Langjährige Parlamentarier hören auf Polit-Rentner

Gerda Hasselfeldt bei ihrer letzten Rede im Bundestag.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Einige Ex-Abgeordnete bleiben im öffentlichen Leben aktiv

Es geschieht nicht oft, dass die Kanzlerin mit breitem Lächeln und ausgestreckter Hand auf die Abgeordnetenbänke zusteuert, schon gar nicht auf die der CSU. Bei Gerda Hasselfeldt musste sich Angela Merkel aber bestimmt nicht überwinden. Es war Anfang September, Hasselfeldt hatte nach 30 Jahren im Bundestag ihre letzte Rede gehalten. "Als großes Geschenk", habe sie die Zeit empfunden, "dankbar" sei sie "für die Möglichkeit, meinem Land und den Menschen im Land so lange dienen zu dürfen". Danach erhob sich nicht nur Merkel von ihrem Sitz.

Gerda Hasselfeldt, 67, ist die prominenteste der bayerischen Abgeordneten, die jetzt nicht mehr für Berlin kandidiert haben. 1987 als Nachrückerin für Franz Josef Strauß noch in den Bonner Bundestag eingezogen, war sie Ministerin im Kabinett von Helmut Kohl (Bau, Gesundheit), Vizepräsidentin des Bundestags, von 2011 an Vorsitzende der CSU-Landesgruppe. In dieser sensiblen Rolle fungierte sie gerade während des erbitterten Flüchtlingsstreits als Scharnier zwischen Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer - nicht immer zum Gefallen polternder Parteifreunde. Ihren Einfluss wird die Fürstenfeldbruckerin künftig wohl als Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes nutzen.

Nur der Haushaltspolitiker Bartholomäus Kalb, 68, aus Deggendorf vermag ebenfalls auf 30 Jahre im Bundestag zurückzublicken. Auch der Sozialpolitiker Matthäus Strebl, 65, wie Hasselfeldt und Kalb gebürtiger Niederbayer, hört auf; ebenso die Oberpfälzerin Barbara Lanzinger, 62. Andere Ausscheider in der CSU tragen bekanntere Namen: Der Oberfranke Hartmut Koschyk, 58, ehedem Staatssekretär im Finanzministerium, gehört dazu. Außerdem die Mittelfranken Dagmar Wöhrl, 63, und Josef Göppel, 67, der vielen in seiner Partei als letzter Umweltpolitiker gilt, der diesen Titel auch verdient.

Und dann sind da noch die Münchner CSU-Granden, in der Landeshauptstadt werden gleich drei von vier Direktmandaten neu besetzt: der frühere Staatsminister Peter Gauweiler, 68, warf nach einem Streit mit Seehofer bereits vor gut zwei Jahren hin. Mit dem ehemaligen Kreisverwaltungsreferenten Hans-Peter Uhl, 73, tritt ein Mann der konservativen Schule ab. Und auch Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer, 64, trägt mit seinem Abschied zur Zäsur in der Münchner CSU bei.

Bei der SPD hören mit Klaus Barthel (Oberbayern), Petra Ernstberger (Oberfranken) und Gabriele Fograscher (Schwaben) drei Abgeordnete auf, die seit 1994 im Bundestag sitzen. Die 61-jährige Ernstberger macht die Position der Parlamentarischen Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion frei, mit Fograscher, 60, verliert die SPD eine Innenpolitikerin. Barthel, 61, kämpfte als Linker gegen die Agenda-Reformen von Gerhard Schröder. Nach seiner Zeit im Bundestag wäre er gerne Landesvorsitzender geworden, konnte sich aber gegen Natascha Kohnen nicht durchsetzen. Er bleibt Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen.

Die Grünen verlieren mit Elisabeth Scharfenberg, 54, die seit 2005 im Bundestag saß, ihre einzige oberfränkische Abgeordnete und eine anerkannte Pflegepolitikerin. Auch der 68-jährige Thomas Gambke aus Landshut tritt nach zwei Legislaturperioden nicht mehr an. Der Physiker und Unternehmer stieß erst 2004 zu den Grünen und war seit 2012 Mittelstandsbeauftragter seiner Fraktion im Bundestag.

In einem stark von Beamten, Freiberuflern und Juristen geprägten Parlament war Eva Bulling-Schröter oft die Exotin: Nicht nur als bayerisches PDS-Mitglied, als das die Ingolstädterin 1994 erstmals in den Bundestag gewählt wurde, sondern als wohl einzige echte Arbeiterin im Parlament. Als sie 2002 zum ersten Mal ausschied, nahm sie ihren Beruf als Betriebsschlosserin wieder auf. Bei der vorzeitigen Wahl 2005 zog sie wieder in den Bundestag ein. Die 61-Jährige hat angekündigt, sich im kommenden Jahr um ein Landtags-Mandat zu bewerben.