht prekär, aber für den Oberministranten dennoch beunruhigend. Tatsächlich, so betonen der Kreisdekan Albert Bauernfeind und Markus Lentner, der Fachreferent für Ministrantenarbeit und religiöse Bildung im Erzbischöflichen Jugendamt München und Freising, veränderten sich die Zahlen der Ministranten im Landkreis seit Jahren nicht wesentlich. Aber beide sehen auch, dass die Zahl der religiös sozialisierten Kinder stetig sinkt. Auch der demografische Wandel könnte dafür verantwortlich sein, dass es schwieriger wird, Nachwuchs zu finden.

Die Zahlen seien zwar stabil, bestätigt auch Pfarrvikar Christoph Stürzer, "aber es verschiebt sich alles". Während es in den Städten besser gehe, haben die Landpfarreien erheblich größere Probleme. Er habe das bereits an seiner früheren Wirkungsstätte im Landkreis Mühldorf beobachten können. Und auch in Fürstenfeldbruck gebe es Pfarreien, in denen die Zahl der Ministranten sogar stark sinke. In Emmering etwa habe es in diesem Jahr überhaupt keine neuen Ministranten mehr gegeben. Als einen der Gründe sieht er das leistungsorientierte Schulsystem. Neben langen Schultagen, Hausaufgaben und dem Lernen bleibe nicht viel Freizeit.

Braumillers Meinung ist, was diesen Punkt angeht, ganz klar: "Es ist immer die Frage, wie sehr man sich Zeit nehmen will." Er selbst habe auch das G 8 besucht. Vom Ministrieren hat ihn das nicht abgehalten. Denn die Erlebnisse in der Gruppe hat er als bereichernd wahrgenommen. Dass er überhaupt damit angefangen hat, lag an seinen Geschwistern. "Wenn sie nicht schon dabei gewesen wären, könnte ich mir vorstellen, dass ich es auch nicht gemacht hätte", sagt er. Wenn man aber wisse, wie die Gruppenstunden ablaufen, wie viel Spaß die gemeinsamen Erlebnisse machen, seien Vorurteile ganz schnell entkräftet. So lädt der Oberministrant auch häufig Freunde ins Jugendheim ein, einfach damit sie sich einmal ein eigenes Bild von der Sache machen können. Immerhin, man habe sogar schon einen Gruppenleiter finden können, der eigentlich überhaupt kein Ministrant ist.

Lentner meint dazu: "Zwar sind mir solche Fälle nicht sehr bekannt, aber solche Annäherungen gibt es." Natürlich seien das Einzelfälle, etwa weil man den Pfarrer in der Gemeinde ganz toll fände, oder einen guten Freund bei den Ministranten habe. Aber man sei offen. Das betont auch Lukas Braumiller. Kommen darf jeder, der Interesse hat.

Interessenten können sich bei Fragen, etwa zu Gruppenstunden und Terminen in Sankt Magdalena, bei Oberministrant Lukas Braumiller melden: l.braumiller@googlemail.com.

© SZ vom 05.01.2016
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