Medizin Zukunftsweisende Krebstherapie

Rund 70 000 Menschen erkranken in Bayern jährlich neu an Krebs. "Viele können nicht auf eine Heilung hoffen, sondern müssen mit dieser Erkrankung leben", teilte am Montag eine Sprecherin der Bayerischen Krebsgesellschaft mit. Große Hoffnungen liegen daher auf der personalisierten Krebstherapie, die am Samstag (16. September) als Schwerpunktthema des in München stattfindenden Krebsinformationstages vorgestellt werden soll. Sie basiert auf Erkenntnissen aus dem Bereich der Molekularbiologie. "Wir sind heute in der Lage, Tumorerkrankungen viel genauer zu analysieren", sagte der Münchner Hämatologe und Onkologe Wolfgang Hiddemann, der dem Krebshilfe-Verein "Lebensmut" vorsteht. Die Molekularbiologie verschaffe Ärzten "einen individuellen Fingerabdruck des Tumors", mit dessen Hilfe wiederum festgestellt werden könne, welche Therapie bei den Patienten anschlägt - und welche nicht.

Ein Nachteil dieser zukunftsweisenden Krebstherapie liegt für Hiddemann sowie auch für seinen Kollegen Volker Heinemann aber klar auf der Hand: Die Verfahren sind noch in der Entwicklung und zugleich teuer. "Die Hauptnebenwirkung sind die Kosten", sagte Hiddemann. "Das personalmäßig zu refinanzieren, ist die größte Herausforderung", betonte seinerseits Heinemann, der als Direktor des Comprehensive Cancer Center der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig ist. In diesem Kontext seien Teams gefordert, die in "molekularen Tumorboards" fachübergreifend daran gingen, beim jeweiligen Patienten individuell den Tumor zu analysieren. Diese komplizierte Aufgabe zu stemmen, dazu - so meinen die Experten einhellig mit Blick auf ganz Bayern - seien nur die großen Tumorzentren in der Lage, wie sie sich etwa in München, Regensburg oder auch in Würzburg finden.

Momentan, so schränkt Hiddemann ein, kommt die intensive personalisierte Krebstherapie nur einem zahlenmäßig begrenzten Kreis zugute. Ein Kriterium sei zum Beispiel, "dass diese Patienten noch eine Lebenserwartung haben, wo sie tatsächlich von solchen Dingen profitieren können" - also vor allem die jüngeren. "Wir brauchen mehr individualisierte Untersuchungen", forderte Günter Schlimok, der Präsident der Bayerischen Krebsgesellschaft. Mehr Informationen unter www.krebsinfotag-muenchen.de.