Ergebnisse der Landtagswahl SPD verschwindet von der Landkarte

Stark in der Stadt, schwach auf dem Land: Die SPD-Politiker, die künftig im Landtag sitzen, kommen fast alle aus den großen Ballungsräumen - bis auf einen Abgeordneten. Der hat sein Mandat dem Verzicht von Christian Ude zu verdanken.

Von Mike Szymanski

Die SPD ist in Bayern zu einer Stadtpartei geworden. Im neuen Landtag werden weite Teile des Landes nicht mehr durch Abgeordnete der SPD vertreten sein. Besonders deutlich trifft dies Oberbayern. Von den 14 Abgeordneten, die über die Liste ins Maximilianeum einziehen, kommt einzig Günther Knoblauch nicht aus der Landeshauptstadt und den angrenzenden Landkreisen. Der Mühldorfer Bürgermeister schaffte es nur deshalb in den Landtag, weil SPD-Spitzenkandidat Christian Ude, der Oberbürgermeister von München, sein Mandat nicht annimmt. Maria Noichl, die bislang Rosenheim im Landtag vertreten hatte, verpasste den Wiedereinzug.

Die SPD ist ohnehin nicht sonderlich stark im Maximilianeum vertreten. Sie stellt 42 der 180 Abgeordneten. Wirkliche Land-Abgeordnete wie etwa in früheren Zeiten Gustav Starzmann aus Reichenhall oder Christa Harrer aus Bad Tölz hat die SPD nicht mehr vorzuweisen. Mit Ausnahme von Paul Wengert aus Füssen kommen beispielsweise auch die fünf schwäbischen Sozialdemokraten aus der Großstadt Augsburg oder ihrem Umland. Auch große Teile des Allgäus und Nordschwabens sind damit ohne SPD-Parlamentarier. Und Wengert dürfte auch nur deshalb so viele Zweitstimmen auf sich vereint haben, weil er früher Oberbürgermeister in Augsburg war.

Die SPD aus Unterfranken schickt unter ihren neu gewählten Abgeordneten auch eher die Städter nach München, sie kommen aus Aschaffenburg, Schweinfurt und Würzburg beziehungsweise aus dem Umland dieser Städte. Ruth Müller, die neue Abgeordnete der SPD in Niederbayern, wohnt zwar auf dem Land, in Pfeffenhausen, hat aber dafür die Stadt Landshut in ihrem Stimmkreis.

Franz Schindler, seit 1990 Landtagsabgeordneter aus Schwandorf in der Oberpfalz, die mit vier Abgeordneten im neuen Landtag vertreten ist, sieht die Probleme. "Weiße Flecken zu schließen und die Basis zu stärken, das geht ohne Mandate nur ganz schwer." Er ist mit dem Erreichten schon ganz zufrieden: "Wir sind nicht noch weiter abgestürzt. Wir haben uns stabilisiert - auf niedrigem Niveau."

Die SPD ist traditionell in den Städten stark vertreten, auf dem Land hatte sie es immer schwer, in Bayern besonders. Die Wahlergebnisse zeigen jedoch, dass sich die Probleme in der Fläche für die Sozialdemokraten eher verschärft haben. Dabei hatten Bayerns SPD-Vorsitzender Florian Pronold und Generalsekretärin Natascha Kohnen nach der Wahlschlappe von 2008 versucht, mit einer grundlegenden Reform die SPD auch auf dem Land wiederzubeleben. "Wegen Umbau geöffnet" - hieß die Kampagne dazu.

Ernüchternde Bilanz

Die Mitgliedsbeiträge wurden um einen Euro erhöht, um die Modernisierung zu finanzieren. Die SPD sollte wieder ins Land ausstrahlen. Zum Auftakt des Wahljahres 2013 hatte Spitzenkandidat Ude eine Werbeoffensive für Neu-Mitglieder angekündigt: "Was uns noch Sorgen bereitet, sind die weißen Flecken im Land, wo die SPD schwach bis gar nicht vertreten ist", sagte er damals.

Die Bilanz fällt ernüchternd aus. Die SPD konnte ihr Ergebnis von 18,6 Prozent (2008) mit jetzt 20,6 nur leicht verbessern und blieb hinter den selbst gesteckten Zielen weit zurück. Die weißen Flecken sind geblieben. Landeschef Pronold räumt ein, dass die Zahl der Ortsvereine weitgehend unverändert geblieben sei. Sie sage aber auch nicht viel aus. Er gebe viele Ortsvereine, die überaltert und mitunter nicht mehr aktiv seien. Auch bei den Mitgliederzahlen ist keine Trendumkehr festzustellen: In den vergangenen zehn Jahren hat die Bayern-SPD fast 25 000 Mitglieder verloren. Sie kommt derzeit nur noch auf etwa 65 000 Genossen im Freistaat. Tendenz fallend. Pronold sagt heute, die weißen Flecken könne man nicht einfach so von der Landesebene her beseitigen.

Nach der Reform ist vor der Reform. Generalsekretärin Kohnen kündigte als Reaktion auf die Landtagswahl an: "Wir müssen uns bei den Bürgerbüros deutlich verbessern." Und viel stärker ausschwärmen müssten die Abgeordneten von nun an - dorthin, wo es sonst keine Genossen mehr gibt.