Edith von Welser-Ude Liebling der Genossen

"Dass jemand, der so gute Artikel schreibt, so bescheuert aussieht", hätte Edith von Welser-Ude nicht gedacht, als sie Christian Ude kennenlernte. Im Gespräch mit Markus Rinderspacher erzählt sie nicht nur Politisches.

Edith von Welser-Ude war nicht gerade begeistert, als sie erfuhr, dass ihr Mann im Herbst Ministerpräsident werden will. Jetzt wirbt sie für ihren Christian - und kommt bei den Genossen so gut an, dass mancher ihn gerne durch sie ersetzen würde.

Von Katja Auer

Was eine Ministerpräsidentengattin in Bayern so zu tun hat, welche sozialen und gesellschaftlichen Verpflichtungen sie übernimmt, ist gesetzlich nicht geregelt. Karin Stoiber widmete sich ganz Mann und Amt, Marga Beckstein nur dann, wenn Mann und Amt vehement nach ihr verlangten, und Karin Seehofer scheint sich irgendwo dazwischen mit beiden arrangiert zu haben. Noch mehr Spielraum bietet die Rolle der Ministerpräsidentenkandidatengattin. Eine Möglichkeit, diese auszugestalten, lässt sich derzeit an Edith von Welser-Ude besichtigen, der Ehefrau von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, der bekanntlich im Herbst Horst Seehofer das Amt des Ministerpräsidenten abnehmen will.

Edith von Welser-Ude tourt gerade durch das Land, in Straubing war sie schon, in Weiden, in Kitzingen, mehr Orte sollen folgen, wo sie im Gespräch mit Fraktionschef Markus Rinderspacher "von ihrem spannenden, engagierten Leben" erzählt, wie es in den Einladungen heißt. Im ficus-benjamina-begrünten Wintergarten des Caféhauses Harmonie in Kitzingen wollten um die 40 Besucher hören, wie der gelernte Journalist Rinderspacher, mit Tee, und des Kandidaten Ehefrau, mit Weißwein, im Zwiegespräch Wahlkampf für den Nicht-Anwesenden machen.

Sie tun das gewandt, schließlich war Frau von Welser-Ude selbst politisch aktiv, ist Mutter von sechs Kindern (keines von Ude), Fotografin, Moderatorin einer Kochsendung, und man nimmt der 73-Jährigen ab, dass das Amt der Ministerpräsidentengattin keines ist, das ihr zum Lebensglück fehlte. Sie sei "kerzengerade in die Höhe gegangen und habe geheult vor Wut",als sie von den Ambitionen ihres Mannes erfahren habe, erzählt sie. Nebenbei, dass der sich selbst zum Kandidaten ausgerufen habe, sei freilich ein Märchen. Sie hat doch eingewilligt, "da haben die Genossen über die Ehefrau gesiegt". Beifall aus dem Publikum.

Hier sitzt nicht die zurückhaltende Ehefrau eines erfolgreichen Oberbürgermeisters, sondern seine Beraterin, auch in politischen Dingen, die ihren Beitrag zum Wahlsieg leisten will. Als sie Ude kennenlernte, war der noch Journalist. "Ich hätte nicht gedacht, dass jemand, der so gute Artikel schreibt, so bescheuert aussieht", zitiert Rinderspacher sie. Sie war da längst politisch aktiv. 1969 trat sie in die SPD ein, 1972 wurde sie in den Bezirksausschuss gewählt, 1978 bis 1990 saß sie im Münchner Stadtrat. Weil sie den Wechsel von einer CSU- zu einer SPD-geführten Stadtspitze erlebte, fragt Rinderspacher, wie der funktioniert. "Arbeiten, arbeiten, arbeiten und auch darüber reden", rät sie.

Als Ude anfing im Stadtrat, hörte sie auf und fotografierte lieber. Auch ihren Mann für die Wahlkämpfe, "weil ich fand, dass er bei mir immer besonders freundlich schaut". Und warum er nun der bessere Ministerpräsident sein soll? Edith von Welser-Ude, der Politik-Profi, zitiert Seehofer. Der habe über Ude gesagt, wenn jemand 20 Jahre so eine Stadt geführt habe, müsse man den ernst nehmen.

Warum aber die Veranstaltung? "Es wäre doch fatal, wenn wir sie nicht vorzeigen würden", hätten die Genossen gesagt, erzählt Rinderspacher. Das könnte stimmen. Wo Ude fremdelte und in Franken anfangs Sprüche machte, die geradezu entblößten, wie wenig er das Land kannte, das er regieren will, tut sich seine Frau leicht. "Ich finde, dass die SPD in Bayern viel netter ist als die scharfzüngige Münchner SPD", sagt sie. Die Zuhörer, viele Genossen, klatschen. Hernach sinniert einer, ob es nicht sinnvoller wäre, statt der Kandidaten deren Frauen den Wahlkampf machen zu lassen.