CSU im Wahljahr 2013 Die CSU der Beliebigkeit preisgegeben

Inhaltlich hat Seehofer die CSU der Beliebigkeit preisgegeben. Er orientiert sich daran, was gerade en vogue ist. In der Europapolitik hat er mit diesem Kurs mittlerweile jede Glaubwürdigkeit verspielt. Die vielen schönen Beschlusspapiere, die jetzt wieder auf den Winterklausuren in Kreuth durchgewinkt werden, sind nicht viel mehr als Klamauk. Was, außer dass die CSU gegen breitesten Protest dem Land das Betreuungsgeld aufgezwungen hat, wird als großer politischer Erfolg der CSU in Erinnerung bleiben?

Seehofer hat kaum Politik fürs Land gemacht. Sein Verdienst besteht darin, die CSU repariert zu haben. Die Partei ist unter ihm etwas moderner geworden, aufgeschlossener in jedem Fall. Sie fördert heute Frauen und behandelt Ökologie nicht mehr bloß als Nischenthema.

Sie macht das nicht aus dem Gefühl tiefster Überzeugung, sondern aus der Erkenntnis, dass sonst ihre Tage wohl gezählt wären. In Wahlumfragen können sich fast schon wieder die Hälfte der Wähler in Bayern vorstellen, für die CSU zu stimmen. Unter Seehofer kehrt das Selbstbewusstsein in die Partei zurück - die Opposition in Bayern hat ihr nicht wirklich etwas entgegenzusetzen. Seehofers Stärke resultiert zum Teil auch aus der Schwäche der anderen.

Wohin der Ministerpräsident Seehofer mit dem Freistaat will, diese Frage hat er bislang nicht beantworten können. Das werden seine Nachfolger tun müssen. Die Nach-Seehofer-Zeit ist in der CSU mit der Rückkehr von Ilse Aigner in die Landespolitik angebrochen. Ihr wird eine große Zukunft vorausgesagt. Wer auch immer Seehofer beerbt, er übernimmt ein Bundesland, das der Parteichef nach der großen Hast unter Stoiber entschleunigt hat.

Ein Mann wie Seehofer kann nur einer für den Übergang sein. Die Frage ist nur: Geht er als Gescheiterter oder als Retter?