Die CSU hat ein gestörtes Verhältnis zu ihren Frauen. Nach außen propagiert sie gerne die heile Familienwelt. Deshalb durfte die kinderlose Merk nicht Familienministerin werden, was sie wollte. Und zudem schaffen es meist nur Kinderlose ganz nach oben. Es ist paradox.

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Schwarz-rot-gold und blau-weiß: Dorothee Bär mit CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. (© seyboldtpress.de)

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Wer mit Dorothee Bär nach Abendveranstaltungen noch sprechen möchte, bekommt schon mal gesagt, sie müsse nach Hause. Sie wolle ihr Kind sehen. Sie bittet auch um Verständnis dafür, am Wochenende mal nicht gestört werden zu wollen, weil sie mit ihrem Mann und der Tochter Kindergeburtstag feiern möchte. Sie greift nicht nach dem Bezirksvorsitz in Unterfranken, der in absehbarer Zeit zu vergeben ist und innerparteilich viel Macht verleiht, weil sie gar nicht weiß, wie sie dann noch alle Termine schaffen soll. Sie ist ja jetzt schon so häufig unterwegs wie eine Managerin.

"Nicht sexy, aber notwendig"

Wer ihren Lebenslauf studiert, spürt, dass es ihr nicht leichtfällt, Nein zu sagen. Bär hat ihre gesamte Jugend in der CSU verbracht, mit 14 ging sie zur Jungen Union, dann folgte die Ochsentour durch die Partei. Sie hat sich richtig reingewühlt in die Partei, sich akribisch mit jedem neuen Amt ein bisschen mehr Einfluss gesichert. Sie hat ihr Diplom in Politik gemacht, und 2002 wurde sie in den Bundestag gewählt. Es ist eine Bilderbuchkarriere. Sie dachte nicht daran, nach der Geburt ihrer Tochter eine Pause einzulegen. Das hätten einige in der CSU "nicht gerade toll" gefunden, bekannte sie in einem Interview.

Kann es sich die Partei erlauben, so wenig Rücksicht auf ihre wenigen Frauen zu nehmen, die ja tatsächlich wissen, was es bedeutet, Familie und Beruf zu vereinbaren? Sie erlaubt es sich einfach. Die Politikwissenschaftlerin Isabelle Kürschner hat die Lebensläufe der christsozialen Erfolgsfrauen ganz gründlich studiert und eine Dissertation darüber verfasst.

Sie kommt darin zu dem Befund: "Die ideale CSU-Politikerin widmet sich erst ihren Kindern, dann der Politik." Verglichen mit den männlichen Parteikollegen seien die Spitzenpolitikerinnen "überdurchschnittlich häufig unverheiratet und kinderlos".

Dass es so nicht weitergehen kann, haben die Frauen in der Partei Horst Seehofer zu verstehen gegeben. Die Frauen-Union unter Landeschefin Angelika Niebler will auf dem Parteitag im Herbst die CSU zur Abstimmung über eine Frauenquote zwingen. Für alle parteiinternen Gremien, die Vorstände auf Landes-, Orts-, Kreis- und Bezirksebene sowie für die Delegiertenversammlung soll eine 40-Prozent-Quote gelten. "Sie ist nicht sexy, aber notwendig", verteidigt Angelika Niebler den Vorstoß, der immer mehr Unterstützer findet.

Auch Barbara Stamm, früher eine Quotengegnerin, sagt heute: "Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluss gekommen: Wir brauchen eine Frauenquote in der CSU." An der Basis lässt sich die Stimmung so zusammenfassen: "Jetzt reicht's aber mit den Weibern." Es dürfte also ein unbequemer Parteitag für Seehofer werden. Bär sagt bisher zur Quote nicht viel, als Vize-Generalsekretärin wolle sie die Basis erst mal diskutieren lassen. Sie weiß, dass sich die Partei bewegen muss. "Manchmal muss man die Leute zu ihrem Glück zwingen", deutet sie an. Sie meint die Männer.

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(SZ vom 01.09.2010/sonn)