CSU-Parteichef Seehofer rechnet mit Guttenberg-Comeback

Nach der Plagiatsaffäre glaubte kaum einer an die Rückkehr von Guttenberg in die Politik - außer Parteichef Seehofer, der sich erneut für ein Comeback des einst beliebtesten Politikers starkmachte. Seehofer kann es sich leisten.

Von Birgit Kruse

Politik ist ein schnelllebiges Geschäft. Wie schnell es in der Gunst der Wähler nach oben und auch wieder nach unten gehen kann, zeigt der Absturz von Karl-Theodor zu Guttenberg. Ein Jahr lang führte der CSU-Politiker die Liste der beliebtesten Politiker an. Die besten jemals gemessenen Werte konnte der junge Verteidigungsminister verbuchen - immer weit vor der Kanzlerin und dem Bundespräsidenten, der qua Amt schon immer eine besonders gute Bewertung bei den Wählern bekommt.

CSU-Parteichef Horst Seehofer: "Es ist ein harter Schlag, dass Guttenberg jetzt auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung steht."

(Foto: dapd)

Doch am 1. März nahm der kometenhafte Aufstieg des CSU-Mannes ein jähes Ende. Guttenberg trat vom Amt des Verteidigungsministers zurück. Zu groß war der Druck auf Guttenberg in der Plagiatsaffäre um seine Doktorabreit geworden. Zu eindeutig die Hinweise, dass er massiv abgeschrieben hatte. Inzwischen hat er auch alle anderen politischen Ämter und Mandate aufgeben - vom Bundestagsmandat über den CSU-Bezirkschef Oberfranken bis hin zu seinem Sitz im Kreistag von Kulmbach.

Und auch in der Wählergunst ist Guttenberg abgerutscht - von Platz eins auf Platz vier. Nur in einer Gunst scheint der Franke nicht zu verlieren: in der des Parteichefs. In einem Gespräch mit dem Spiegel antwortet Horst Seehofer auf die Frage, ob Guttenberg noch CSU-Vorsitzender werden kann: "Warum denn nicht?" Guttenberg sei ein großes Talent. "Ich rechne nach wie vor damit, dass er eines Tages wieder zur Verfügung steht." Wer Seehofer kennt, weiß: Die Betonung liegt auf "eines Tages."

Seehofer war es, der Guttenberg den Sprung auf das große Parkett der Politik ermöglichte. Er holte ihn als Generalsekretär nach München, um ihn nur knapp 100 Tage später als Nachfolger von Michael Glos ins Kabinett Merkel zu schicken - als Wirtschaftsminister. Schon zu diesem Zeitpunkt liebten die Wähler den jungen und smarten Politiker adeliger Abstammung. Sie waren betört von seiner Eloquenz, von seinen guten Manieren und der Fähigkeit, jedem das Gefühl zu vermitteln, seine ganze Aufmerksamkeit zu haben.

Und Horst Seehofer musste mit ansehen, wie sein politischer Ziehsohn mit wachsender Beliebtheit auch zu einer immer größeren Bedrohung für ihn selbst wurde. Anfang des Jahres musste Seehofer sogar noch fürchten, dass Guttenberg im Herbst in einer Kampfkandidatur gegen ihn antreten und nach dem Posten des Parteichefs greifen würde.

Diese Gefahr ist nun gebannt. Bereits beim politischen Aschermittwoch in Passau hatte Seehofer eine Rückkehr Guttenbergs in die Politik aber nicht ausgeschlossen. "Ich werde alles dafür tun, dass Karl-Theodor wieder in die bayerische, in die deutsche Politik zurückkehrt", rief er der Basis zu und erntete dafür frenetischen Applaus.

Auch wenn Guttenberg vielleicht "eines Tages" einmal wieder eine Rolle in der Politik spielen wird. Vor dem Wahlparteitag im Herbst wird das sicher nicht sein. Seehofer weiß das, und kann sich nicht zuletzt deswegen eine gesunde Portion Großzügigkeit leisten. Die CSU habe "nur Erfolg, wenn sie möglichst viele Leute im Angebot hat, die etwas leisten", sagt er und weist damit Spekulationen zurück, er sei aus Konkurrenzgründen froh über den Rücktritt von Guttenberg. "Insofern ist es ein harter Schlag, dass Guttenberg jetzt auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung steht." Man müsse dem früheren Verteidigungsminister nun zunächst "die nötige Ruhe" lassen. "Wenn das mit der Doktorarbeit aufgearbeitet sei, sei auch wieder die Zeit für Gespräche."

Aber das kann noch dauern. Denn so schnelllebig ist Politik dann meist doch nicht.