Herrmann: Sohn macht auf Skandal-Rapper Gangster aus Erlangen

Rapper Jackpot reimt über Sex, Drogen, Alkohol - natürlich unter Verwendung des bösen F-Worts. Einer dürfte sich damit besonders schwertun: Jackpots Vater - Bayerns oberster Sittenwächter und Innenminister Joachim Herrmann.

Von Katja Auer

Erlangen ist nicht die Bronx und das ist auch gut so, werden die Erlanger meinen. Aber das heißt noch lange nicht, dass nicht auch in eher mittelgroßen, eher beschaulichen Städten durchaus böse Buben die Straßen beherrschen. Diesen Eindruck zumindest möchte der Rapper Jackpot erwecken. Der singt gar ungehörige Dinge von Gewalt, Sex und Alkohol und - natürlich - kommt auch das schlimme F-Wort recht häufig vor. Das wäre nun noch gar nicht so bemerkenswert, wäre der zornige Kerl nicht der Sohn von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

Nun sind ja Politiker auch nur Menschen und wieso sollten sie nicht die gleichen Sorgen mit dem Nachwuchs haben wie andere Leute? Das hat Landtagspräsidentin Barbara Stamm schon erlebt, deren Tochter Claudia zwar keine unflätigen Texte dichtete, sich aber den Grünen anschloss, anstelle den Eltern in die CSU zu folgen. Jetzt also der Innenminister.

Die Abendzeitung hat die musikalischen Vorlieben des Filius aufgedeckt und ihn gleich als Porno-Rapper tituliert, was dessen Bekanntheit freilich nur zugutekommt. Für Vater Herrmann ist das zumindest peinlich. Und ärgerlich. Von ihm selbst sind keine derartigen Jugendsünden bekannt, lässt man einmal den Schnauzbart außen vor, den sich Herrmann als junger Mann stehen ließ.

Dass nun gerade der oberste Hüter von Recht und Ordnung im Freistaat einen Sohn heranzog, der zumindest vorgibt, die Gesetze der Straße denen von Papis Regierung vorzuziehen, das könnte möglicherweise zu Verstimmungen im Hause Herrmann führen. Da prahlt der Junior damit, dass er Wodka wie Wasser trinke, während der Vater sich für ein nächtliches Alkoholverbot an Tankstellen ausspricht und sogar erwägt, eine längere Sperrzeit wieder einzuführen. Von den Dingen, die der Rapper angeblich mit Frauen anzustellen gedenkt, einmal ganz abgesehen.

Dabei darf man allerdings getrost davon ausgehen, dass Jakob Herrmann, gerade eben 19 Jahre alt geworden und Jüngster der drei Herrmann-Kinder, nicht mal halb so gefährlich ist, wie er tut. Da hat sich der Musiker, wenn man ihn so nennen möchte, für das Internet-Filmchen bedrohlich vor einem Baugerüst aufgebaut. Wahrscheinlich, das ist jetzt eine Unterstellung, weil sich in Erlangen einfach kein passenderes Ambiente für einen echten Gangster hat finden lassen. Wie schon gesagt, Erlangen ist halt nicht die Bronx. Und das ist wenigstens eine gute Nachricht für den Innenminister.