G8 und G9 in Bayern Was Sie über die Schulreform wissen müssen

Abitur kann man in Bayern wohl bald auch wieder nach neun statt nach acht Jahren machen.

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Wer teilt die Klassen ein? Wie sieht der neue Lehrplan aus? Was kostet das alles? Bei der geplanten Schulreform an bayerischen Gymnasien ist noch einiges unklar. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Tina Baier

Die CSU will die Reform des achtjährigen Gymnasiums auf vier Säulen aufbauen. Erstens: pädagogische Neuerungen, zweitens Reform des Lehrplans, drittens bessere Ausbildung der Lehrer und viertens die "Mittelstufe plus", also die Möglichkeit, den Stoff der achten, neunten und zehnten Klasse in drei oder in vier Jahren zu lernen. Faktisch entspricht das einem G-9-Zug, da Schüler der verlängerten Mittelstufe neun statt acht Jahre bis zum Abitur brauchen. Ob es sich dabei um eine echte Reform handelt oder nur um eine Scheinreform, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Und von den Antworten der bayerischen Staatsregierung auf die vielen Fragen, die momentan noch offen sind.

Wie wird das neue Gymnasium finanziell ausgestattet?

Was die Reform kostet, hängt vor allem davon ab, wie viele Schüler sich für die verlängerte Mittelstufe entscheiden. "Wenn es an jedem Gymnasium zum Zeitpunkt der Einführung auch nur eine solche Klasse gibt, müssen Planstellen für knapp 400 neue Klassen zur Verfügung gestellt werden", sagt Max Schmidt, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands. Wenn die Schulen keine oder zu wenige zusätzliche Lehrerstellen bekommen, werden sie die G-9-Züge gar nicht erst anbieten.

Wann kommt die Reform?

Geplant ist, die verlängerte Mittelstufe im nächsten und übernächsten Schuljahr an einigen Gymnasien zu erproben. Schulen, die Interesse haben, können sich wahrscheinlich freiwillig für das Pilotprojekt bewerben. Im Schuljahr 2017/2018 könnten die G-9-Züge dann bayernweit angeboten werden. Kinder, die jetzt gerade in die fünfte Klasse gekommen sind, könnten also in der siebten eine neunjährige Gymnasialzeit wählen.

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Werden alle Schulen G 9 anbieten?

Jede Schule entscheidet selbst, ob sie dieses Angebot machen will. Deshalb wird es auch nach der Einführung noch reine G-8-Gymnasien geben. Möglicherweise wird es aber auch Schulen geben, die komplett zur neunjährigen Gymnasialzeit zurückkehren. "Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, würde ich den längeren Weg zum Profil meiner Schule machen", sagt etwa Heinz-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Philologenverbands und Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf.

Wie verbindlich ist die Entscheidung?

Nach den Plänen der CSU sollen Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler offenbar gemeinsam entscheiden, ob ein Gymnasium die "Mittelstufe plus" anbietet oder nicht. Eine interessante Frage wird sein, wie lange die Entscheidung dann gilt. Und ob sie auch zurückgenommen werden kann, wenn etwa der Schulleiter wechselt oder der Vorsitzende des Elternbeirats.

Wer entscheidet, welche Schüler in den G-9-Zug kommen?

Entscheidend ist, dass die Schüler frei wählen können, sonst wird die Reform ins Leere laufen. Wenn nämlich die Lehrer Schüler mit schlechten Noten für den G-9-Zug vorschlagen, bei denen sie Förderbedarf sehen, wird ein wenig attraktives "Gymnasium zweiter Klasse" entstehen, in das niemand gehen möchte.

Wird es die verlängerte Mittelstufe für alle Zweige geben?

Wahrscheinlich nicht. Die G-9-Züge können mit ziemlicher Sicherheit nicht an allen Schulen etwa für alle Sprachfolgen angeboten werden. Es wird Situationen geben, in denen es den G-9-Zug zum Beispiel für die Sprachenfolge Englisch-Latein-Spanisch gibt, nicht aber für die Sprachenfolge Englisch-Latein-Griechisch. Manche Schüler werden dann entscheiden müssen, was ihnen wichtiger ist: der G-9-Zug oder Griechisch als dritte Fremdsprache.

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Wann bekommen Gymnasiasten die Mittlere Reife?

Sowohl an der Realschule als auch an der Mittelschule wird die Mittlere Reife bislang nach der zehnten Klasse verliehen. Bekommen Gymnasiasten, die sich für die verlängerte Mittelstufe entscheiden, die Mittlere Reife künftig erst nach der Elften? "Es kann ja wohl nicht sein, dass ausgerechnet die Gymnasiasten am längsten für die Mittlere Reife brauchen", schimpft Schmidt. Nach Ansicht von Experten wäre es allerdings relativ einfach, den Lehrplan der verlängerten Mittelstufe so zu gestalten, dass auch Schülern des G-9-Zugs die Mittlere Reife nach der zehnten Klasse verliehen werden kann.

Wie sieht der Lehrplan für das reformierte Gymnasium aus?

Ohnehin war geplant, im Schuljahr 2017/18 einen neuen Lehrplan am Gymnasium einzuführen - den "Lehrplan plus". Nach den Zeitvorstellungen der CSU wäre genau dann auch die Pilotphase für die Gymnasialreform beendet. "Der Lehrplan für die verlängerte Mittelstufe darf auf keinen Fall mehr Stoff enthalten, als das jetzt der Fall ist", sagt Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Der Stoff solle vielmehr von drei auf vier Jahre gestreckt werden. Wie diese Streckung genau aussieht, könne in einem sogenannten Stoffverteilungsplan festgelegt werden.

Wie gelingt die pädagogische Reform?

Theoretisch klingen die Vorschläge der CSU für eine zeitgemäße Gymnasialpädagogik, wie etwa die Einführung von Doppelstunden, vernünftig. Tatsache ist: Viele Schulen arbeiten jetzt schon so. Die entscheidende Frage wird sein, ob es gelingt, auch die restlichen Gymnasien dazu zu bewegen, auf moderne Pädagogik umzustellen. Ansonsten werden Schüler und Eltern trotz Reform keinen großen Unterschied bemerken und weiter unzufrieden sein.

Wird es eine Gesetzesänderung geben?

Bisher ist gesetzlich festgelegt, dass das Gymnasium in Bayern acht Jahre dauert. Je nachdem, wie viele Schüler sich für den neunjährigen Weg entscheiden, muss dieser Text unter Umständen ergänzt werden.