Franken Todesdrohungen gegen fünf Neonazi-Gegner

  • Fünf Bürger, die sich gegen Umtriebe von Neonazis engagieren, sehen sich mit Todesdrohungen konfrontiert.
  • Versendet wurden sie offenbar von einem Server in den USA.
  • Vier der Betroffenen reagieren in einer Erklärung gelassen.
Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Fünf Bürger aus Franken, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, sehen sich mit fingierten Todesanzeigen konfrontiert. Betroffen sind unter anderem der Gewerkschaftssekretär Ulli Schneeweiß und die Sozialwissenschaftlerin Birgit Mair. Sie erhielten per Mail Links zu Botschaften eindeutigen Inhalts, versendet offenbar von einem Server in den USA.

Über Mair, die seit Jahren über neonazistische Umtriebe informiert, ist dort zu lesen: "An Schulen betreibst du Gehirnwäsche an deutschen Kindern, hetzt gegen die nationalsozialistische Idee. Damit ist jetzt Schluss!" Die Anzeige ist mit einem Kreuz und der Parole "Keine Trauer, kein Vergeben" versehen. Gezeichnet ist sie vom "Nationalen Widerstand in Nürnberg" und dem "Nationalen Bündnis Franken".

Wie die Betroffenen reagieren

In einer Erklärung reagieren vier der Betroffenen, darunter auch ein Journalist und ein früherer Mitarbeiter von "Endstation Rechts", gelassen auf die Provokation. Bedrohungen gehörten "zum klassischen Methodenrepertoire von Nazis", erklärt Mair. Dies sei nicht neu, Rechtsextremismus baue auf Einschüchterung und rohe Gewalt. Im SZ-Gespräch kündigt sie an, sie werde weiter machen wie bisher. "Ich werde mein Verhalten nicht ändern", auch wenn die Drohung eine neue Qualität darstelle.

Schon am 10. Dezember werde sie ihre nächste Informationsveranstaltung über Nazis anbieten. Nach Anzeigen der Betroffenen ermittelt inzwischen die Polizei, am Sonntag machte zudem ein Nürnberger Stadtrat der Linken eine gegen ihn gerichtete Todesdrohung öffentlich.

Die "Masche" mit den Anzeigen sei nicht kreativ, sagt der Journalist Jonas Miller, der ebenfalls bedroht wird. Im Februar waren bereits Journalisten in Nordrhein-Westfalen von solchen Attacken betroffen. Der Gewerkschaftssekretär Schneeweiß hat beobachtet, dass die Auseinandersetzungen mit Neonazis in Nürnberg 2015 an Intensität zugenommen habe. Jede zweite Woche seien Bürger gegen Aufmärsche von Pegida, Nügida, "Die Rechte" und den "Dritten Weg" auf die Straße gegangen.

Die rechte Szene sei "frustriert", da sie trotz aller Aktionen nicht mehr Zulauf bekomme. Die Drohmails enthalten auch die Parole "Trotz Polizeiaktion nicht tot!". Dies dürfte auf die Festnahmen fränkischer Neonazis hinweisen, die im Verdacht stehen, Sprengstoffanschläge gegen Flüchtlingsunterkünfte geplant zu haben.