Krise beim Weltbild-Verlag Hiobsbotschaften in Augsburg

Der katholische Verlag Weltbild steckt in der Krise. Das Unternehmen machte zuletzt Verluste, der Betriebsrat warnt vor "dramatischen und radikalen Schnitten". Wegen umstrittener Lektüre gibt es zudem Kritik aus Rom - und die kirchlichen Gesellschafter entscheiden kommende Woche über die Zukunft des Verlags.

Von Katja Riedel und Dieter Sürig

Für die 6800 Mitarbeiter des katholischen Weltbild-Verlags aus Augsburg sind es aufreibende Tage. Viele Gerüchte waren zuletzt über die Zukunft ihres Verlages zu lesen, in der eigenen Betriebspostille, aber auch in den Zeitungen. Der Betriebsrat hatte bereits vor der Belegschafts-Versammlung am Donnerstag von "dramatischen und radikalen Schnitten" gesprochen, die bereits beschlossene Sache seien. Es gehe um Hunderte Arbeitsplätze.

Von konkreten Plänen und Zahlen erfuhren die Mitarbeiter am Donnerstagnachmittag bei der mit Spannung erwarteten Betriebsversammlung jedoch nichts, wie Verdi-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann beklagte. "Wir habe präzise gefragt und keine einzige Aussage erhalten", sagt er. Die Gewerkschaft forderte einen Verzicht auf Kündigungen. "Aus Sicht der Geschäftsführung ist der Fortbestand von Weltbild sicher", sagte eine Sprecherin der Geschäftsführung nach der Versammlung. Aus aktuellen Gesprächen zur Refinanzierung der Verlagsgruppe solle man keine Aufgeregtheiten ableiten. "Solche Verhandlungen brauchen Zeit, Ruhe und Sorgfalt", hieß es.

Von 2015 an wolle man wieder schwarze Zahlen schreiben. Dann, wenn der Konzern auf das Online-Geschäft umgestellt sei und die Filialen nurmehr ergänzende Funktion hätten. Den digitalen Wandel hatte Weltbild genauso verschlafen wie andere große Buchhandelsketten, die allesamt stark an Internethändler wie Amazon verloren.

Schelte aus Rom

Schon in der kommenden Woche drohen neue Hiobsbotschaften. Denn von Montag an tagen die eigentlichen Entscheider, die Gesellschafter: zwölf deutsche Diözesen, der Verband der Diözesen sowie die Soldatenseelsorge Berlin. Sie treffen sich während der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Die Gesellschafter sind uneinig, ob sie den Verlag weiterführen wollen oder verkaufen.

Eigentlich war geplant, Weltbild in eine Stiftung zu überführen. Diese Option hatte die Erzdiözese München und Freising initiiert, die mit 13,2 Prozent stärker an Weltbild beteiligt ist als die anderen Gesellschafter und mit Generalvikar Peter Beer den Aufsichtsratschef stellt. Obwohl die Stiftung als ausgemachte Sache gegolten haben soll, wollen sich jetzt einige konservative Bistümer von dem Unternehmen trennen. Sie weigern sich angeblich, den Stiftungsvertrag zu unterschreiben. Denn zu allen finanziellen Turbulenzen kam Schelte aus Rom, weil es aus katholischer Sicht zweifelhafte Lektüre bei Weltbild zu kaufen gibt.

Und auch wirtschaftlich verlautete wenig Erbauliches: Gerüchte, die Banken hätten Weltbild bereits fallen gelassen, dementierte die Geschäftsführung, Verluste jedoch nicht. Seit einigen Wochen sollen Unternehmensberater bei Weltbild nach Sparmöglichkeiten fahnden.

Für Timm Boßmann von Verdi ein Déjà-vu: Schon früher waren Berater bei Weltbild, anschließend wurden Hunderte Arbeitsplätze gestrichen. Er befürchtet nun Ähnliches, zumal die Geschäftsführung bereits vor der Betriebsversammlung angekündigt habe, die Verträge von 110 befristet angestellten Leiharbeitern sowie studentischen Kräften nicht mehr zu verlängern. "Große Sorgen" bereite auch der Kundendienst, für den 70 Beschäftigte arbeiten. Dieser sei laut Geschäftsführung sehr teuer, sagte Boßmann. Es sei "völlig offen", ob dieser Bereich ausgelagert wird.