CSU Seehofer setzt auf Gauweiler

CSU-Parteichef Seehofer schätzt den Euro-Rebellen in den eigenen Reihen und will Peter Gauweiler stärker in die Partei einbinden. Offenbar war der 62-Jährige schon bei der jüngsten Kabinettumbildung im Gespräch - und lehnte ab.

Von Robert Roßmann und Mike Szymanski

CSU-Chef Horst Seehofer will den Euro-Skeptiker Peter Gauweiler wieder stärker an seine Partei binden und hofft auf dessen Hilfe im Landtagswahlkampf 2013. Der Münchner Bundestagsabgeordnete war im Herbst bei der Wahl zum stellvertretenden Parteivorsitzenden in einer Kampfabstimmung nur knapp Peter Ramsauer unterlegen. Seehofer schätzt Gauweiler als einen der wenigen CSU-Politiker, die mit ihren Auftritten Marktplätze und große Hallen problemlos füllen können. Zum Abschluss der Winterklausur der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth sagte Seehofer: "Wir hatten schon ein ausführliches Gespräch." Seehofer soll Gauweiler dazu in dessen Anwaltskanzlei besucht haben.

Offenbar war der 62-jährige Gauweiler bereits bei der jüngsten Kabinettsumbildung im Gespräch. Nach dem überraschenden Wechsel von Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) zum Sparkassenverband gab es im November die Überlegung, dass Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in das Finanzressort wechselt. Damit wäre das Innenministerium für Gauweiler frei gewesen. Zu der Lösung kam es dann jedoch nicht. Gauweiler ist Partner einer florierenden Rechtsanwaltskanzlei am Münchner Promenadeplatz. Bei einem Ministeramt müsste er sich in der Kanzlei einschränken. So wurde am Ende Markus Söder neuer Finanzminister.

Es gilt auch als unwahrscheinlich, dass Gauweiler sich noch einmal fürs Innenressort interessiert. Nach der Landtagswahl 1986 holte der damalige Ministerpräsident Franz Josef Strauß Gauweiler als Staatssekretär in das Innenministerium. Seine harte Linie im Kampf um die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf und seine umstrittene Anti-Aids-Politik machten ihn rasch bundesweit bekannt. Nach der Wahl 1990 wurde er Umweltminister in Bayern.

Im Zuge der "Kanzleiaffäre", Gauweiler hatte den Mandantenstamm seiner früheren Kanzlei verpachtet, ließ der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber Gauweiler fallen. 1994 musste der Minister zurücktreten. Seit 2002 sitzt Gauweiler für die CSU im Bundestag. Seine Kritik an der Europa-Politik hat viele Unterstützer in der Partei. Gauweiler gilt als Einzelgänger. Seine Kandidatur um den Partei-Vizeposten hatte große Teile der CSU begeistert.