Flüchtlinge Garmischs Bürgermeisterin hat sich von diffusen Ängsten treiben lassen

Sigrid Meierhofer hat wohl etwas übertrieben, als sie ihren Brandbrief wegen der Flüchtlinge im Ort schrieb. Und doch zeigt der Vorgang, was passieren kann, wenn diffuse Sorgen auf unklare Fakten treffen.

Kommentar von Matthias Köpf

Ganz Garmisch ist in der Hand afrikanischer Flüchtlinge, im Kurpark herrscht Faustrecht, Frauen können kaum unbehelligt durch den Ort gehen, und vor allem können sich die Garmischer Geschäftsleute ihrer guten Geschäfte nicht mehr sicher sein. So hat es Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer (SPD) mit einem Brandbrief an die Behörden skizziert, und so haben es die einschlägigen Medien aus halb Europa eifrig ausgemalt. Die tatsächliche Lage stellt sich zwar anders dar, aber zur politischen Wirklichkeit gehört eben auch, was die Menschen für Tatsachen halten. Und da hat sich die fraglos wohlmeinende Bürgermeisterin erst von diffusen Ängsten mancher Garmischer treiben lassen, und dann hat sie diese Ängste bedient und verstärkt.

Manche Beschwerdeführer wollen da ohnehin nicht zwischen Flüchtlingen und den heftig umworbenen Gästen aus dem arabischen Raum unterscheiden. Zur Angst vor diesen oder jenen Gästen kommt die Angst, womöglich andere Gäste zu verlieren. Dabei brummt der Tourismus in Garmisch wie lange nicht. Auch die Lage im Garmischer Abrams-Komplex ist nicht dramatischer als in anderen Erstaufnahmen. Drei Viertel der Bewohner sind junge Männer, meist aus afrikanischen Ländern, und viele haben auch schon italienische Aufenthaltstitel.

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Von Deutschland haben sie sich vermutlich Besseres versprochen, als ihnen nun geboten wird. Sie haben kaum Chancen auf Asyl, sie haben kaum etwas zu tun, und so kommt es zu Konflikten, wie sie unter den Umständen auch unter 231 Werdenfelser Trachtlern oder fränkischen Feuerwehrlern entstünden. Die Art der Unterbringung ist erklärte Politik der Staatsregierung, aber wenn es schon sein muss, dann noch am ehesten im weitläufigen Abrams-Komplex. Dass die Polizei dort in zwölf Monaten 60 Mal eingreifen musste, ist nicht schön, aber es gibt wohl auch in Garmisch Kaschemmen, die es ebenfalls auf einen Schnitt von fünf Einsätzen pro Monat bringen.

Dass Meierhofers Brief öffentlich wurde, braucht sie nicht zu wundern. Besser wäre es gewesen, alle Fraktionen hätten gleich gemeinsam und öffentlich gesagt, was sie zu sagen haben. Und ob vertraulich oder öffentlich: Am besten wären sie auch gleich bei den Fakten geblieben.